Am Bubendey-Ufer in Waltershof geht es um rund 290 Bäume, überwiegend Pappeln, auf einer Brachfläche des früheren Tanklagers – sichtbar vom Elbstrand in Övelgönne, eingerahmt von Containerkränen und Airbuswerk. Rund 28.000 Quadratmeter werden gerodet, eine Fläche größer als vier Fußballfelder. Darauf sollen Logistikflächen entstehen, dazu ein größerer Drehkreis für Containerschiffe und zwei neue Liegeplätze. Die Stadt investiert mehr als eine Milliarde Euro, Eurogate rechnet mit mindestens 700 Millionen Euro für den eigenen Ausbau; fertig werden soll das Ganze nicht vor Mitte der 2030er Jahre.
Der Verein Elbwald retten hatte am 30. September 15.520 Unterschriften an Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit übergeben – nach Auszählung der Kanzlei blieben 10.298 gültige, das Quorum von 10.000 ist damit erreicht. Was folgte, liest sich in der Rückschau wie zwei parallel laufende Kalender: Am selben 30. September vergab die HPA den Rodungsauftrag. Und an dem Tag, an dem Veit dem Verein den positiven Auszählungsbescheid mitteilte, rückten die Fällkolonnen an. Vorgeschlagen hatte die Präsidentin Termine für die Verhandlung im Umweltausschuss – den 5. November oder den 11. Januar 2027. „Wie sollen wir denn über die Rettung eines Waldes sprechen, wenn dieser schon gerodet ist?“, fragt Vereinsvorsitzender Franz Hermann.
Gericht lässt die Kettensäge gewähren
Die Eilanträge sind gescheitert. Bereits im Februar hatte das Verwaltungsgericht einen vorläufigen Stopp abgelehnt, weil es die wirtschaftlichen Belange des Hafenausbaus höher gewichtete als den Naturschutz – anders als im Fall des Wilden Walds in Wilhelmsburg, wo der Nabu mit demselben Instrument einen Aufschub erreichte. Am 2. November wies das Gericht den jüngsten Eilantrag der Waldschützer als unzulässig zurück; die Antragsteller hätten unter anderem nicht glaubhaft machen können, dass die Petition zustande gekommen ist. Der Verein kündigte an, vor das Oberverwaltungsgericht zu ziehen.
Die HPA wiederum hält sich nicht für verpflichtet, eine Entscheidung der Bürgerschaft abzuwarten. Es gebe einen gültigen Planfeststellungsbeschluss, das Projekt sei seit Jahren geplant, die Umweltfolgen seien geprüft, alle Klagen abgewiesen. Auf die Frage, warum dennoch jetzt gesägt werde, verweist die Behörde auf die Fällsaison, die vegetationsbedingt bis Ende Februar läuft – und darauf, dass das Baufeld geräumt sein muss.
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Zwischen den Positionen liegt ein Zeitversatz, den der Verein zum Kern seiner Kritik macht. Der Bau der Kaimauern beginnt nach Angaben des Senats erst 2030, die EU-Kommission muss dem Vorhaben beihilferechtlich noch zustimmen – frühestens Ende 2027, so die Einschätzung aus dem Verein. Vorher, so das Argument, seien irreversible Maßnahmen unzulässig; eine EU-Wettbewerbsprüfung ist unter dem Aktenzeichen 2026/10630538 anhängig. Der Senat hatte in Kleinen Anfragen des Linken-Abgeordneten Stephan Jersch erklärt, vorbereitende Rodungen seien von der Auflage nicht erfasst – und dabei eingeräumt, dass sich die Arbeiten über rund 27.800 Quadratmeter erstrecken, von denen 13.765 Quadratmeter als Waldfläche ausgewiesen sind. Mehr als die Hälfte der gerodeten Fläche war also formal kein Wald.
Auch inhaltlich liegen die Reizpunkte im Detail. Ausgleich für die gefällten Bäume soll im Kreis Segeberg entstehen, im Umfang von 17.206 Quadratmetern – der Faktor 1 zu 1,25 ist von der Obersten Forstbehörde festgelegt. Für den Verein ist der Standort außerhalb der Hansestadt Teil des Problems: „Über sinnvolle Ausgleichsflächen in Hamburg lässt sich kaum noch verhandeln“, heißt es in einem Brandbrief an Veit und Bürgermeister Peter Tschentscher. Ersatzpflanzungen wünscht sich der Verein auf der unmittelbar angrenzenden Brachfläche, damit das Biotop in die Breite wachsen kann statt zu schrumpfen. Auch dass im Winter ein Fledermausquartier und der Lebensraum des Mäusebussards angetastet werden, wiegen die Waldschützer gegen die Klimaziele der Stadt auf – es sei, bilanzieren sie, in jeder Hinsicht kontraproduktiv: für die Bäume, fürs Klima, für die Demokratie.
Der Ärger aus der Nachbarschaft ist längst größer als der Wald selbst. Mit einem Bündel aus 15.000 Stimmen, verwaltungsgerichtlicher Abfuhr und medialem Beifall steht die Stadt nun vor der Frage, was ein Volksbegehren wert ist, das formal erfolgreich ist und praktisch zu spät kommt. Die Damen und Herren in der Bürgerschaft werden sich zum besagten Anliegen äußern müssen – im Ausschuss, dessen Terminplan der Verein nun mit dem Wunsch nach einem sofortigen Rodungsstopp verbindet. Noch sei der Schaden überschaubar: Fast nur jene Bäume, die ohnehin für die Drehkreiserweiterung weichen müssten, seien gefallen. Viel mehr Grün, so viel lässt sich mit Gewissheit sagen, wird am Bubendey-Ufer nicht mehr verschwinden – bleibt es, wie es ist.
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