Sülldorf (5. November 2026, Markus Krohn) · Es gibt Termine, die stehen seit Jahrzehnten im Kalender und es gibt Termine, auf die freut man sich ganz besonders, vor allem diejenigen, die still im Hintergrund wirken und normalerweise gar nicht so gerne im Rampenlicht stehen. Heute Abend ist das etwas anderes. Da richtet sich der Blick nach Sülldorf.
Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher würdigt dort das Engagement und die über 100-jährige Geschichte der Hamburgischen Bürgervereine mit einem Senatsempfang. Die Grußworte sprechen der Bürgermeister und Dr. Herlind Gundelach, Präsidentin des Zentralausschusses Hamburgischer Bürgervereine, Senatorin a. D. Mit rund 350 ehrenamtlich tätigen Mitgliedern ist der Festsaal gut gefüllt, dazu gesellen sich die Hamburger Originale: Der Traditionsverein Original Hamburger Hummel-Club von 1902 bringt seine Zitronenjette und den Wasserträger Hans Hummel mit. Für den musikalischen Rahmen sorgen die Hamburger Liedertafel von 1823 und der Damenchor „Die Tontöchter“.
Im Mittelpunkt des Abends steht in diesem Jahr der Bürgerverein Sülldorf-Iserbrook e. V., der seine ehrenamtliche Arbeit vorstellt. Das ist keine Selbstverständlichkeit, denn hinter diesem Verein liegt ein Kalender, der von Frühjahr bis Winter durchgetaktet ist — und das seit vielen Jahren. Als Mitglied im SülldorfForum mischt der Verein dort mit, wo es um die Entwicklung des Stadtteils geht, präsentiert sich bei kirchlichen Veranstaltungen der Gemeinde und lässt sich auch dann blicken, wenn sich die Sülldorfer zur gemeinsamen Sache verabreden. Im Februar ruft er alljährlich zur Müllsammelaktion der Stadtreinigung, bei der Groß und Klein mit Handschuhen und Sammelbeuteln über Bäckerplatz und Feldmark ziehen und bei der am Ende auf alle Aktiven eine warme Stärkung wartet. Kleiner, aber mindestens genauso beliebt ist das Ostereiersuchen, das der Verein für die Kinder auf die Beine stellt. Dazu kommen die monatlichen Frühstückstreffen, Ausfahrten wie die ins Himmelmoor, Vortragsabende und die enge Zusammenarbeit mit dem Zentralausschuss.
Wer in diesem Jahr den Hummelclub auf dem Erntedankumzug der Kirchengemeinde Sülldorf-Iserbrook gesehen hat, weiß, wie lebendig diese Traditionspflege im Hamburger Westen daherkommt. Der Umzug, zu dem die Gemeinde Anfang Oktober gemeinsam mit Vereinen, Institutionen und Landwirten einlädt, ist jahrzehntelanger fester Bestandteil des Sülldorfer Jahreslaufs – und die Teilnahme des Bürgervereins und zuletzt auch des Hummelclubs eine jener Selbstverständlichkeiten, die den Stadtteil zusammenhalten.
Dass all das gewürdigt wird, hat Geschichte. Um 1840 gründeten Hamburger erste Vereine, um die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Interessen ihrer Stadtteile zu vertreten — ein Anliegen, das der Senat mit dem jährlichen Empfang aufgreift. Im Rahmen der Veranstaltung wird traditionell auch der Bürgerpreis des Zentralausschusses Hamburgischer Bürgervereine von 1886 r. V. verliehen. Ausgezeichnet werden Hamburger für ehrenamtliches Engagement, Traditionspflege und besondere Verdienste um die Freie und Hansestadt. Vergeben wird die Auszeichnung seit einigen Jahren in Form einer Lithographie, die für jeden Preisträger einzeln von Hand gefertigt wird — ein Zeichen dafür, dass hier niemandes Arbeit als Massenware durchgeht.
Wer also heute Abend im Rathaus steht, steht für viele. Für die Helfer, die im Februar mit Müllsäcken losziehen, für die Frauen und Männer, die das Frühstück decken, für alle, die sich kümmern, ohne dafür Applaus zu erwarten. Für den Bürgerverein Sülldorf-Iserbrook ist der heutige Empfang im Hamburger Rathaus ein Heimspiel in der Ferne – und für Sülldorf eine Gelegenheit, sich einmal selbst auf die Schulter klopfen zu lassen.


















