Der Bedarf an weiteren Möglichkeiten zur Unterbringung verletzter oder hilfsbedürftiger Wildtiere in Hamburg ist unbestritten. Die bestehende Wildtierstation beim Hamburger Tierschutzverein in der Süderstraße ist regelmäßig stark ausgelastet. Zudem gibt es in Hamburg nur wenige spezialisierte Einrichtungen, etwa für Schwäne, Eichhörnchen, Igel oder Greifvögel. Immer wieder müssen verletzte Tiere deshalb in Auffangstationen außerhalb Hamburgs gebracht werden.
Klövensteen wäre grundsätzlich geeignet
Die Bezirksversammlung Altona hatte deshalb im April 2026 beschlossen, prüfen zu lassen, ob am Wildgehege Klövensteen eine Wildtier- und Artenschutzstation eingerichtet werden könnte. Das Ergebnis der Prüfung fällt in einem wichtigen Punkt positiv aus: Am Standort wären die fachlichen Voraussetzungen grundsätzlich vorhanden.
Das Personal des Wildgeheges verfügt nach Angaben des Bezirksamtes über die erforderliche Sachkunde im Umgang mit Wildtieren. Dazu gehört auch die Erfahrung mit potenziell gefährlichen Tieren. Auf dem Betriebshof könnten zusätzliche Unterbringungsmöglichkeiten geschaffen werden. Für kompliziertere tiermedizinische Fälle wäre eine Zusammenarbeit mit örtlichen Tierärzten vorgesehen.
Auch eine Kooperation mit der Wildtierstation in der Süderstraße und dem Hamburger Schwanenwesen wäre denkbar. Der Klövensteen könnte insbesondere Raub- und Schalenwild sowie gefährliche Tiere übernehmen, die keine Betreuung rund um die Uhr benötigen. Denkbar wäre zudem eine Übergabestelle, über die Polizei und Feuerwehr aufgefundene Tiere in die Obhut des Wildgeheges geben könnten.
Eine entscheidende Einschränkung gibt es allerdings: Das Wildgehege könnte das Einfangen oder Abholen von Tieren nicht gewährleisten.
200.000 Euro für den Bau – 40.000 Euro jährlich für den Betrieb
Der entscheidende Hinderungsgrund ist jedoch die Finanzierung. Nach einer überschlägigen Kostenschätzung des Bezirksamtes würde die Errichtung einer Wildtierauffangstation rund 200.000 Euro kosten. Hinzu kämen laufende Kosten von etwa 40.000 Euro pro Jahr, unter anderem für Betrieb, Pflege, Instandhaltung und besondere tierärztliche Behandlungen.
Noch schwerer wiegt der zusätzliche Personalbedarf. Nach Einschätzung des Bezirksamtes wären zwei weitere Stellen für Tierpfleger erforderlich. Nur so könnten die aufwendige Betreuung der Wildtiere und die notwendige Sachkunde gewährleistet werden, ohne gleichzeitig den regulären Betrieb des Wildgeheges und dessen Öffnungszeiten zu gefährden.
Aus den bestehenden Haushaltsmitteln des Bezirksamtes lässt sich das nicht finanzieren. Die jährliche konsumtive Rahmenzuweisung für Forstbetrieb und Wildgehege beträgt derzeit lediglich 45.000 Euro, die investive Zuweisung 18.000 Euro. Beide Budgets sind bereits für den laufenden Betrieb gebunden.
Damit ist die Einrichtung einer Wildtierauffangstation im Klövensteen nicht grundsätzlich ausgeschlossen, aber ohne zusätzliche Haushaltsmittel derzeit nicht umsetzbar.
Auch Hamburg stellt kein zusätzliches Geld in Aussicht
Ob die notwendigen Mittel von der Stadt bereitgestellt werden, ist ebenfalls offen. Die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) verweist darauf, dass sich die Hamburgische Bürgerschaft aktuell mit der Frage einer staatlichen Anerkennung von Wildtierauffangstationen beschäftigt. Geprüft werden soll unter anderem, welche Einrichtungen über die erforderlichen Kapazitäten und Fachkenntnisse verfügen.
Eine dauerhafte institutionelle Förderung bestehender Wildtierstationen könne die BUKEA derzeit allerdings nicht in Aussicht stellen. Die vorhandenen Haushaltsmittel seien bereits durch bestehende Verpflichtungen und andere prioritäre Projekte gebunden.
Damit bleibt der Klövensteen vorerst in einer paradoxen Situation: Der Standort wäre fachlich grundsätzlich geeignet und zusätzliche Kapazitäten wären angesichts des Bedarfs sinnvoll. Was fehlt, sind die finanziellen und personellen Voraussetzungen. Ohne zusätzliche Mittel von der Stadt wird aus der möglichen Wildtierauffangstation daher zunächst nichts.




















