Lebendiges Bauerndorf oder Museum?

  • Landwirte nach Feststellung der Bebauungspläne für die Feldmarken in Sorge – Grüne feiern Kompromiss
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Sülldorf (29. April 2019, Markus Krohn) · Nach jahrzehntelangem Ringen um die Feldmarken in Rissen, Sülldorf und Osdorf hat die Bezirksversammlung in ihrer letzten Sitzung vor der Bezirkswahl die Bebauungspläne für die Feldmarken am Hamburger Stadtrand festgestellt und damit ein Schlusspunkt hinter die Debatte gesetzt. Während die Grüne Fraktion Altona jubelt, grummelt es bei den Landwirten immer noch. Während der letzten Monate hatten sie immer wieder versucht, ihre Position deutlich zu machen und weitere Zugeständnisse zu erwirken – vergeblich.

Gesche Boehlich, Fraktionsvorsitzende der Altonaer Grünen: „Ich freue mich, dass wir mit diesem Beschluss in der Lage sind, einen Rest der Knicklandschaft, die früher für große Teile Altonas typisch war, dauerhaft vor einer möglichen Bebauung zu schützen. So bleiben Lebensräume für bedrohte Wiesenvogelarten wie Lerche und Kiebitz erhalten, besonders im feuchten Grünland der Wedeler Au. Das heute vorliegende Ergebnis mag vielleicht nicht alle zufriedenstellen, aber es stellt einen Kompromiss dar, bei dem alle Interessen berücksichtigt sind.“ 

Für die Grünen steht fest, dass die Anliegen des Naturschutzes, der Naherholungssuchenden und der Landwirtschaft sorgfältig abgewogen wurden. Die Pläne sollen den Landwirten angemessene Entwicklungsmöglichkeiten ihrer Hofstellen eröffnen.

Gesche Boehlich weiter: „Und auch der Beschluss zum Bebauungsplan Sülldorf 4 ist zu begrüßen: Er sichert den Charakter des letzten Geestdorfes Hamburgs. Mit seinen zahlreichen denkmalgeschützten bäuerlichen Hofanlagen, mit den Wohn- und Wirtschaftsgebäuden aus dem 19. Jahrhundert, ist und bleibt es ein lebendiges Dorf und zugleich ein begehbares Zeitdokument.

Die Landwirte sehen die Zukunft „ihres“ Dorfes nach wie vor kritisch. In einer ersten Stellungnahme schreibt Agnes Timmermann, zweite Vorsitzende des Vereins zum Erhalt der Kulturlandschaft Rissen-Sülldorf e.V.: "Leider mutiert der Bebauungsplan Sülldorf 4 zur Festsetzung eines Museumsdorfes. Hier in der Rissen-Sülldorfer Feldmark ergänzen sich Pferdelandwirtschaft und Naturschutz nachgewiesenermaßen gegenseitig. Vor diesem Hintergrund ist unser Unverständnis groß.

Wenn ein landwirtschaftlicher Betrieb im Dorf sich auf der Hofstelle nicht genauso flexibel an die Zukunft anpassen darf, wie die Höfe im Außengebiet, gilt der Grundsatz: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Der B-Plan Sülldorf 4 beschleunigt damit den Strukturwandel ohne Aussicht auf Alternativen. In der Feldmark (B-Plan Rissen 44) wurden durch unsere Einwände und das Gutachten der Wirtschaftsbehörde  die Notwendigkeit für Handlungsspielraum erkannt und  eingeräumt. Für das Dorf ist das leider nicht geschehen. Hier hat man diese Erkenntnis ignoriert und ,,nur” einen Formfehler heilen wollen.

Wenn der 1. Beschluss zum Plan Sülldorf 4 im Jahr 2014 fachlich nicht sinnvoll war, wird er ohne inhaltliche Veränderung beim 2. Mal nicht besser. An der Stelle hat sich die Politik weggeduckt und ist nicht inhaltlich konstruktiv bei der Sache gewesen. Dieses Gebiet ist stattdessen politischen Tauschgeschäften zum Opfer gefallen. Das lässt sich nicht mehr schön reden. Mit: ,,Geht doch“ auf dem  Papier vielleicht, aber nicht in der Realität. Um die bekannten Härten der Pläne abzumildern, wurde im Planungsausschuss wohlwollende Unterstützung bei Ausnahmegenehmigungen zugesagt. Wir werden sehen, wie ernst die Worte gemeint sind?  Ansonsten bleibt nur noch der juristische Weg, um nach 20 Jahren eine zielführende Planung einzuklagen.

Die langjährige Verflechtung zwischen Verwaltung (Planung durch das Naturschutzreferat), Naturschutzverbänden und dem Regionalpark Wedeler Au, dessen 2. Vorsitzender gleichzeitig der Leiter des Naturschutzreferates ist, spricht hier zusätzlich Bände.

Letzte Änderung am Montag, 29 April 2019 10:08
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