Rissen (15. September 2026, Konrad Matzen) · Es gibt diesen Moment, in dem jemand helfen möchte und nicht weiß, wohin damit. In Rissen hat sich eine Gruppe vorgenommen, genau diesen Moment aufzulösen – mit einer Idee, die im Stadtteil länger gereift ist und übermorgen erstmals ernst wird.

„Aus. In. Für. Rissen – freiwillig engagieren“ heißt die Initiative, die sich im Sommer gegründet hat. Der Name klingt sperriger, als das Anliegen ist: Wer im westlichsten Stadtteil Hamburgs etwas beitragen will, soll wissen, wo er gebraucht wird. Hervorgegangen ist die Initiative aus der Rissener Runde, jenem Kreis, der in den achtziger Jahren einmal damit begann, Termine der örtlichen Einrichtungen zu sortieren, und der heute als Stadtteilbeirat über Fördermittel mitentscheidet. Aus Terminabstimmung ist über die Jahrzehnte Stadtteilpolitik geworden – und nun ein Versuch, das lose Nebeneinander der Rissener Vereine in etwas Verbindliches zu überführen.

Denn das Problem ist selten der fehlende Wille. „Viele Menschen möchten sich ehrenamtlich einbringen, wissen aber oft nicht, wo ihre Unterstützung gebraucht wird oder welches Engagement wirklich zu ihnen passt. Genau hier setzt unsere Initiative an“, sagen die Initiatoren. Hamburgweit stehen über tausend Engagement-Angebote online, vermittelt über die bezirklichen Freiwilligenagenturen. Nur: Eine Datenbank ersetzt kein Gespräch. Wer sich fragt, ob zwei Stunden in der Woche reichen, ob er zwischen Beruf und Familie verlässlich genug ist, ob ihn ein Hospiz überfordert – der will das jemandem gegenüber sagen können, der antwortet.

Genau dafür öffnet die Haspa-Filiale an der Wedeler Landstraße am Donnerstag, 17. September, von 14:30 bis 17:30 Uhr ihre Türen. Zehn Gruppen haben zugesagt, und die Spannweite ist erstaunlich für einen Stadtteil dieser Größe – vom Sportverein über das Kinder- und Jugendhospiz Sternenbrücke, den Arbeiter-Samariter-Bund und das Zukunftsforum bis zu „Wellcome“, das Familien nach der Geburt praktisch zur Hand geht, und der Nähgruppe „Gutes Stück“. Um 15:30 Uhr spricht Claus Scheide, erster Vorsitzender des Bürgervereins und einer der Sprecher der Rissener Runde – ein Mann, der die Mechanik des Stadtteils kennt wie wenige.

Bemerkenswert ist weniger die Veranstaltung als das, was sie vorbereitet. Freiwilligenbörsen gibt es in vielen Stadtteilen, häufig einmal, mit Kaffee, Rollup und gutem Gefühl, danach kehrt jeder in seinen Verein zurück. Die Rissener wollen mehr: eine dauerhafte lokale Plattform, die Engagement sichtbar hält, statt es alljährlich neu zu bewerben. Das ist ein hoher Anspruch, und er entscheidet sich nicht am Donnerstag, sondern im November, im Februar, im kommenden Sommer – daran, ob jemand nachfasst, wenn sich Interesse gemeldet hat, und ob die Vereine ihre Nachfolgesorgen untereinander teilen, anstatt sie zu verwalten.

Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt: Die Börse fällt in die bundesweite Woche des bürgerschaftlichen Engagements, jene Septembertage, an denen das Ehrenamt sonst vor allem in Grußworten vorkommt. In Rissen bekommt es stattdessen einen Raum, eine Uhrzeit und zehn Ansprechpartner. Anmelden können sich weitere Gruppen über das Online-Formular der Johannesgemeinde, Besucher brauchen gar nichts – außer der Bereitschaft, am Donnerstagnachmittag durch eine Tür zu gehen, hinter der jemand auf sie wartet.