Seit dem 23. September liegt dem Ausschuss für Grün, Naturschutz und Sport die Übersicht über die Rahmenzuweisungen für die Jahre 2027 und 2028 vor, also jener Gelder, die der Senat den Bezirken für ihre freiwilligen Aufgaben zur Verfügung stellt. Die Zahlen sind ernüchternd. Für die Pflege der Gewässer stehen 2028 rund 35.000 Euro weniger bereit als 2026, bei den Grün- und Erholungsanlagen fehlen bis 2028 rund 123.000 Euro – Geld, mit dem Wiesen, Bäume und Gehölze unterhalten werden.
„Diese Kürzungen sind für Altona dramatisch. Grünanlagen, Parks und Gewässer sind kein Luxus, sondern ein wichtiger Bestandteil unserer öffentlichen Daseinsvorsorge“, sagt Natalia Werdung, grünpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke Altona. Fehle hier dauerhaft Geld, werde „zum Beispiel bei Blühwiesen, der Pflege von Wegen oder dem Nachpflanzen gefällter Bäume gespart“.
Damit steht Altona nicht allein. Die Unterfinanzierung der Grünpflege ist ein Dauerzustand, der sich seit Jahren verschärft. Bereits ab 2025 wurde die Rahmenzuweisung Grün, aus der Finanz- und Umweltbehörde alle Bezirke versorgen, um rund zwei Millionen Euro jährlich abgesenkt. Ein bundesweiter Vergleich im Auftrag des Deutschen Städtetages zwischen den Kommunen offenbart, dass Städte im Durchschnitt deutlich höhere Mittel für die Pflege von Grünflächen einsetzen als Hamburg. „Eine Stadt, die so stolz auf ihr Grün ist, wie Hamburg, muss sich am oberen Standard orientieren und die Mittel frei machen, um diese grüne Seele zu pflegen“, meint die CDU-Abgeordnete Ulrike von Criegern.
Im Bezirksamt weiß man ebenfalls, dass das vom Senat bereitgestellte Geld für eine angemessene Pflege nicht genügt. Die Folge: Die Grünpflege ist nur mit „deutlich abgesenkten Standards“ möglich. Zuletzt fehlte rund ein Drittel der Finanzmittel, die eine fachgerechte Pflege des städtischen Grüns erfordern würde. In Zahlen der Behörde liest sich das noch drastischer: Für das Jahr 2025 weist sie ein Defizit von 41,83 Prozent aus, im fortgeschriebenen Plan für 2026 sind es 44,02 Prozent. Der neue Haushaltsentwurf plant 2027 mit 45,98 Prozent und 2028 mit 47,19 Prozent – eine Kurve, die weiter nach oben zeigt.
Sichtbar ist das längst: Im Fischers Park, am Altonaer Balkon und am Rathaus wird der Rasen nur noch viermal jährlich gemäht, Beete verwildern, Müll bleibt liegen. Am Römischen Garten und im Hirschpark werden Wege nicht gestreut, Erosionsspuren nicht zeitnah beseitigt, Laub liegengelassen. Spielplätze werden seltener grundinstandgesetzt. Innerhalb der Fördermittel müssen regelmäßig Gelder aus der allgemeinen Grünanlagenpflege abgezogen werden, um die steigenden Kosten für die Parkbaumpflege aufzufangen – zu Lasten von Grünanlagen, Spielplätzen und Kleingärten. „Wer durch Altona geht, sieht, dass nur noch das Nötigste gemacht wird – ein schleichender Qualitätsverlust“, so von Criegern. „Ein Park ist nicht mit seiner Einweihung fertig. Ein Spielplatz bleibt nicht durch gute Absichten attraktiv.“
Bei der Gewässerpflege könnten Projekte wie „Hamburg, deine Flussnatur“ oder die Stiftung Lebensraum Elbe einzelne Aufgaben übernehmen. Das Bundesumweltministerium stellt für die zweite Förderphase des Vorhabens rund 17,3 Millionen Euro bereit, weitere Mittel kommen von der Stadt und der Stiftung, die das Projekt vor Ort betreut. Ob solche Programme die Kürzungen wirklich ausgleichen, ist jedoch unklar. Die Linke warnt davor, sich dauerhaft auf Projekte und Stiftungen zu verlassen statt auf verlässliche öffentliche Finanzierung. Zumal die Ansprüche an die Pflege steigen: Hitzeperioden und Trockenheit setzen Bäumen zu, klimabedingte Schäden verlangen mehr Kontrolle, mehr Schnitt, mehr Nachpflanzung – eigentlich die Stunde höherer Investitionen. Stattdessen plant der Senat nicht einmal eine Index-Erhöhung wegen der steigenden Inflation ein.
„Altonas Parks und Grünflächen werden täglich von tausenden Menschen genutzt. Sie sind wichtig für Erholung, Gesundheit, Klima und Lebensqualität. Gerade angesichts zunehmender Hitzeperioden und wachsender Verdichtung brauchen wir gut gepflegte und zugängliche Grünflächen – und keine Kürzungen bei ihrer Unterhaltung“, so Werdung.
Die Linke Altona fordert deshalb, die Folgen der Kürzungen offen darzulegen und langfristig sicherzustellen, dass Grünanlagen und Gewässer im Bezirk in guter Qualität gepflegt werden. Die CDU-Fraktion geht noch weiter und verlangt, die Rahmenzuweisung Grün ab dem Doppelhaushalt 2027/28 bedarfsgerecht und dauerhaft aufzustocken, „damit die notwendige Pflege von Grünanlagen, Spielplätzen und Bäumen nicht länger gegeneinander ausgespielt wird“. Für den Haushalt 2027/28 liegt der Entwurf der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft vor, der ein strukturelles Defizit fortschreibt, statt es zu beheben. Die Behörde selbst hält eine Ausstattung der Rahmenzuweisung in bedarfsgerechter Höhe für das klare Ziel – ein Bekenntnis, dem bislang die Zahl im Haushalt fehlt.
Ob die Bezirksversammlung Altona dem Entwurf am Ende zustimmt, entscheidet sich im November, wenn die Haushaltsberatungen abgeschlossen sind. Bis dahin bleibt der Rasen am Altonaer Balkon viermal im Jahr gemäht.




















