Das pittoreske Treppen­vier­tel in Blankenese ist ein bei Touristen wie Einheimi­schen gleichermaßen belieb­tes Ziel. Doch auch wenn es heute homogen bebaut erscheint, mit Häusern aus dem 19. und frühen 20. Jahr­hundert: Es birgt weit ältere, geschichtlich bedeutende Zeug­nisse. Denn dort, an den steilen Elbhängen, lebten seit dem Mittelalter Fischerfamilien, die mit ihren Ewern auf der Elbe, aber auch in der Nordsee vor Holland auf Fang gingen. Von deren alten Wohnhäusern sind heute nur noch wenige erhalten; die meisten wurden mit zunehmender Beliebtheit Blan­keneses als Wohnort abgerissen, zugunsten erst biedermeierlicher und dann mehrgeschossiger Wohnhäuser der Gründerzeit.
Dem 2020–2023 von Alk Ar­wed Friedrichsen sanierte wohl ca. 1570 erbauten Fischerhaus als nun ältesten Hamburger Wohnhaus kommt daher eine besondere Bedeutung zu. Das Gebäude ist ein Konglomerat vieler Zeitgeschichten. Fried­rich­sen versuchte daher gar nicht erst, es auf den Ur­sprungs­zustand zurückzu­bauen, sondern erhielt die Raum­aufteilung vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Aufgrund der Untersuchungen des Holzwerks oder der Farbschichten konnte er erstmals eine genaue Ge­schich­te des Gebäudes mit seinen zahlreichen Um- und An­bauten zusammentragen.
Auf Grundlage der Analysen wurden die Fassaden, die Ge­schossdecken, das Holzstän­der­werk, die Wände und das Dach denkmalgerecht saniert. Für die farbliche Gestaltung der Fas­sade orientierte sich Friedrich­sen übrigens an einem historischen Foto von 1912, bei der die eine Haushälfte hell und die andere farblich an das Ziegel­mau­erwerk angelehnt worden war.
Mit dem ausführlichen Beitrag über die denkmalgerechte Sa­nie­rung und der Beschreibung der außerordentlichen Leistung des Architekten und der Hand­werker würdigt der Denkmal­verein Hamburg e.V. in seinem 2. Band „Stadtneu! – Bei­spiel­hafte Sanierungen aus Ham­burg“ das Fischerhaus als herausragende architektonische Leistung.
47 StadtNEU CoverDer Denkmalverein Hamburg treibt mit der Vorstellung herausragender Sanierungs­pro­jekte einen Paradigmenwechsel voran – hin zu einer Stadt­entwicklung, die den Bestand bewahrt und fortentwickelt. Die Rei­he zeigt das Potenzial von Altbauten verschiedenster Epo­chen, würdigt die Leistungen engagierter Bauheren und Ar­chitekten und gibt Inspira­tio­nen für zukünftige Sanierungs- und Umbauprojekte. Mit prägnanten Texten des Architek­turjournalisten Claas Gefroi und eindrucksvollen Fotogra­fien sind die schön gestalteten kleinen Bücher anschaulich und auch für Laien verständlich. Band 2 nimmt besondere Herausforderungen der Groß­stadt in den Fokus, u.a. beweist die Sanierung der U-Bahn­sta­tion Rödingsmarkt, wie zu­kunftsfähig über 100 Jahre alte Infrastruktur ist. Eine Back­stein-Wohnsiedlung in Altona-Nord veranschaulicht, dass energetische Sanierung auch ohne ästhetische Ver­luste funktioniert.
Das Buch mit 80 Seiten im Format 16,5 x 24 cm ist unter der ISBN 978-3-86218-171-1 für 16 € im Dölling und Galitz-Verlag er­schienen.