Die neue Korvette „Köln“ ist das derzeit sichtbarste Symbol für Ambitionen und Schwierigkeiten der Deutschen Marine zugleich. Zunächst die Fakten:

  • Das 89 Meter lange Schiff ist die sechste Einheit der Braunschweig-Klasse (K130) und das erste Fahrzeug des zweiten Bauloses.
  • Künftig soll es eine zentrale Rolle in der maritimen Landes- und Bündnisverteidigung spielen.

Doch genau dort beginnen die Probleme. Wann die „Köln“ ihre Probefahrten abschließen und den Marschbefehl für reguläre Einsätze erhält, ist weiterhin offen. Es gibt – und gab – etliche Hausaufgaben.

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Pleiten, Pech, Pannen 

Seit dem ersten Stahlschnitt 2019 und der Taufe 2022 in Hamburg kämpft das Projekt mit massiven Verzögerungen. Die Verantwortung dafür wird zwischen Marine, Industrie und Politik hin- und hergeschoben. Die Marine verweist auf unterbrochene Lieferketten, neue sicherheitspolitische Anforderungen infolge des Ukraine-Krieges sowie auf Software- und IT-Probleme.

Die Werft Blohm+Voss wiederum sieht andere Ursachen:

„Die Verzögerungen beruhen auf vielen, vielen Ansprüchen der Marine.“

Tatsächlich bemängelte die Flottenleitung unter anderem die Luftaustauschrate – also die Frischluftzufuhr im gepanzerten Rumpf. Zahlreiche Komponenten mussten daraufhin nachgebessert oder ausgetauscht werden. Weitere Zusatzwünsche betrafen Sensorik sowie Führungs- und Waffeneinsatzsysteme. Daran arbeitet die Werft seit Monaten.

Ein Unfall verschlimmerte die Lage zusätzlich: Beim Probeauslaufen aus dem Hamburger Hafen kollidierte die „Köln“ an Steuerbord mit einem Schwimmdock. Beschädigte Frischwassertanks und abgeplatzte Beschichtungen führten zu erneuten, teils monatelangen Reparaturen – der ohnehin enge Zeitplan war endgültig Makulatur.

Neues Jahr, neues Glück?

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Allerdings: So ein komplizierter Bau ist wie ein Puzzle – Teil muss zu Teil passen. Zudem gibt es viele Gewerke, die abgestimmt werden müssen. Gebaut wird die Korvette von der ARGE K130. Dahinter verbirgt sich eine Arbeitsgemeinschaft der Werften NVL Group, ThyssenKrupp Marine Systems und German Naval Yards - mit Bauorten in Wolgast, Kiel und Hamburg. Das ist auch eine bunte Schar Menschen - siehe Foto mit Ingenieuren und Marineangehörigen bei einer Probefahrt auf der Elbe.

Ist die „Köln“ schließlich fertiggestellt, soll sie bewaffnete Präsenz in Ostsee und Nordmeer zeigen – dort, wo Deutschland gemeinsam mit seinen NATO-Partnern maritime Sicherheit gegenüber einem aggressiv auftretenden Russland gewährleisten will. Für diese Küsten- und Überwachungsaufgaben wurde die Korvette konzipiert: geringer Tiefgang, modernisierte Bewaffnung, hochautomatisierte Technik und die Möglichkeit, Drohnen einzusetzen.

Am 22. September 2025 lief die „Köln“ erstmals in ihren künftigen Heimathafen Warnemünde ein – ein symbolischer, aber noch kein operativer Meilenstein. Probefahrten und technische Abnahmen laufen weiter.

Nun hoffen Fachleute, dass die „Köln“ im Jahr 2026 endlich ihre eigentliche Bestimmung aufnehmen kann. Doch erst wenn alle Systeme integriert, getestet und für den Flottenbetrieb freigegeben sind, wird F 265 wirklich einsatzbereit sein. Und das braucht Zeit.