Mit der Umsiedlung der letzten drei Damhirsche Ende Februar schien die Sache entschieden: Das Damwildgehege im Hirschpark sollte Geschichte sein. Das Bezirksamt Altona begründete die Schließung damit, dass eine Haltung der Tiere dort nicht tierschutzgerecht möglich sei. Genannt wurden unter anderem fehlende Rückzugsmöglichkeiten, Störungen durch Besucher und freilaufende Hunde, fehlende Ruhezeiten sowie Brunftkämpfe mit Verletzungen und Todesfällen. Zudem hieß es, eine Genehmigung nach Paragraph 11 des Tierschutzgesetzes könne für die Haltung im Hirschpark nicht erteilt werden.

Doch die Auseinandersetzung ist damit nicht beendet. Im Gegenteil: In Blankenese formiert sich seit Monaten Widerstand gegen das Aus des traditionsreichen Geheges. Der Verein der Freunde des Hirschparks Blankenese und des Wildgeheges Klövensteen, der Nienstedtener Bürger- und Heimatverein, der Blankeneser Bürgerverein sowie politische Unterstützer kämpfen weiter für den Erhalt oder sogar die Wiederaufnahme der Damwildhaltung. Öffentliche Aktionen, Eingaben und Petitionen sollen den Druck auf Verwaltung und Bezirkspolitik hoch halten.

Der Verein selbst widerspricht der amtlichen Darstellung in ungewöhnlich scharfer Form. In seinem Mitteilungsblatt spricht er von wechselnden und unzutreffenden Begründungen für die Schließung. Die Vorsitzende Beate Hülsen argumentiert, die Probleme seien nicht zwingend Folge des Standorts, sondern Ergebnis von Managementfehlern der vergangenen Jahre. So sei die Haltung zuletzt auf männliche Tiere beschränkt worden, obwohl einschlägige Empfehlungen bei Damwild einen Familienverband vorsehen. Auch die Bepflanzung des Geheges und unzureichend geschützte Pflanzungen hätten die Situation verschärft.

Aus Sicht des Vereins wäre eine tierschutzgerechte Rückkehr der Tiere weiterhin möglich. Als Beleg verweist er auf Fachveröffentlichungen und Richtlinien, nach denen Sichtschutz nicht zwingend durch Erdwälle, sondern auch durch fachgerechte Pflanzungen oder liegende Baumstämme geschaffen werden könne. Auch ein doppelter Zaun sei nach dieser Lesart nicht erforderlich. Der bestehende Zaun im Hirschpark sei stark und engmaschig genug, um Hunde fernzuhalten. Der Verein vertritt zudem die Auffassung, dass Damwild sich an Besucher und Hunde gewöhnen könne, wenn die Haltungsbedingungen insgesamt stimmten.

Politisch hat der Streit längst eine neue Ebene erreicht. Die FDP-Fraktion in Altona warf dem Bezirksamt schon im Januar vor, Politik und Öffentlichkeit übergangen zu haben. Besonders irritierend sei die abrupte Kehrtwende, nachdem die Rückkehr der Damhirsche zuvor noch öffentlichkeitswirksam begleitet worden sei. Die Fraktion kündigte an, das Gehege erhalten und tragfähige Lösungen entwickeln zu wollen, die Tierwohl, Tradition und öffentliche Nutzung verbinden.

Auch parlamentarisch ist das Thema nicht erledigt. Eine Kleine Anfrage in der Bezirksversammlung befasst sich mit den Entscheidungsgrundlagen für die Schließung und fragt ausdrücklich danach, ob mögliche Verbesserungsmaßnahmen überhaupt geprüft worden sind. In der veröffentlichten Antwort wird deutlich, dass nach der Einschätzung, eine tierschutzkonforme Haltung sei nicht genehmigungsfähig, nicht einmal eine Kostenschätzung für mögliche Umbauten vorgenommen wurde.

Ob die Hirsche tatsächlich in den Hirschpark zurückkehren, ist offen. Derzeit spricht die offizielle Linie des Bezirksamts klar dagegen. Dennoch ist die Rückkehr politisch und gesellschaftlich nach der Sommerpause erneut zu einem Thema geworden. Solange Vereine, Bürger und Teile der Bezirkspolitik den Konflikt weiter öffentlich halten, bleibt eine Kehrtwende zumindest als Möglichkeit im Raum.