Die Bezirksversammlung Altona hat auf Antrag von GRÜNEN und SPD ein Pilotprojekt auf den Weg gebracht, das Straßenabschnitte rund um die Schule zu festen Tageszeiten für den Autoverkehr sperrt. Am Morgen gilt das bereits zwischen 7.30 und 8.30 Uhr, den Bringzeiten der Kinder. Neu ist der Nachmittag: Zwischen 14.45 und 15.15 Uhr, den Abholzeiten, sollen dieselben Abschnitte ebenfalls dicht sein.
Zwei Jahre lang hat eine behördenübergreifende Arbeitsgruppe an dem Konzept gearbeitet. Elterninitiativen machten mit Demonstrationen und Aktionswochen Druck, das Bezirksamt trieb die Sache voran, die Straßenverkehrsbehörden halfen mit. Benjamin Harders von der Grünen-Fraktion in der Bezirksversammlung, selbst im Mobilitätsausschuss, spricht von einem Projekt, das die Zähigkeit aller Beteiligten gebraucht habe. Ohne das alltägliche Verkehrschaos direkt vor dem Tor, so sein Argument, bewältigen Kinder die letzten 300 Meter ihres Schulwegs besonders sicher. Drop-off-Zonen ergänzen das Konzept dort, wo Eltern ihre Kinder tatsächlich noch mit dem Auto bringen.
Oliver Schmidt, Co-Fraktionsvorsitzender der SPD-Fraktion Altona, setzt auf Haushaltstauglichkeit statt Härte. Kinder sollen ihren Schulweg sicher und selbstständig zurücklegen, Eltern die Gewissheit haben, dass ihre Kinder gut ankommen, morgens wie nachmittags. Die Lösung mit klar begrenzten Zeiten, geregelten Zufahrten für die Anlieger und einem genauen Blick auf die Praxis sei das, was sich im Alltag bewähren müsse. Ein dauerhaftes Verbot hat niemand versprochen.
Denn das Pilotprojekt ist ausdrücklich als Vergleich angelegt. Statt die Schulstraße über den gesamten Nachmittag zu legen, wird zunächst mit einer einzigen Abholzeit gearbeitet. So lässt sich messen, was die Sperrung tatsächlich bewirkt und was nur auf dem Papier gut klingt. Gelten soll sie an Schultagen. Diese Formulierung ersetzt die sperrige Wendung „werktags außer samstags“, die Montag bis Freitag außer an Feiertagen bedeutet und an der Schultafel wenig taugt. Die oberste Straßenverkehrsbehörde prüft nun, ob „an Schultagen“ verständlich und rechtlich klar genug ist. Fällt die Prüfung positiv aus, werden sogar die geplanten Klappschilder überflüssig, die in den Ferien sonst mühsam umgelegt werden müssten.
Der Bedarf ist belegt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden 2024 bundesweit 27.260 Kinder zwischen sechs und vierzehn Jahren bei Verkehrsunfällen verletzt, die meisten von ihnen im Auto oder auf dem Fahrrad. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung zählte im ersten Halbjahr vergangenen Jahres 42.303 Schulwegunfälle und damit deutlich mehr als im Vorjahreszeitraum. In Köln, wo Schulstraßen seit Jahren erprobt werden, hat sich gezeigt, dass der Hol- und Bringverkehr sich an die Sperrpunkte oder in Nachbarstraßen verlagert, wo keine physischen Barrieren stehen, wurde widerrechtlich durchgefahren. Schulstraßen machen den Schulweg also sicherer, beseitigen das Elterntaxi aber nicht. Genau diese Frage wird in Osdorf nun auf dem Prüfstand stehen.




















