Sicher ist bislang wenigstens dies: Die umfassende Sanierung des Baudenkmals von 1831 bis 1834, heute Museum und Außenstelle des Altonaer Museums, beginnt nicht in diesem Jahr. Matthias Seeberg, Sprecher der Stiftung Historische Museen Hamburg, sagte der DorfStadt-Redaktion, zum Anfang des kommenden Jahres sollten die vorbereitenden Maßnahmen für die Modernisierung anlaufen; der Besucherverkehr ende deshalb mit der Ausstellung „Parkomania“ am 29. Dezember. Die Stiftung selbst schreibt, die Maßnahmen zur Sanierung des Hauses und zur Erneuerung der Ausstellungs- und Publikumsbereiche starteten 2027. Verbindlich klingt das nicht.

Denn einen Bauantrag gibt es noch nicht. Zwischen Stiftung, Behörde für Kultur und Medien und der Sprinkenhof GmbH, die als städtische Immobiliengesellschaft die Sanierung steuert, sind Fragen offen – Seeberg rechnet damit, dass sie im Laufe des Herbstes geklärt werden und dann über die einzelnen Maßnahmen informiert werden kann. Schon einmal wurde der Termin zur Vorstellung der Sanierung verschoben – um ein halbes Jahr. Und es nicht nicht klar, wie lang noch der Museumsschlüssel gedreht wird, bevor überhaupt feststeht, wann gebaut wird.

Das Geld ist der zweite wunde Punkt, und hier wird es unangenehm konkret: Im Juni 2018 bewilligte der Bund der Stiftung Fördermittel für die Modernisierung: acht Millionen Euro für das Jenisch-Haus, zehn Millionen für das Museum der Arbeit, insgesamt 36 Millionen Euro für beide Häuser, der Rest aus Mitteln der Freien und Hansestadt Hamburg. Wer diese Zahlen heute liest, reibt sich die Augen. Acht Jahre sind seit der Zusage vergangen, acht Jahre, in denen Baukosten, Materialpreise und energetische Anforderungen durch die Decke gegangen sind. Die Fördersumme aber steht auf dem Papier von 2018 – während die Stiftung an anderer Stelle ihrer Bau- und Modernisierungsmaßnahmen inzwischen von 101 Millionen Euro Fördermitteln und weiteren Zuschüssen bis zu 98 Millionen Euro spricht. Für das Jenisch-Haus hat der Senat zusammen mit der Bürgerschaft Mittel von bis zu 15,5 Millionen Euro ermöglicht. Ob dieser Rahmen hält, was die Planung inzwischen kostet, sagt niemand öffentlich – und genau deshalb ist die Frage nach dem Gesamtkostenrahmen keine kleine Nebensache.

Diese Rechnung hat in der Bezirkspolitik längst einen Namen. Die Fraktion DIE LINKE in der Bezirksversammlung Altona verlangt in einem aktuellen Antrag, Sanierungspläne samt Planungsunterlagen, Zeit- und Kostenrahmen im Ausschuss für Grün, Naturschutz und Sport erneut vorzustellen und den Ausschuss für Kultur und Bildung einzuladen. Die Präsentation, die der Ausschuss am 9. September gesehen hat, war kurz, sie beschränkte sich auf die Energieversorgung durch Geothermie und den geplanten barrierefreien Eingang. Natalie Werdung, zubenannte Bürgerin im Ausschuss, kritisiert, dass die gezeigten Unterlagen nicht vor der Sitzung vorlagen. „Kritische Nachfragen waren so nicht möglich“.

Der Linken geht es dabei nicht ums Verhindern. Das Jenisch-Haus sei ein herausragendes Baudenkmal, sein Erhalt und seine behutsame Weiterentwicklung hätten öffentliche Bedeutung, betont die Fraktion in ihrem Antrag. Aber Barrierefreiheit lässt sich auf sehr verschiedene Weise herstellen, und jede Variante verändert das denkmalgeschützte Erscheinungsbild anders. Der Entwurf, den das Büro Andreas Heller Architects & Designers als Gewinner des Vergabeverfahrens im März 2024 vorlegte, sieht eine Rampe ins Untergeschoss als barrierefreien Zugang vor, dazu tiefe Bohrungen für Geothermie im Park – bis zu 400 Meter. Ob dieser Zugang überdacht ist, ob Regenwasser in den Eingang läuft, welche Wartungskosten daraus erwachsen – unbeantwortet. Warum der Publikumsbetrieb bereits zum Januar 2027 pausiert, obwohl noch kein Bauantrag gestellt ist, ebenfalls. Und was mit der Schwalbenpopulation unter der Fassade geschieht, ob es Ausweichquartiere oder einen temporären Schwalbenturm gibt, steht auch offen.

Die Stiftung steht damit in einer Zwickmühle, die nicht allein ihre ist. Sie will, wie sie in ihrem Leitbild formuliert, niederschwellig zugängliche, durchgehend barrierefreie Häuser und hat im Verbund fast überall Modernisierungsstau. Das Jenisch-Haus ist der komplizierteste Fall: ein Denkmalensemble aus Landhaus, Park und Pförtnerhäusern, ein Gartendenkmal, in dem Bohrlöcher und Rampen nicht einfach irgendwohin passen. Je länger die Abstimmung mit dem Denkmalschutzamt und den Vereinen dauert, desto teurer wird das Vergessen der Beteiligten. Denkmalverein Hamburg und Freunde des Jenischparks angemessen einzubeziehen und eine öffentliche Informationsveranstaltung im Haus durchzuführen, fordern die Antragsteller zu Recht – beides ist bis heute nicht geschehen.

Wann die Türen sich wieder öffnen, wagt niemand zu sagen. Eine Schließung von mehreren Jahren gilt im Umfeld des Hauses als wahrscheinlich, belastbare Angaben zur Dauer der Bauarbeiten und zur Wiedereröffnung hat die Stiftung bislang nicht gemacht. Wer heute vor der Baron-Voght-Straße steht, sieht einen Park in spätsommerlicher Ruhe und ein Haus, dessen Zukunft in Aktenordnern liegt. Der 29. Dezember ist für das Publikum ein Abschied auf unbestimmte Zeit – es sei denn, der Ausschuss und die Öffentlichkeit bekommen im Herbst endlich Antworten.