Ein Baby auf Zeit

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Das Team um (v.l.n.r.) Anna Christiansen (Straßensozialarbeit Osdorf/Lurup), Kevin Kordts (Vereinigung Pestalozzi gGmbH) und Simone Norin (Straßensozialarbeit Osdorf/Lurup) betreut die Jugendlichen im Umgang mit den Babysimulatoren. Das Team um (v.l.n.r.) Anna Christiansen (Straßensozialarbeit Osdorf/Lurup), Kevin Kordts (Vereinigung Pestalozzi gGmbH) und Simone Norin (Straßensozialarbeit Osdorf/Lurup) betreut die Jugendlichen im Umgang mit den Babysimulatoren. Foto: Raffaella Vigorito
Osdorf (21. Mai 2024, PM) · Projekt „Babybedenkzeit“ sensibilisiert Jugendliche zur Elternschaft. – Zehn Babys liegen bereit und warten auf ihre Eltern auf Zeit: So beginnt die „Babybedenkzeit“, ein fünftägiger Kurs für Jugendliche in Osdorf und Lurup. Doch weder Babys noch Eltern sind echt. Mithilfe von realitätsnah aussehenden Babysimulatoren können die Eltern auf Probe für einen abgesteckten Zeitraum erleben, wie sich der Alltag mit Baby zwischen Windeln, Geschrei und Schlafmangel anfühlt. Ziel des Projekts ist eine bewusste Auseinandersetzung der Jugendlichen mit dem Thema Elternschaft.
Die „Osdorfer und Luruper Babybedenkzeit“ ist ein Kooperationsprojekt der Straßensozialarbeit Osdorf/Lurup und des Jugendtreffs Netzestraße mit den beiden Stadtteilschulen. Die Kurse finden in den Räumen der Straßensozialarbeit und des Jugendtreffs statt. Die Sensibilisierung der Jugendlichen geschieht mithilfe der Kombination aus Praxis – die Versorgung eines Babysimulators – und der theoretischen Aufklärung durch begleitende Schulungen zu Themen rund um Schwangerschaft und Elternschaft.

Über fünf Tage hinweg wird dabei der Babysimulator von den Jugendlichen der 9. Jahrgangsstufe betreut. Und jener muss kaum weniger intensiv versorgt werden als ein echtes Baby – dazu zählen unter anderem das Füttern, Wickeln und Wiegen im Arm. Daneben haben die jungen Teilnehmenden darauf zu achten, dass „ihr Baby“ Bäuerchen macht und der Kopf richtig gehalten wird. Der Simulator erzeugt lebensechte Weingeräusche und zeichnet jeweils auf, wie zeitnah die Jugendlichen darauf reagieren. Es wird aber auch dokumentiert, ob es zu Misshandlungen in Form von Schütteln, falscher Lagerung oder Schlägen kommt.

Donnerstagmachmittag nehmen die Jugendlichen ihr Probebaby in Empfang, montags wird das Projekt gemeinsam abgeschlossen. Täglich findet im Rahmen des Projekts ein gemeinsames Mittagessen mit anschließenden Schulungen statt. Hier werden die Schwierigkeiten der Jugendlichen, den Babysimulator fünf Tage lang zu versorgen, in der Gruppe besprochen. Denn Schlafmangel, Stress oder Erschwernisse durch beengte Wohnverhältnisse sind Erfahrungen, die auch die Probeeltern schnell machen. Zudem ist eine Rufbereitschaft eingerichtet, sodass die Jugendlichen auch am Wochenende in Momenten der Überforderung Hilfestellung erhalten.

Daneben werden die Teilnehmenden in den Schulungen zu diversen Themen rund um Elternschaft informiert, wie Verhütung und Sexualität, Suchtprävention in der Schwangerschaft, Fetale Alkoholspektrum-Störungen, Versorgung von Kleinkindern, Erziehung und Elternverantwortung. Aber auch das Hilfesystem für Schwangere und junge Eltern in Osdorf und Lurup wird vorgestellt, begleitet von Besuchen in der Mütterberatung, dem EKIZ Lurup, der Elternschule Osdorf und dem Kennenlernen weiterer sozialräumlicher Angebote in den Stadtteilen.

Nachdem zum Projektende der im Simulator eingebaute Chip ausgewertet ist, werden im vertraulichen Gespräch die Schwierigkeiten für die Teilnehmenden während der Versorgung besprochen. Dabei gibt es ausdrücklich kein „Scheitern“ für die Jugendlichen: Jede Erfahrung wird als Gewinn betrachtet – schließlich ist es auch eine Erkenntnis, sollte die Praxisphase aufgrund von Überforderung vorzeitig abgebrochen werden. Übergeordnetes Ziel des Projektes ist, ein Bewusstsein bei den Jugendlichen dafür zu schaffen, was es tatsächlich bedeutet, Mutter oder Vater zu sein. Zudem soll dem Problem mangelnder Aufklärung und fehlender Perspektiven begegnet werden, um ungeplanten und frühen Schwangerschaften entgegenzuwirken.

Das Projekt „Babybedenkzeit“ wird bereits seit 2005 in den Stadtteilen Osdorf und Lurup zweimal jährlich angeboten, seit 2021 gemeinsam von Straßensozialarbeit, Jugendtreff und Stadtteilschulen. In dieser Kooperationsform ist das Projekt einmalig in Hamburg. Jährlich gibt es vier Durchgänge, sodass jeweils zehn Mädchen und zehn Jungen aus den beiden Stadtteilen teilnehmen können. Seit Projektbeginn konnten so bereits mehrere hunderte Jugendliche geschult werden. Finanziert wird die „Babybedenkzeit“ durch das Fachamt Jugend- und Familienhilfe Altona, Träger ist die Vereinigung Pestalozzi gGmbH.

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