Bahrenfeld (29. Oktober 2026, Konrad Matzen) · Dieser Fund sprengt die Dimensionen des gewöhnlichen Silvesterwahns. Wer in diesen Tagen durch Bahrenfeld geht, ahnt nichts davon, dass hinter einer unscheinbaren Wohnungstür ein Lager lag, das die Sprengstofffahnder des Landeskriminalamts mit einer Gewichtsangabe beschreiben, die man sonst nur aus Lagerhallen kennt. Die Rede ist von rund 100 Kilogramm. Und die Ermittler sagen: Diese Ware war nicht für ein paar laute Minuten gedacht.
Die Fahnder des für Sprengstoffdelikte zuständigen Dezernats LKA 75 waren auf den 19-jährigen Mann nicht durch einen Zufall gestoßen. Im Zuge laufender Ermittlungen stießen sie auf eine Chatgruppe, in der größere Mengen erlaubnispflichtiger und illegaler pyrotechnischer Gegenstände zum Verkauf angeboten wurden. Ein Angebot, das Kreise zog: Nach Erkenntnissen der Ermittler soll der Verkäufer seine Ware unter anderem an Kinder und Jugendliche im Hamburger Stadtgebiet abgegeben haben. Aus einem Chat wurde damit ein Geschäft, aus einem Geschäft eine Gefahr für Menschen, die das Ausmaß dessen, was sie da in Händen hielten, kaum einschätzen konnten.
In enger Abstimmung mit dem Landeskriminalamt erwirkte die Staatsanwaltschaft Hamburg einen richterlichen Durchsuchungsbeschluss für die Wohnanschrift des 19-Jährigen. Als die Beamten die Räume am Mittwochnachmittag gegen 15:15 Uhr öffneten, bestätigte sich der Verdacht in einer Größenordnung, die ihresgleichen sucht. Rund 100 Kilogramm pyrotechnische Gegenstände wurden sichergestellt, darunter sowohl erlaubnispflichtige als auch illegale Artikel.
Um zu verstehen, was das bedeutet, lohnt der Vergleich, den die Polizei selbst anbietet: Wer sich in Hamburg für Silvester eindeckt, schleppt in der Regel zwei bis fünf Kilo Feuerwerk nach Hause. In dieser Wohnung lagerte das Zwanzig- bis Fünfzigfache. Und die Behörden lassen keinen Zweifel daran, wie die Ware einzuordnen ist: Bei den illegalen Gegenständen handelt es sich nicht um harmlose Feierabendknaller, sondern um wesentlich gefährlichere Knallkörper als das, was im normalen Silvesterfeuerwerk steckt.
Der 19-Jährige wurde nach erkennungsdienstlicher Behandlung wieder entlassen. Die Ermittlungen der Strafverfolgungsbehörden dauern an. Ob aus dem Chat, über den die Ware angeboten wurde, noch weitere Namen und Adressen führen, ist bislang offen. Klar ist schon jetzt: Der Fund in Bahrenfeld ist kein Einzelfall, sondern ein Baustein in einer Reihe von Zugriffen, mit denen die Hamburger Ermittler seit Monaten gegen den Handel mit nicht zugelassener Pyrotechnik vorgehen.



















