Der Widerstand gegen die geplante Ausweisung der Rissen-Sülldorfer Feldmark als Windenergie- und Beschleunigungsgebiet gewinnt weiter an Dynamik. Mit einer mehr als 50 Seiten umfassenden Stellungnahme fordern die Gesellschaft für ökologische Planung (GOEP), die Initiative NaturErleben Klövensteen sowie 15 weitere Natur- und Bürgervereine den Hamburger Senat auf, das Landschaftsschutzgebiet vollständig aus den Planungen zur Änderung des Flächennutzungsplans und des Landschaftsprogramms herauszunehmen.

Nach Auffassung des Bündnisses stehen die bisherigen Planungen im Widerspruch zu den eigenen Fachgutachten der Freien und Hansestadt Hamburg. Diese bescheinigten der Rissen-Sülldorfer Feldmark eine herausragende Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz sowie für den Biotopverbund zwischen Klövensteen, Schnaakenmoor, Wedeler Au und den Holmer Sandbergen. Dennoch sei das Gebiet weiterhin als möglicher Standort für Windenergieanlagen vorgesehen. Gleichzeitig verfüge Hamburg bereits über genügend geeignete Flächen, um die gesetzlichen Vorgaben des Windenergieflächenbedarfsgesetzes zu erfüllen.

Wer eigene Gutachten in Auftrag gibt, muss deren Ergebnisse auch akzeptieren“, meint Jörn Steppke, Sprecher des Bündnisses zum Erhalt der Feldmark. Aus Sicht der Verbände müssten sich im weiteren Verfahren fachliche Argumente gegen politische Erwägungen durchsetzen. Andernfalls drohten vermeidbare juristische Risiken für das gesamte Planungsverfahren.

Kritisiert wird insbesondere, dass zentrale Fragen des Arten-, Boden- und Gewässerschutzes sowie die Auswirkungen auf das Landschaftsbild und die Naherholung erst in spätere Genehmigungsverfahren verschoben würden. Nach Ansicht der Verbände hätte bereits die jetzige Bauleitplanung aufgrund der hohen naturschutzfachlichen Konflikte zum Ausschluss der Fläche führen müssen.

Auch Kai Schmille, Geschäftsführer der GOEP, warnt vor den Folgen eines Eingriffs. Landschaftsschutzgebiete seien das Rückgrat des regionalen Biotopverbundes. Sie vernetzten Wälder, Moore, Gewässer und Offenlandlebensräume zu einem funktionierenden ökologischen System. Der Ausbau der Windenergie müsse deshalb dort erfolgen, wo möglichst geringe Konflikte mit Natur- und Artenschutz entstünden.

Zu den Kritikern gesellen sich Bezirkspolitiker durchweg aller Fraktionen in der Altonaer Bezirksversammlung. Sie hatten sich bereits mehrheitlich gegen Windenergieanlagen in der Feldmark ausgesprochen. Selbst die Altonaer Grünen, die den Ausbau erneuerbarer Energien grundsätzlich unterstützen, lehnen den Standort in der Feldmark ab. Sie argumentieren, dass Hamburg sein gesetzlich vorgeschriebenes Flächenziel auch ohne Eingriffe in dieses Landschaftsschutzgebiet erreichen könne. Gleichzeitig verweisen sie auf die Bedeutung der Feldmark als geschützter Natur- und Erholungsraum sowie auf mögliche Eingriffe durch Baustraßen und dauerhafte Erschließungswege.

Der Protest soll in den kommenden Wochen auch auf die Straße – beziehungsweise auf den Radweg – getragen werden: Bereits am 1. August laden die Altonaer Grünen zu einer Radtour durch die Feldmark ein. Gemeinsam mit Vertretern des NABU wollen sie über die Planungen informieren und mögliche Alternativstandorte für Windenergie vorstellen. Eine Woche später, am 8. August, organisiert die Wählervereinigung Bürger für Bürger (BfB) Schenefeld gemeinsam mit der Initiative NaturErleben Klövensteen und dem NABU Hamburg-West eine Fahrraddemonstration mit anschließender Kundgebung am Seggerweg. Ziel ist es, möglichst viele Bürger auf die Bedeutung des Natur- und Erholungsraums aufmerksam zu machen.

Grundsätzlich besteht unter den Beteiligten weitgehend Einigkeit darüber, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien notwendig ist. Hamburg verfolgt das Ziel, die Stadt bis 2035 vollständig mit regenerativer Energie zu versorgen und muss dafür bis Ende 2027 rund 378 Hektar – etwa 0,5 Prozent der Landesfläche – als Windenergiegebiete ausweisen. Umstritten bleibt jedoch die Frage, welche Flächen dafür geeignet sind. Genau darüber dürfte die politische Diskussion in den kommenden Monaten weiter an Schärfe gewinnen.

 


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