Schenefeld (27. August 2026, Konrad Matzen) · Wenn Hochtechnologie auf Hip-Hop trifft, entsteht mehr als nur ein ungewöhnlicher Song. Am European XFEL wissen Wissenschaftler ihre Freizeit zu nutzen. So wird Wissenschaft leicht, nahbar und kann überraschend alltagstauglich klingen...
Mit dem Track "Scientists Do" geht das European XFEL in Schenefeld einen Weg, den man von einer internationalen Forschungseinrichtung nicht unbedingt erwartet: Wissenschaft wird hier nicht erklärt, sondern gerappt. Der englischsprachige Song erinnert an die Leistungen von Forschern, die den Alltag vieler Menschen prägen – vom Internet über Röntgenstrahlung bis zur Medizin, Klimaforschung und Raumfahrt. Damit will die Einrichtung zeigen, dass Forschung kein abgehobenes Spezialgebiet ist, sondern tief in das tägliche Leben hineinwirkt.
Entstanden ist der Song im Lighthouse, dem Besucher- und Erlebniszentrum des European XFEL. Dort sitzen auch das Schülerlabor Xcool Lab, Ausstellungen und Veranstaltungen, mit denen die Forschungseinrichtung Brücken in die Öffentlichkeit schlagen will. Dass ausgerechnet von dort nun ein Rap-Projekt kommt, passt ins Bild: Das Lighthouse versteht sich nicht nur als Schaufenster der Wissenschaft, sondern als Ort, an dem Forschung vermittelt und übersetzt wird.
Für die Musik arbeitete Sven Kamin aus dem Lighthouse-Team mit dem Schenefelder DJ Sleepwalker zusammen, einer festen Größe aus der Hamburger Hip-Hop-Geschichte. Sleepwalker ist seit den frühen Wellen des Hamburger Rap aktiv und hat mit bekannten Namen des deutschsprachigen Hip-Hop gearbeitet. Dadurch bekommt das Projekt nicht den Charakter einer gut gemeinten Imagekampagne, sondern eine gewisse kulturelle Glaubwürdigkeit.
Bemerkenswert ist auch, dass nicht nur Kommunikationsprofis, sondern Wissenschaftler selbst Teil des Stücks sind. Neben Sven Kamin sind Dr. Sebastian Frerichmann und Alina Warncke vom Xcool Lab mit eigenen Strophen zu hören. Auch die European-XFEL-Geschäftsführerin Dr. Nicole Elleuche rappt selbst mit. Das ist mehr als ein Gag: Die Botschaft lautet, dass Wissenschaftler nicht nur forschen, sondern auch sichtbar, hörbar und ansprechbar sein können.
Inhaltlich setzt der Song auf Zustimmung statt Abgrenzung. Er feiert Wissenschaft nicht als Eliteprojekt, sondern als gemeinschaftliche Leistung, die das Leben verbessert und internationale Zusammenarbeit braucht. Das passt auch zur Struktur des Videos, an dem mehrere Forschungseinrichtungen mitgewirkt haben. Bildmaterial kam unter anderem vom CERN, von der ESA und von DESY. So wird aus einem lokalen Projekt aus Schenefeld zugleich ein Hinweis auf die internationale Vernetzung moderner Forschung.
Der vielleicht klügste Gedanke hinter "Scientists Do" ist aber, dass der Track offen angelegt ist. Eigene Strophen, Remixe und Reaktionen über soziale Medien sind ausdrücklich erwünscht. Das Projekt endet also nicht mit der Veröffentlichung, sondern versteht sich als Einladung zum Mitmachen. Gerade darin liegt seine Stärke: Wissenschaft wird nicht nur gesendet, sondern in eine Form gebracht, die weitergetragen werden kann.
Ob ein Wissenschafts-Rap jeden überzeugt, ist am Ende gar nicht die entscheidende Frage. Wichtiger ist, dass sich eine Spitzenforschungseinrichtung traut, ihre Themen in einer Sprache zu präsentieren, die außerhalb des klassischen Wissenschaftsbetriebs verstanden wird. Schenefeld zeigt damit, dass Forschung nicht trocken klingen muss, um ernst genommen zu werden - manchmal reicht ein Beat, um ein kompliziertes Thema überhaupt erst ins Gespräch zu bringen.


















