Am Mittwochmittag wurde der rund 240 Meter lange Abschnitt am Westkai Neumühlen offiziell freigegeben, rund zweieinhalb Jahre nach Baubeginn und fast neun Jahre, nachdem die Promenade gesperrt werden musste. Im Herbst 2017 stellten Fachleute erhebliche Verformungen der Spundwand und eine Absackung der dahinterliegenden Promenade fest. Die alte Wand hatte sich in Teilbereichen um bis zu 1,60 Meter verbogen, die Standsicherheit war nicht mehr gewährleistet. Ende 2017 musste der Weg kurzfristig dichtgemacht werden – aus einer kurzen Sperrung wurde fast ein Jahrzehnt.

Was in dieser Zeit unter und vor dem Ufer passierte, gehört zu den aufwendigsten Bauarbeiten, die Hamburg derzeit an seiner Wasserkante stemmt: Die 1983 errichtete Kaimauer wurde als vorgesetzte neue Uferwand vollständig neu gebaut, technisch zwingend gleich mit dem Sanierungsabschnitt aus den fünfziger Jahren daneben. Für die rund 240 Meter wurden 2.100 Tonnen Stahl, 1.200 Kubikmeter Beton und 221 Mikropfähle verbaut. Tragrohre von bis zu 34 Metern Länge wurden von einer Hubinsel aus in zuvor gebohrte Löcher eingelassen und nachgerammt, dazwischen presste man Füllbohlen ein und zog die Rückverankerung ein. Vorausgegangen war 2020 eine Notsicherung: Kolke wurden verfüllt, vor der Wand eine Unterwasserböschung aufgeschüttet und das Stauwasser landseitig über eine Drainage abgesenkt.

Die Rechnung dafür ist am Mittwoch offen benannt worden. Rund 49 Millionen Euro hat die Maßnahme gekostet, Baunebenkosten und die schon angefallenen Notsicherungsarbeiten eingerechnet. „49 Millionen Euro wurden verbuddelt, aber es ist wirklich schön geworden“, sagte Finanzsenator Dr. Andreas Dressel bei der Wiedereröffnung und lieferte gleich die Gebrauchsanweisung für das neue alte Uferstück mit: „zum Sonnetanken, zum Spazierengehen und zum Fahrradfahren“.

Denn mit der Kaimauer allein war es nicht getan. Die Oberflächen der Promenade wurden wiederhergestellt, die zwischen alter und neuer Wand gewonnene Fläche erschlossen, Geländer, Leitern und weitere Ausstattung erneuert. Der Bereich ist damit nicht nur wieder passierbar, sondern weitläufiger als zuvor – ein Zugewinn an Land, der mitten in der Stadt selten geworden ist. Bauherr war der Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG), der zur Behörde für Finanzen und Bezirke gehört; umgesetzt hat es die ReGe Hamburg Projekt-Realisierungsgesellschaft mbH.

Für den Bezirk Altona ist die Freigabe mehr als ein Bauzaun, der verschwindet. „Seit Jahren war dieser attraktive Abschnitt am Elbufer durch Bauzäune und Bauarbeiten geprägt“, befand Bezirksamtsleiter Dr. Sebastian Kloth. „Jetzt verschwindet nicht nur eine langjährige Baustelle aus dem Stadtbild, sondern ein wichtiger öffentlicher Raum wird endlich wieder für alle nutzbar.“ Die Promenade sei „weit mehr als eine Wegeverbindung“ – ein Ort zum Spazierengehen, Verweilen und Durchatmen, mit dem Blick auf Elbe, Hafen und die maritime Seite des Bezirks.

Was in Neumühlen abgeschlossen ist, war für die Stadt zugleich ein Versuch unter Realbedingungen. Weitere Kaimauern werden folgen, in der Speicherstadt, am Hans-Leip-Ufer, am Steendiekkanal – für all das nimmt Hamburg nach Dressels Vorausschau rund 536 Millionen Euro in die Hand. Der Senator sprach von einer Jahrhundertaufgabe und rechnet vor, worauf sich die Stadt einstellen muss: rund 40 Kilometer Kaikante allein im Hafen, dazu über 200 Kilometer entlang der Elbe. „Da haben wir noch richtig was zu tun.“

Für die Menschen am Ufer heißt das vorerst: Der Weg ist wieder da, und wer von Övelgönne bis zum Fischmarkt will, muss keinen Umweg mehr nehmen. Der Blick auf die nächste Baustelle dürfte allerdings nicht weit sein…