Rissen (20. August 2026, Markus Krohn) · Zehn Jahre lang war Sven Wendt als Stadtteilpolizist in Rissen unterwegs, Ende August geht er nun endgültig in den Ruhestand. Neun Monate länger als ursprünglich geplant ist er bereits im Einsatz geblieben - auch, um seinen Nachfolger gründlich einarbeiten zu können.
Für Sven Wendt ist das ein Glücksfall. Die Zeit in Rissen sei für ihn "ein Geschenk" gewesen, sagt er rückblickend. Er habe den Stadtteil als Ort mit offenen, freundlichen und ehrlichen Menschen kennengelernt – Menschen, für die er gern Ansprechpartner war. Ob Kinder, Eltern oder Großeltern: Wer eine Sicherheitsberatung oder Hinweise zum Einbruchschutz brauchte, konnte sich an ihn wenden.
Seit dem 1. August 2016 war Wendt als Stadtteilpolizist in Rissen im Einsatz, am 31. August verabschiedet er sich in den Ruhestand.
Zunächst kannte er Rissen allerdings nur als Durchfahrtsort zur früheren Kult-Discothek "Mr. Pomeroy" in Wedel. Berührungspunkte mit dem Stadtteil hatte er dienstlich kaum. Selbst als Streifenpolizist kam er nur selten nachts im Wagen durch Rissen. Doch nach einer Hospitation im Juni 2016 war für ihn schnell klar: Dieser Stadtteil passt. Vor allem die Menschen hätten es ihm angetan.
Die Entscheidung für den Posten als Stadtteilpolizist fiel damals auch, weil Wendt nicht mehr im Schichtdienst arbeiten wollte. Bereut habe er diesen Schritt nie. Nach einem Jahrzehnt im Ortskern ist er in Rissen längst bekannt wie ein bunter Hund. Umso mehr schätzt er es, seinen Nachfolger nicht nur vorstellen, sondern auch in Ruhe mit den örtlichen Kontakten vertraut machen zu können.
Rissen habe sich seinen dörflichen Charakter bewahrt, sagt Wendt. Besonders zwischen Schulbeginn und Mittag werde es rund um die Wedeler Landstraße lebendig. Dann sei Zeit für Begegnungen, kurze Gespräche und oft auch für wichtige Hinweise rund um das Thema Sicherheit.
Ein Schwerpunkt seiner Arbeit war die Prävention von Betrugsdelikten, insbesondere zum Nachteil älterer Menschen. Mit Aufklärung über Enkeltrick, Schockanrufe und ähnliche Maschen habe er sicher manchen Schaden verhindern können, ist Wendt überzeugt. Die Täter gingen äußerst professionell vor. "Ich habe in meiner Zeit als Polizist mehrfach mit Tätern telefonieren können und ich kann bestätigen: Sie gehen sehr professionell vor."
Wichtig sei deshalb, betont sein Nachfolger Robert Kammann, dass Betroffene sich nicht schämen, wenn sie auf eine solche Masche hereingefallen sind. Entscheidend sei, die Tat bei der Polizei zu melden. So könnten Muster erkannt und womöglich weitere Taten verhindert werden.
Ein weiteres wichtiges Feld ist die Beratung zum Einbruchschutz. Gerade ältere Menschen sollten sich ein verlässliches Netzwerk aus Familie, Freunden und Nachbarn schaffen. Wer sich austauscht und aufeinander achtet, könne viel zur Sicherheit beitragen. Gute Nachbarschaft und mechanische Sicherungen seien oft ein wirksamer Schutz vor Einbrüchen. Auf Wunsch beraten die Beamten auch direkt vor Ort im Haus oder in der Wohnung.
Für Wendt und Kammann gilt dabei ein klarer Grundsatz: Lieber einmal zu viel die 110 wählen als einmal zu wenig. Wer verdächtige Beobachtungen macht, sollte diese möglichst früh schildern. In der Einsatzzentrale werde dann entschieden, welche Maßnahmen notwendig sind und welche Priorität ein Einsatz hat. Je früher ein Hinweis eingehe, desto größer seien oft die Chancen, Täter noch auf frischer Tat zu stellen.
Im Unterschied zu vielen Kolleginnen und Kollegen im Polizeikommissariat haben Stadtteilpolizisten mehr Zeit für Gespräche mit den Menschen vor Ort. Deshalb gehört auch die Nachsorge nach Betrugsfällen oder Einbrüchen zu ihrer Arbeit. Ziel ist es, aus konkreten Fällen zu lernen und ähnliche Taten künftig besser zu verhindern. "Schön ist es, von den Bürgerinnen und Bürgern immer wieder positive Rückmeldungen zu erhalten. Das passiert den Kollegen im Schichtdienst nicht so oft", weiß Hauptkommissar Wendt.
Mit Robert Kammann übernimmt nun ein 46-jähriger Polizeikommissar die Zuständigkeit für Rissen. Künftig wird er Ansprechpartner für die Menschen im Stadtteil sein – und dabei nicht nur bei Sicherheitsfragen helfen, sondern gelegentlich auch bei Nachbarschaftsstreitigkeiten vermitteln oder Eltern darauf hinweisen, dass Kinder nicht jeden Tag mit dem Fahrzeug bis direkt vor das Schultor gebracht werden müssen.
Kammann freut sich auf seine neue Aufgabe. Die Menschen in Rissen seien ihm offen begegnet, die Übergabe laufe seit einigen Wochen Hand in Hand. Das helfe beim Ankommen. Der neue Stadtteilpolizist kommt ursprünglich von der Bundeswehr, arbeitete später in einem Innenstadtrevier und war zuletzt als Stadtteilpolizist in Ottensen im Einsatz. "Ich wollte schon länger weiter in den Westen – jetzt hat es in Rissen geklappt. Ich freue mich sehr."
Auch Sven Wendt blickt zufrieden auf den Wechsel. Er sei froh, einen würdigen Nachfolger einarbeiten zu können. Künftig will er mehr Zeit mit seiner Familie, seinen Enkeln, seinem Hund und an seinem Haus verbringen. Und wenn dann noch Zeit bleibt, zieht es ihn zum Angeln. So mischt sich in den Abschied ein wenig Wehmut mit einer beruhigenden Gewissheit: Die Sicherheit in Rissen bleibt bei seinem Nachfolger und den Kollegen in guten Händen.


















