Geplant ist ein Krankenhaus mit rund 54.000 Quadratmetern Nutzfläche, 600 Betten einschließlich 60 Intensivbetten und weiteren 47 Betten für die Neonatologie. Zwölf Operationssäle für die stationäre Versorgung und fünf weitere für ambulante Eingriffe gehören ebenso zum Konzept wie die Zentrale Notaufnahme und das Perinatalzentrum der höchsten Versorgungsstufe (DorfStadt berichtete). Mehr als 280.000 Menschen im Hamburger Westen sowie weitere Einwohner aus dem Umland werden von der Klinik versorgt. Der Senat hat Anfang September die nächsten Schritte für das Projekt beschlossen; die Inbetriebnahme des Neubaus ist derzeit für 2035 vorgesehen.
Die eigentliche Besonderheit des Bauvorhabens liegt allerdings weniger in seiner Größe als in dem Untergrund, auf dem es entstehen soll. Das Baufeld nordwestlich des heutigen Klinikgebäudes befindet sich im Einflussbereich des Salzstocks Othmarschen-Langenfelde. Salzstöcke bestehen aus aufgestiegenem Steinsalz und anderen leicht löslichen Gesteinen. Wo Grundwasser solche Gesteine auslaugt, können unterirdische Hohlräume entstehen. Brechen diese Hohlräume ein, kann an der Oberfläche ein Erdfall entstehen. Hamburg kennt dieses Phänomen seit Langem: Der Bahrenfelder See beispielsweise ist ein solcher Erdfall über dem Gipshut des Salzstocks Othmarschen-Langenfelde.
Für den Klinikneubau ist das keine theoretische geologische Besonderheit. Im Bereich des Baufeldes sind mehrere Erdfälle bekannt. Ein bereits bekannter Erdfall innerhalb des Baufeldes gilt nach den bisherigen Untersuchungen als beherrschbar. Einen weiteren Erdfall im Bereich des südlichen Teils kann der geplante Baukörper umgehen. Besonders intensiv untersucht wurde jedoch ein nördlicher Erdfall. Das 3D-Bodenmodell zeigt dort Baugrundverschiebungen, die bis in eine Tiefe von rund 400 Metern reichen können. Nach dem vorliegenden Gutachten besteht die Gefahr, dass Erdmassen weiter nachrutschen. Eine Überbauung dieses Bereichs ist deshalb nach den bisherigen Erkenntnissen nahezu ausgeschlossen.
Kostenrisiko Gründung
Damit wird deutlich, warum der Baugrund für dieses Projekt eine besondere Bedeutung hat. Ein Krankenhaus dieser Größenordnung lässt sich nicht einfach an jeder beliebigen Stelle auf dem Grundstück platzieren. Der Baukörper muss dauerhaft standsicher sein, gleichzeitig müssen Grundwasser und Baugrube während der Bauarbeiten beherrscht werden. Die Senatsdrucksache spricht deshalb von umfangreichen Sicherungs- und Gründungsarbeiten, die über das hinausgehen, was bei einem typischen Krankenhausneubau erforderlich wäre.
Die Geologie hat bereits konkrete Folgen für die Architektur. Der sogenannte Footprint, also die Grundfläche des Neubaus, wurde mehrfach verkleinert. Auch die Kubatur des Gebäudes wurde verändert. Schließlich wurde der Baukörper möglichst weit nach Süden verschoben, um die problematischen Bereiche zu umgehen. Dadurch musste sogar das ursprüngliche Ziel aufgegeben werden, die geltende Hochhausgrenze einzuhalten. Das Gebäude soll nun bis zu elf oberirdische Geschosse und eine Höhe von rund 45 Metern erreichen – zusätzlich kommt der Hubschrauberlandeplatz hinzu.
Dass die besondere Geologie nicht nur eine technische, sondern auch eine finanzielle Herausforderung ist, zeigt die Kostenplanung. Für Gründung und Wasserhaltung wurde ein erhöhter Aufwand angesetzt. Die Baugrundbedingungen gehören damit ausdrücklich zu den Faktoren, die die Kosten des Projekts nach oben treiben können.
Hamburg hat deshalb sogar geprüft, ob sich im Westen der Stadt ein anderer Standort finden lässt. Die Anforderungen waren hoch: Das Grundstück müsste ausreichend groß und tragfähig sein, gut an das Straßennetz angebunden liegen und für Patienten, Angehörige, Beschäftigte und Rettungsdienste gut erreichbar sein. Auch die Nähe zur A7 und zum Hafengebiet spielt für die Notfallversorgung eine Rolle. Eine geeignete und verfügbare Alternative wurde nach Angaben des Senats jedoch nicht gefunden. Der Neubau soll deshalb trotz der schwierigen Bodenverhältnisse am vorgesehenen Standort entstehen.
Für Mithat Capar, SPD-Bürgerschaftsabgeordneter, ist das Projekt deshalb mehr als ein gewöhnlicher Krankenhausbau: „Die Drucksache zeigt, wie anspruchsvoll dieses Vorhaben ist. Der schwierige Baugrund verlangt besonders sorgfältige Planung. Bei einem Krankenhaus, das über Jahrzehnte gebraucht wird, müssen Sicherheit, Qualität und ein verantwortungsvoller Umgang mit öffentlichen Mitteln zusammenkommen.“
Veränderungen im Umfeld
Auch oberhalb der Erde wird sich das Umfeld der Klinik erheblich verändern. Die Kita auf dem heutigen Krankenhausgelände liegt im Baufeld und muss vor Beginn der Gründungsarbeiten verlagert werden. Auch für die Rettungswache ist ein Neubau vorgesehen. Die Paul-Ehrlich-Straße wird ihren bisherigen Verlauf verlieren und südlich des Neubaus neu angelegt. Hinzu kommen neue Leitungen, eine verlegte Bushaltestelle an der Behringstraße sowie Veränderungen bei Fuß- und Radwegen. Allein für diese Infrastrukturmaßnahmen werden bis 2035 nach aktueller Schätzung rund 30 Millionen Euro veranschlagt.
Dabei darf die Klinik während der Bauarbeiten nicht einfach aus dem Weg gehen. Rettungsfahrzeuge und Versorgungs-Lkw müssen das bestehende Krankenhaus weiterhin erreichen können. Auch der bodengestützte Hubschrauberlandeplatz muss funktionsfähig bleiben. Der Neubau entsteht somit in unmittelbarer Nähe zu einem laufenden Krankenhausbetrieb – eine zusätzliche logistische Herausforderung.
Interessant ist zudem, dass die geplante Tiefgarage möglicherweise mehr leisten könnte als nur Parkplätze bereitzustellen. Geprüft wird, ob sie im Zivilschutzfall für zusätzliche Behandlungskapazitäten genutzt werden kann. Denkbar wäre beispielsweise die Aufnahme mobiler Operations- und Behandlungseinheiten. Dafür müssten allerdings entsprechende Leitungen für medizinische Gase, Lüftung, Strom und Sanitärversorgung vorgesehen werden. Eine endgültige Entscheidung darüber steht noch aus.
Wenn die neue Klinik voraussichtlich 2035 ihren Betrieb aufnimmt, ist die Geschichte des heutigen Krankenhausstandorts ebenfalls noch nicht zu Ende. Die bestehenden Gebäude sollen nach dem Umzug nicht einfach verschwinden. Sie sollen erhalten und einer neuen Nutzung zugeführt werden. Die Senatsdrucksache nennt unter anderem Büroflächen, Wohnen, Hotel- und Gastronomienutzungen sowie Mikroapartments oder Studentenwohnungen als mögliche Perspektiven. Eine konkrete Entscheidung über die Nachnutzung gibt es bislang nicht.




















