Als die Schlusssirene am Donnerstagabend um 21.40 Uhr die zweimal fünfminütige Verlängerung beendete, kannte der Jubel der Handballer der HSG Elbvororte II keine Grenzen. Mit einem 35:33 (15:15, 29:29) nach Verlängerung hatten sie in der ersten Runde des HHV-Pokals das klassenhöhere HT Norderstedt II geschlagen. „Wir waren der Außenseiter, haben es aber geschafft, dass die Stärken des Gegners nur selten zum Tragen kommen“, freute sich HSG-Trainer Tobias Mittelgöker nach dem Pokal-Coup in der Sporthalle an der Wedeler Bergstraße.
Mittelgöker hatte die Norderstedter, die eine Klasse über seinem Team in der Oberliga Hamburg um Punkte kämpfen, vorab einmal beobachtet und „festgestellt, dass sie sehr gutes Tempo spielen“. Folglich galt es für die Elbvorortler, ihre Angriffe lange auszuspielen und nur hundertprozentige Wurfchancen zu nehmen. „Leichte Fehlwürfe und Ballverluste mussten wir unbedingt vermeiden, denn wenn der Gegner ins Tempospiel gekommen wäre, hätten wir ihn nicht aufhalten können“, erklärte Mittelgöker.
Nicht stoppen konnten die Norderstedter ihrerseits Tom Schmitt. Der langjährige Oberliga-Spieler traf in der ersten Halbzeit schon sechsmal, woraufhin die Gäste ihn nach der Pause in Manndeckung nahmen. Dies konnte Schmitt aber nicht stoppen – im Gegenteil: Im zweiten Durchgang netzte er sogar achtmal ein. „Er ist zweikampfstark genug, sich auch gegen eine Einzeldeckung durchzusetzen“, so Mittelgöker, dessen Schützlinge beim Stand von 27:25 (53. Minute) gute Chancen auf einen Sieg in der regulären Spielzeit hatten.
Hier kommt Tom Schmitt (am Ball), der insgesamt 16 Tore erzielte, gegen Tim Luca Hillert vom HT Norderstedt II zum Wurf. Foto: Jakob SchreiberDarauf folgten dann aber vier Gegentreffer in Folge, die Mittelgöker damit begründete, dass sein Team „kurzzeitig zu unkonzentriert agiert“ und „einfache Bälle weggeworfen“ habe. Einen Zwei-Tore-Rückstand in nur zwei Minuten gegen einen klassenhöheren Gegner noch wettzumachen, ist kein leichtes Unterfangen. Aber dies gelang den Elbvorortlern – auch, weil Maris von Kuenheim, der im Sommer von der HSG zum HNT gewechselt war, für einen Schubser gegen Schmitt eine Zeitstrafe kassierte.
Nach dem 29:29-Ausgleich von Simon Leppert 48 Sekunden vor Ultimo parierte HSG-Keeper Marcus Brückner den letzten Wurf, sodass es in die Verlängerung ging. Hier hatten die 2. Herren der Spielgemeinschaft aus Blankenese, Rissen und Wedel den längeren Atem, worüber sich ihr Trainer sehr freute: „Nachdem unser bisheriger Saisonverlauf sehr wellenförmig war, hatte ich das Pokalspiel vorab zu einem Mentalitätstest erklärt – und den haben wir bestanden.“
Hatte die HSG-Zweite vor Jahresfrist noch „unfassbar dämlich“, so Mittelgökers Ausdrucksweise, mit 28:31 (10:12) bei der SG Harburg II verloren, so erreichte sie nun das Achtelfinale des Hamburger Pokals. Diesen Wettbewerb hatte die 1. Mannschaft der Spielgemeinschaft im Mai 2024 gewonnen, nachdem sie im Halbfinale die Erstvertretung des HT Norderstedt mit 29:28 nach Verlängerung geschlagen hatte. Mittelgöker stellte lachend fest: „Gegen Norderstedt gibt es immer enge Duelle.“ Und im Pokal am Ende scheinbar immer HSG-Jubel.


