Die Neugestaltung des Umfeldes am Bahnhof Altona geht in eine entscheidende Phase. Nach einem internationalen Ideenwettbewerb hat eine Jury zwei Entwürfe ausgewählt, die das Zentrum Altonas grundlegend verändern könnten. Beide Konzepte setzen auf mehr Grün, neue Aufenthaltsqualität und eine umfassende Neuordnung des Verkehrs – unterscheiden sich jedoch deutlich in ihrer Herangehensweise.
Hintergrund der Planungen ist die Verlagerung des Fern- und Regionalverkehrs an den Bahnhof Hamburg-Altona am Diebsteich, dessen Inbetriebnahme derzeit für Ende 2029 vorgesehen ist. Erst danach können die bestehenden Gleisanlagen zurückgebaut und die Flächen neu entwickelt werden. Der bestehende S-Bahnhof bleibt im Untergrund erhalten, während insbesondere der Busbahnhof dringend erweitert werden muss.
Zwei Visionen stehen nun im Raum: Während der Entwurf des Teams CF Möller und Vogt Landschaft auf einen klar strukturierten Stadtplatz und eine neue Nord-Süd-Grünverbindung setzt, verfolgt das Team Noto und Studio Erde einen behutsameren Ansatz. Hier soll das bestehende Bahnhofsgebäude erhalten und zu einem zentralen Stadthaus umgebaut werden, eingebettet zwischen neuen Park- und Platzflächen. Der Busbahnhof bleibt dabei grundsätzlich an seinem Standort, wird jedoch erweitert.
Für Bezirksamtsleiter Sebastian Kloth ist das Ergebnis ein wichtiger Zwischenschritt: „Mit dem aktuellen Juryvotum kommen wir der Neugestaltung des Bahnhofsumfeldes Altona ein großes Stück näher. Wir haben jetzt zwei ganz unterschiedliche Entwürfe, deren Ideen so gut sind, so dass man auf diesen jetzt weiter aufbauen kann.“ Besonders hebt er die Beteiligung der Bürger hervor: „Dass mehr als 1.000 Menschen die Gelegenheit zur abschließenden Beteiligung genutzt haben, zeigt mehr als deutlich, wie wichtig dieses Thema ist.“
Tatsächlich war der Wettbewerb von intensiver Bürgerbeteiligung geprägt. In mehreren Formaten konnten Anwohner ihre Ideen einbringen – von Online-Beteiligungen bis hin zu Ausstellungen im Rathaus. Der Wunsch nach mehr Grünflächen und einem attraktiven Aufenthaltsort statt eines reinen Verkehrsknotens zog sich dabei wie ein roter Faden durch die Rückmeldungen.
Der Handlungsdruck ist hoch. Der bestehende Busbahnhof, einst kompakt und effizient geplant, ist längst an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen. Zusätzliche Linien finden kaum Platz, Ersatzverkehre müssen auf umliegende Straßen ausweichen. Die Folge sind lange und unübersichtliche Umsteigewege – ein Zustand, der seit Jahren kritisiert wird.
Gleichzeitig zeigt die Diskussion um mögliche Zwischenlösungen, wie komplex die Situation ist. Initiativen wie Prellbock Altona fordern eine schnelle Modernisierung unabhängig von der großen Bahnhofsverlagerung. Sie argumentieren, dass Fahrgastzahlen steigen und Verbesserungen nicht erst in den 2030er Jahren greifen dürfen.
Die Politik hingegen setzt auf die „große Lösung“: Mit der Verlagerung des Bahnhofs entsteht eine einmalige Chance, das Zentrum Altonas komplett neu zu denken. Neben neuen Verkehrsstrukturen sollen auch Wohnflächen entstehen – bis zu 400 Wohneinheiten sind im Gespräch.
Bis zur Umsetzung wird jedoch noch Zeit vergehen. Der eigentliche Umbau dürfte frühestens Anfang der 2030er Jahre beginnen. Bis dahin bleibt der Bahnhof Hamburg-Altona ein Provisorium mit wachsendem Modernisierungsbedarf.
Fest steht: Die Entscheidung für einen der beiden Entwürfe wird weit mehr sein als eine architektonische Frage. Es geht um die künftige Identität eines ganzen Stadtteils – und darum, wie urbanes Leben, Mobilität und Aufenthaltsqualität künftig zusammenspielen.




















