Seit 2017 ist der rund 450 Meter lange Weg oberhalb der Elbe am Leuchtturmweg gesperrt. Auslöser waren Schäden an der sogenannten Ribbert-Hangbefestigung, die dort seit 1986 den Weg am Geesthang sichern soll. Hangwasser und Erosion hatten Teile des Systems beschädigt, bei Sicherungsarbeiten kam es zudem zu weiteren Bodenbewegungen. Nach einer erneuten Rutschung im Januar 2018 blieb der Weg endgültig geschlossen.

Inzwischen ist die Natur ein gutes Stück weiter als die Verwaltung: Die frühere Wegetrasse war über Jahre stark zugewachsen. Im Januar dieses Jahres wurde sie deshalb wieder freigeschnitten – einschließlich eines etwa zwei Meter breiten Arbeitsbereichs hangabwärts. Der Freischnitt war allerdings noch kein Baubeginn. Er sollte vielmehr die Voraussetzung dafür schaffen, den Zustand des Weges und des Hanges genauer untersuchen zu können.

Das Bezirksamt hat nach Angaben seines Pressesprechers Mike Schlink inzwischen eine neue statische Untersuchung beauftragt. Ein Geo-Ingenieurbüro führte die Untersuchungen im September durch. Die Auswertung liegt dem Bezirksamt allerdings noch nicht vor. Ob und wann der Otto-Schokoll-Höhenweg wieder geöffnet werden kann, sei deshalb derzeit weiterhin offen. Ursprünglich war eine Freigabe bis Ende dieses Jahres geplant.

Damit ist auch die zuletzt diskutierte Sanierung noch nicht endgültig beschlossen. Die Bezirksversammlung Altona hatte im Februar zwar einstimmig zugestimmt, die sogenannte Variante 2 weiterzuverfolgen. Diese sieht vor, den alten Weg nicht durch eine Brücke oder einen Steg zu ersetzen, sondern ihn grundsätzlich auf seiner bisherigen Trasse wiederherzustellen. Voraussetzung ist jedoch ausdrücklich eine positive Einschätzung der Hangstatik.

Das ist eine bemerkenswerte Wende in der langen Geschichte des Höhenwegs. Über Jahre waren aufwendige Steg- und Brückenlösungen untersucht worden. Eine Stahlkonstruktion sollte den Weg teilweise vom problematischen Hang entkoppeln. Auch andere Konstruktionen wurden geprüft. Die Planungen wurden jedoch immer komplizierter und teurer. Hinzu kamen mögliche Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg, schwierige Gründungsbedingungen und der hohe naturschutzfachliche Wert des Elbhanges. Nach Angaben des Bezirksamtes waren die vom Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer geprüften Varianten schließlich mit den Grundsätzen von Wirtschaftlichkeit, Sparsamkeit und Nachhaltigkeit nicht vereinbar.

Auch eine dauerhafte Aufgabe des Höhenweges wurde untersucht. Sie hätte bedeutet, den etwa 450 Meter langen Abschnitt aus dem Elbhöhenwanderweg herauszunehmen. Eine weitere Möglichkeit bestand darin, den Höhenweg über Treppen und Rampen zum tiefer gelegenen Elbuferwanderweg umzuleiten. Gerade diese Lösung erwies sich jedoch als technisch aufwendig und hätte einen erheblichen Eingriff in den sensiblen Steilhang bedeutet. Zudem wäre keine annähernd barrierefreie Verbindung entstanden.

 

Der Weg wird ein Leichtgewicht

Übrig blieb die Variante, die aus Sicht des Bezirksamtes am ehesten einen Weg zurück zum ursprünglichen Höhenweg eröffnet: Die vorhandene Trasse soll bleiben, das alte Ribbert-System soll repariert und teilweise erneuert werden. Rund 150 Spannschlösser sollen überprüft und ertüchtigt werden. In zwei besonders stark beschädigten Bereichen ist auf rund 50 Metern ein Neubau der Hangsicherung vorgesehen. Weitere etwa 280 Meter sollen repariert werden.

Ein wesentlicher Bestandteil der geplanten Sanierung ist dabei ausgerechnet etwas, das man später kaum sehen wird: Wasser soll kontrollierter durch den Hang geführt werden. Berg- und hangseitige Drainagen sollen Schichtenwasser aufnehmen und gezielt ableiten. Damit soll verhindert werden, dass Wasser erneut unkontrolliert in den Hang eindringt und die Erosion verstärkt.

Auch der Weg selbst soll leichter werden. Sein Aufbau soll um etwa 20 Zentimeter reduziert werden, die Tragschicht könnte durch ein Leichtbaumaterial ersetzt werden. Gleichzeitig soll der Weg künftig nur noch 1,75 Meter breit sein. Das soll nicht nur das Gewicht auf dem Hangsicherungssystem reduzieren, sondern auch verhindern, dass Fahrzeuge den schmalen Weg befahren. Ein neuer Handlauf ist ebenfalls vorgesehen.

08 Otto Schokoll Hoehenweg SchaedenDas Bild zeigt die Schäden am Otto-Schokoll-Höhenweg. Foto: Dr. Anke Frieling

 

Auf der Elbseite des Weges sollen zusätzlich sogenannte Hangfaschinen den Boden sichern. Vorgesehen ist, den Bereich auf einer Länge von rund 450 Metern mit Boden abzudecken und neu zu bepflanzen. Die Arbeiten müssen außerdem von Artenschutz- und Naturschutzmaßnahmen begleitet werden. Denn der Hang ist längst nicht nur ein technisches Problem, sondern zugleich ein ökologisch wertvoller Naturraum.

Ob dieses Konzept tatsächlich umgesetzt werden kann, hängt nun maßgeblich vom Ergebnis der aktuellen statischen Untersuchung ab. Das Bezirksamt weist selbst darauf hin, dass eine absolute Garantie für die Stabilität des Geesthangs nicht gegeben werden kann. Der Hang befindet sich in einem natürlichen Bewegungsprozess; insbesondere in den steilen Bereichen können auch künftig Bodenverlagerungen nicht ausgeschlossen werden. Deshalb wäre selbst nach einer Sanierung eine regelmäßige Überwachung erforderlich.

Immerhin gibt es bei den Bodenbewegungen eine vorsichtig positive Nachricht: Bei einer Begutachtung im Dezember 2025 wurden gegenüber den zuletzt bekannten Rutschungen aus dem Januar 2018 keine weiteren Rutschungen festgestellt. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Hang damit als sicher gilt. Deshalb ist die aktuelle Statikprüfung so wichtig.

Auch finanziell hat sich die Perspektive verändert: Für die nun favorisierte Lösung sind zunächst 1,7 Millionen Euro über das Erhaltungsmanagement Grün der Umweltbehörde in Aussicht gestellt worden. Dabei handelt es sich ausdrücklich noch nicht um eine belastbare Endsumme. Das Bezirksamt bezeichnet die Zahl als vorläufige Schätzung, die nach weiteren fachtechnischen Untersuchungen und einer vertieften Planung überprüft werden muss.

Im Februar hatte das Bezirksamt im zuständigen Ausschuss noch die Hoffnung geäußert, bei einer positiven Entwicklung könne eine Fertigstellung Ende 2027 erreicht werden. Eine verlässliche Zeitplanung gebe es allerdings noch nicht, hieß es bereits damals.

Nun ist klar: Dieser Zeitplan ist jedenfalls noch nicht abgesichert. Solange die Ergebnisse der aktuellen Hang- und Statikuntersuchung nicht vorliegen, bleibt die entscheidende Ampel auf Gelb. Erst danach lässt sich beurteilen, ob die geplante Sanierung der alten Trasse technisch verantwortbar ist und welche weiteren Planungs- und Genehmigungsschritte notwendig werden.

 

Radwegplanung in Richtung Wedel startet dieses Wochenende

Parallel dazu bekommt der Bereich am westlichen Ende des Höhenwegs eine zusätzliche Bedeutung für den Radverkehr. Das Bezirksamt plant im Rahmen der vom Bund geförderten Ertüchtigung der D-Route 1 – der Nordseeküstenroute – eine Beteiligung zur Aufwertung der Wegeverbindung zwischen dem Leuchtturm Wittenbergen und der Landesgrenze zu Schleswig-Holstein. Auf dem etwa drei Kilometer langen Abschnitt bis Wedel sollen Bestandssituation, Wünsche und Bedarfe von Bürgern und lokalen Initiativen aufgenommen werden. Dabei geht es um die gesamte Wegeverbindung, nicht allein um den gesperrten Höhenweg.

Der Abschnitt ist Teil einer überregionalen Radverbindung entlang der Unterelbe. Damit treffen an diesem besonderen Ort zwei Interessen aufeinander: Der Weg ist Naherholungsstrecke und Aussichtspunkt für die Rissener zugleich Bestandteil eines größeren Radverkehrsnetzes. Eine künftige Lösung muss deshalb nicht nur den schwierigen Hang beherrschen, sondern auch mit den Anforderungen an eine überregionale Wegeverbindung zusammenpassen.

Noch aber führt kein Weg über den gesperrten Hang. Der Otto-Schokoll-Höhenweg bleibt geschlossen – und die wichtigste Nachricht aus Rissen lautet derzeit nicht „Eröffnung 2027“, sondern: Erst muss der Hang die Prüfung bestehen. Dann kann aus der Hoffnung auf ein Comeback des Elbpanoramawegs vielleicht tatsächlich ein Bauprojekt werden.