Mit dem Start von sechs Modellprojekten für ein altersgerechtes Leben im Quartier setzt der Hamburger Senat ein deutliches Zeichen für die Zukunft der Pflege und des Wohnens. Ab dem 1. Mai 2026 sollen in den Bezirken Mitte, Eimsbüttel, Hamburg-Nord, Wandsbek, Bergedorf und Harburg neue Strukturen entstehen, die es älteren Menschen ermöglichen, möglichst lange in ihrem vertrauten Umfeld zu bleiben.
Im Zentrum des Programms „Wohnen bleiben im Quartier“ stehen sogenannte Quartierspflegedienste. Sie sollen als zentrale Anlaufstellen fungieren, Beratung leisten, Pflege koordinieren und nachbarschaftliche Netzwerke einbinden. Ergänzt wird das Konzept durch barrierearme Wohnumfelder, gemeinschaftlich nutzbare Räume und eine enge Verzahnung von professionellen Angeboten und ehrenamtlichem Engagement. Insgesamt stehen rund 5,2 Millionen Euro zur Verfügung, finanziert jeweils zur Hälfte von Pflegekassen und dem Stadtentwicklungsfonds „Lebendige Quartiere“.
Der Bedarf ist unstrittig: Bereits heute leben in Hamburg rund 350.000 Menschen im Alter von 65 Jahren oder älter – Tendenz steigend. Viele von ihnen wünschen sich, auch bei zunehmendem Unterstützungsbedarf in ihrer gewohnten Umgebung bleiben zu können. Die Modellprojekte sollen hierfür neue Lösungsansätze erproben und wissenschaftlich begleitet werden.
Doch während sechs Bezirke von dieser Entwicklung profitieren, bleibt Altona unberücksichtigt – und genau das sorgt für politische Kritik. Besonders deutlich äußert sich die CDU-Fraktion im Bezirk. Ihr Vorsitzender Sven Hielscher zeigt sich irritiert über die Auswahlentscheidung des Senats.
Nach Angaben der CDU habe man bereits im November 2025 einen eigenen Antrag eingebracht, der inhaltlich eng an die nun beschlossenen Modellprojekte angelehnt gewesen sei. Vorgeschlagen wurde ein Seniorenzentrum nach dem sogenannten Münchner Modell, das selbstständiges Wohnen mit Serviceleistungen und nachbarschaftlicher Unterstützung verbindet.
Hielscher kritisiert, dass Altona trotz klar erkennbarer Bedarfe nicht berücksichtigt wurde. Gerade ein wachsender und vielfältiger Bezirk benötige entsprechende Angebote, um den demografischen Wandel sozialverträglich zu gestalten. Die Entscheidung sende ein falsches Signal an die Bevölkerung und lasse Zweifel an einer ausgewogenen Förderpolitik aufkommen.
Aus Sicht des Senats hingegen basiert die Auswahl der Projekte auf einem zweistufigen Verfahren, bei dem insbesondere innovative Ansätze und Umsetzbarkeit im Quartier eine Rolle spielten. Ziel sei es, Modellvorhaben zu fördern, die als Blaupause für zukünftige Strukturen dienen können. Die Projekte werden über einen Zeitraum von drei Jahren erprobt und durch die Universität Osnabrück wissenschaftlich begleitet.
Unabhängig von der politischen Bewertung zeigt der Vorgang jedoch ein grundlegendes Spannungsfeld: Während der Bedarf an quartiersnahen Pflege- und Unterstützungsangeboten in allen Bezirken wächst, stehen Fördermittel und Modellprojekte nur begrenzt zur Verfügung. Für nicht berücksichtigte Bezirke wie Altona bedeutet das, zunächst auf eine zweite Förderwelle oder alternative Programme hoffen zu müssen.
Die CDU fordert daher, Altona kurzfristig in die Förderung einzubeziehen. Ob der Senat auf diese Kritik reagiert, bleibt offen.




















