Vor Ort stehen sie zusammen auf der Baustelle, die Verantwortlichen vom Studierendenwerk, die Senatorin, der Architekt, der Polier von Harms Holzbau. Tina Scheliga, kommissarische Geschäftsführerin des Studierendenwerks, formuliert den Anspruch so: Mit dem Emil-Wolff-Haus schaffe man nicht nur dringend benötigten Wohnraum, sondern einen Ort, an dem Wohnen, Lernen und Gemeinschaft zusammengehören. Die künftigen Bewohner fänden alles, was sie für einen guten Start in Hamburg brauchten. Das ist der Ton, den man an einem Richtfest hört, und es ist ein Ton, der sich an dieser Adresse bewähren muss.

Konkret heißt das: 78 Einzelapartments mit je rund 21 Quadratmetern, eigenes Bad, Küchenzeile, komplett möbliert. Dazu fünf Vierer-WGs mit je rund 16 Quadratmeter großen Einzelzimmern, die sich eine Wohnküche und zwei Bäder teilen. Mehr als 160 Quadratmeter sollen dem gemeinsamen Lernen und Begegnen vorbehalten sein, darunter ein großer Lern- und Begegnungsraum mit Bar, weitere Lernbereiche mit WLAN, Aufenthaltsbereiche im Foyer und Musikräume. Draußen kommen rund 300 Quadratmeter Sommerterrasse im Grünen dazu, außerdem Fahrradstellplätze und ein Waschsalon.

Inklusivmieten sollen Heizung, Strom, Wasser, schnelles Internet und einen Reparaturservice abdecken. Ein House-Manager kümmert sich vor Ort um Fragen rund ums Wohnen, Welcome-Tutoren begleiten neue Bewohner beim Einzug. Wie hoch die Mieten tatsächlich ausfallen, teilt das Studierendenwerk bislang nicht mit. Bewerbungen werden noch nicht angenommen.

Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal ordnet das Projekt in die größere Rechnung ein: Bezahlbares Wohnen für Studierende sei ein klares Ziel der Wissenschaftspolitik, jedes neue Zimmer eine Erleichterung und ein Gewinn für den Standort. 98 Wohnheimplätze seien 98 Chancen, die klügsten Köpfe in die Wissenschaft zu holen, unabhängig vom Geldbeutel der Eltern. Der Satz sitzt, denn er beschreibt genau die Lücke, die das Haus schließen soll.

  • So schick wohnen Studierende künftig in Groß Flottbek. Visualisierung: bloomimages

    So schick wohnen Studierende künftig in Groß Flottbek. Visualisierung: bloomimages

  • Empfangshalle mit Lern- und Freizeiträumen im Erdgeschoss. Visualisierung: bloomimages

    Empfangshalle mit Lern- und Freizeiträumen im Erdgeschoss. Visualisierung: bloomimages

  • So stellen sich die Planer das Studentenwohnen der Zukunft vor. Ab Semesterbeginn 2027/28 kann das Wohnheim bezogen werden. Visualisierung: bloomimages

    So stellen sich die Planer das Studentenwohnen der Zukunft vor. Ab Semesterbeginn 2027/28 kann das Wohnheim bezogen werden. Visualisierung: bloomimages

  • So schick wohnen Studierende künftig in Groß Flottbek. Visualisierung: bloomimages
  • Empfangshalle mit Lern- und Freizeiträumen im Erdgeschoss. Visualisierung: bloomimages
  • So stellen sich die Planer das Studentenwohnen der Zukunft vor. Ab Semesterbeginn 2027/28 kann das Wohnheim bezogen werden. Visualisierung: bloomimages

So schick wohnen die Studenten der Zukunft. Visualisierungen: blooming images

Denn die Lücke ist groß. Der Senat will bis 2030 rund 3.000 zusätzliche Wohnheimplätze für Studierende und Auszubildende schaffen. In der Bürgerschaft wird seit Monaten gestritten, ob das Tempo reicht; die Opposition spricht von schleppendem Fortschritt und fordert weniger bürokratische Vorgaben. Das Studierendenwerk betreibt nach eigenen Angaben derzeit 25 Wohnanlagen mit rund 4.390 Wohnplätzen, und die Nachfrage kennt keine Obergrenze: Mehr als tausend Interessierte stehen auf der Bewerberliste für ein Zimmer, eine frühere Anfrage aus der Bürgerschaft nannte sogar mehr als 2.800 Wartende. Ein WG-Zimmer kostet in Hamburg im Schnitt 610 Euro. Gegen diese Zahlen sind 98 neue Plätze an der Kaulbachstraße ein Anfang, kein Befreiungsschlag.

Wer das Haus künftig bewohnen wird, steht noch nicht fest. Fest steht, dass es in ruhiger Wohnlage liegt, mit guter Anbindung an den S-Bahnhof Othmarschen und den Busverkehr, von wo aus Hochschulen, Innenstadt und Szeneviertel schnell erreichbar sind. Fest steht auch, dass der Innenausbau jetzt beginnt und die ersten Studierenden und Auszubildenden voraussichtlich zum Wintersemester 2027/2028 einziehen sollen. Benannt ist das Haus nach dem ersten Rektor der Universität Hamburg. Bleibt die Frage, ob aus 98 Plätzen in Groß Flottbek mehr wird als ein Tropfen auf einen heißen Markt….