Der Hamburger Senat plant eine personelle Verstärkung der Straßensozialarbeit. Das geht aus der Senatsantwort auf eine Schriftliche Kleine Anfrage aus der Hamburgischen Bürgerschaft hervor. Demnach sollen zunächst besonders betroffene Bezirke zusätzliche Kapazitäten erhalten. Neben Hamburg-Mitte und Harburg gehört auch Altona zu den ersten Bezirken, in denen das Angebot ausgebaut werden soll.

Konkret sind für Altona drei zusätzliche Vollzeitäquivalente vorgesehen. Die Straßensozialarbeit soll dadurch stärker in den Stadtteilen präsent sein und obdachlose Menschen frühzeitig erreichen. Der Ansatz folgt dem Prinzip der aufsuchenden Hilfe: Sozialarbeiter sprechen Betroffene direkt im öffentlichen Raum an, vermitteln medizinische oder soziale Unterstützung und helfen bei der Anbindung an bestehende Hilfesysteme.

11 Capar Mithat Buergerschaft hamburgDiplom-Betriebswirt und SPD-Wahlkreisabgeordneter für Altona, Mithat Capar. Foto: privat
Der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Mithat Capar begrüßt die Entscheidung des Senats. „Dass Altona im neuen Konzept des Senats ausdrücklich zu den Bezirken gehört, die zuerst verstärkt werden sollen, ist eine wichtige und richtige Entscheidung. Unser Bezirk braucht eine starke Straßensozialarbeit, die präsent, ansprechbar und niedrigschwellig arbeitet“, meint Capar.

Auch die zusätzliche personelle Ausstattung bewertet der Abgeordnete positiv. „Drei zusätzliche Stellen für Altona sind eine gute Nachricht. Das ist ein wichtiges Signal für unseren Bezirk und ein richtiger Schritt, um Hilfe für obdachlose Menschen vor Ort besser und verlässlicher zu machen.“

Mit der Neukonzeption wird die Straßensozialarbeit organisatorisch neu aufgestellt. Seit Anfang 2026 ist die aufsuchende Arbeit für obdachlose Erwachsene aus dem Aufgabenspektrum der sozialen Beratungsstellen herausgelöst worden. Die dort bislang eingesetzten Personalanteile bleiben allerdings erhalten und stehen weiterhin für Beratungsangebote zur Verfügung.

Die neue Struktur soll stärker auf regionale Bedarfe reagieren. Neben der festen Straßensozialarbeit bleiben mobile Angebote wie das Projekt „Visite Sozial“ oder das Streetwork-Mobil Bestandteil des Gesamtkonzeptes. Sie sollen flexibel dort eingesetzt werden, wo akute Unterstützungsbedarfe entstehen.

Wohnungslosigkeit ist längst kein Problem mehr, das sich ausschließlich auf die Innenstadt konzentriert. In Hamburg leben nach Schätzungen derzeit rund 3.800 Menschen ohne feste Unterkunft auf der Straße. Während sich größere Gruppen vor allem in Bereichen rund um den Hauptbahnhof oder in St. Georg finden, sind obdachlose Menschen inzwischen in nahezu allen Stadtteilen anzutreffen.

Lokale kirchliche Initiativen helfen

Das gilt auch für den Westen der Stadt. In den wohlhabenden Elbvororten wie Blankenese, Othmarschen, Nienstedten oder Rissen treten obdachlose Menschen zwar seltener öffentlich in Erscheinung, doch auch dort existiert Wohnungslosigkeit. Häufig leben Betroffene zurückgezogen in Parks, Grünanlagen oder Waldstücken und sind im Alltag weniger sichtbar als in zentralen Quartieren.

Gleichzeitig engagieren sich im Hamburger Westen verschiedene lokale Initiativen. Ehrenamtliche verteilen beispielsweise Mahlzeiten oder Kleidung und unterstützen bei ersten Beratungsgesprächen. Auch kirchliche Einrichtungen, etwa rund um die Martin-Luther-Kirche in Sülldorf-Iserbrook, bieten niedrigschwellige Hilfsangebote.

Die geplante Verstärkung der Straßensozialarbeit soll solche lokalen Unterstützungsstrukturen ergänzen und enger mit den bestehenden Hilfesystemen vernetzen. Ziel der Neukonzeption ist es, obdachlose Menschen früher zu erreichen und Hilfeprozesse konsequenter zu begleiten.

Ob und wann die neuen Stellen konkret besetzt werden, ist allerdings noch offen. Die Prüfung der Anträge der möglichen Träger ist nach Angaben des Senats noch nicht abgeschlossen. Sobald das Verfahren beendet ist, sollen die ausgewählten Träger über das Ergebnis informiert werden. Bis dahin bleibt die Straßensozialarbeit in Altona zunächst in ihrer bisherigen Struktur aktiv.