Seit drei Jahrzehnten begleitet Klaus Brinkbäumer die Entwicklung der Vereinigten Staaten aus nächster Nähe. Geboren 1967, studierte er unter anderem an der University of California in Santa Barbara und kehrte seither immer wieder in die USA zurück. 2007 erfüllte sich für ihn ein Traum: Er wurde USA-Korrespondent des Nachrichtenmagazins Der Spiegel in New York und berichtete aus nächster Nähe über die Finanzkrise, die politischen Umbrüche und die Jahre der Obama-Präsidentschaft. Später prägte er als Chefredakteur von 2015 bis 2018 den Spiegel und Spiegel Online maßgeblich. Für seine journalistische Arbeit erhielt er unter anderem den Egon-Erwin-Kisch-Preis, den Henri-Nannen-Preis und den Deutschen Reporterpreis. Heute arbeitet Brinkbäumer als Journalist, Filmemacher und Buchautor – mit einem Schwerpunkt auf Amerika.

08 Der Amerikanische Albtraum
In seinem neuen Buch „Der amerikanische Albtraum“ zieht der langjährige Beobachter eine düstere Bilanz: Der amerikanische Traum, so seine These, sei unter der Präsidentschaft von Donald Trump ins Wanken geraten. Demokratische Regeln und Normen würden ausgehöhlt, Institutionen unter Druck gesetzt, politische Gegner zu Feinden erklärt. Brinkbäumer spricht offen von faschistischen Tendenzen in Teilen der Regierung und der Gesellschaft. Für das Buch ist er erneut durch das Land gereist, hat mit Anhängern der MAGA-Bewegung, mit Journalisten und Wissenschaftlern gesprochen. Sein Fazit: Die politische Spaltung sei tiefer denn je, die Bereitschaft zum Machtwechsel nicht mehr selbstverständlich.

Brinkbäumer beschreibt ein Amerika, in dem Opfermythen und Überlegenheitsphantasien politische Debatten bestimmen, Universitäten und Medien unter Beschuss geraten und das Vertrauen in demokratische Verfahren schwindet. Sein Buch versteht sich nicht nur als Analyse, sondern als Warnruf. Es fragt, wie stabil die amerikanische Demokratie tatsächlich noch ist – und welche globalen Folgen eine weitere Radikalisierung haben könnte.

Die Premiere des Buches wird am 26. März 2026 um 19 Uhr in der Buchhandlung Wassermann an der Elbchaussee 577 gefeiert. Im Gespräch mit dem Journalisten Stephan Lamby stellt Brinkbäumer seine Thesen vor und diskutiert mit dem Publikum. Der Eintritt beträgt 20 Euro. Das Buch erscheint am 11. März und kostet 24 Euro.

08 Brinkbaeumer in New YorkKlaus Brinkbäumer vor der New Yorker Skyline. Foto: privat
Seit wann verändert sich die Geschwindigkeit des wachsenden Faschismus in den USA nach Ihrer persönlichen Beobachtung?

Die Verrohung und die Polarisierung, deren extreme Ausprägung wir heute erleben, haben in den achtziger Jahren ihren Anfang genommen. Ihre erste Beschleunigung, und das war ja Ihre Frage, kam 1996, als den damals neuen sozialen Medien die presserechtliche Verantwortung gesetzlich erlassen wurde - das war der Beginn von Hassrede und Diffamierung, die perfektionierten Algorithmen sorgten dann für die zweite Beschleunigung. Die dritte kam 2016 durch Donald Trump: mit all seiner Schamlosigkeit, all seiner Wucht. 

Sind Sie deswegen aus Amerika "geflohen"?

Nein, meine Familie und ich haben während der Pandemie in New York gelebt, und das war in jenen Jahren ein harter Ort. Wir haben überlegt, welches Gesundheits- und Bildungssystem für unseren damals noch sehr kleinen Sohn das bessere sein würde, und uns für die Rückkehr nach Deutschland entschieden. 

Inzwischen haben auch europäische Politiker wahrgenommen, dass es keine Freundschaft der US-Administration erwarten darf. Zu spät?

Ich hoffe nicht, aber spät ist es. Auf einer theoretischen Ebene wird in Deutschland und Europa ja schon lange von Souveränität und Schlagkraft und der Notwendigkeit schneller EU-Entscheidungen geredet. Aber dann gab es doch immer diese Hoffnung, dass alles so gemütlich bleiben würde, wie es war. Und aus den theoretischen Debatten folgte nicht viel.

 Wie steht es in der amerikanischen Bevölkerung um die Deutsch-Amerikanische Freundschaft? 

Es gibt sie noch, es gibt in Bundesstaaten wie Pennsylvania viele Nachkommen deutscher Einwanderer und an den Küsten, also in Kalifornien und vor allem natürlich im Osten, in New York oder Boston oder Washington, eine echte Bindung an Europa, an Deutschland. Mir haben bei meinen Recherchereisen nicht wenige Menschen gesagt: Gebt uns nicht auf, gerade jetzt.  

 Haben Sie persönlich Hoffnung, dass die Demokratie den US-Hegemonialismus überleben wird?

Ja, aber das Fenster schließt sich. Trumps Bewegung erklärt die politischen Gegner zu Staatsfeinden, zu Ungeziefer und Unrat - und folgert daraus, dass die Demokraten nie wieder an die Macht kommen dürften. Wenn diese die kommenden zwei Wahlen, im November 2026 und dann wieder 2028, nicht so präzise und klug angehen, wie sie nur können, dann können dies für lange Zeit die letzten halbwegs fairen Wahlen gewesen sein.  

 Wer könnte Donald Trump und die MAGA-Bewegung stoppen?

Eine scharfe Wirtschaftskrise wünscht man ja keinem Land, aber vielleicht würde eine solche Krise Trumps Anhängern zeigen, dass die Spitze der Bewegung zwar von den Arbeitern redet, sich aber nur um sich selbst kümmert. Eine koordinierte, landesweite Protestbewegung könnte ebenfalls wirken. Und Demokraten, die nicht wieder einen Kandidaten wie den senilen Joe Biden nominieren und hoffen, es werde schon irgendwie gut gehen, sondern die Lage so ernst nehmen, wie sie ist.