Der Japanische Staudenknöterich, laut Bundesamt für Naturschutz eine invasive Art, wächst bis zu 30 Zentimeter am Tag und wird bis zu vier Meter hoch. Was ihn nahezu unbesiegbar macht, liegt unter der Erde: Bis zu zwei, in Extremfällen sechs Meter tief reichen seine Rhizome, aus denen selbst kleinste Wurzelstücke wieder austreiben. Wo eigentlich verschiedene Arten stehen sollten, wächst heute ein dichter Teppich aus meterhohen Stängeln, der heimische Pflanzen und Insekten verdrängt, die biologische Vielfalt beeinträchtigt und die Pflege von Grünflächen und Gewässerufern erheblich erschwert.
Die CDU-Fraktion in der Bezirksversammlung Altona will deshalb neue Wege gehen. Mit einem dringlichen Antrag fordert sie, den Einsatz von Starkstrom-Lanzen zu prüfen. Das Verfahren arbeitet mit einer Handlanze, die hochfrequente Stromimpulse von 3000 bis 5000 Volt in die Pflanze leitet. Die Energie wandelt sich in Wärme um, das Wasser in den Zellen verdampft, die Pflanze stirbt bis in die Wurzeln ab. In Berlin-Tempelhof wird eine entsprechende Technik der Firma RootWave seit Juli erprobt. Der entscheidende Vorteil: Es braucht keine chemischen Pflanzenschutzmittel, die an Gewässerrändern ohnehin kaum zugelassen sind. Die behandelten Reste lassen sich fachgerecht entsorgen.
Der Antrag verlangt mehr als einen Versuch. Die Erfahrungen aus Berlin sollen ausgewertet, die Vorkommen im Bezirk systematisch erfasst und der Einsatz auf geeigneten Flächen auf Wirksamkeit, Kosten und Aufwand geprüft werden. Bislang taucht der Knöterich vor allem im Wesselhöftpark in Nienstedten auf, außerdem nahe der Osdorfer Feldmark, im Düpenautal, entlang der Elbe und im Volkspark.
Aus Sicht der Antragsteller geht es um Zeit. „Der Handlungsbedarf ist auch aus Naturschutzsicht erheblich. Beim Staudenknöterich können wir nicht einfach darauf warten, dass er von selbst wieder verschwindet – genau das wird er nicht tun“, meint die CDU-Bezirksabgeordnete Claudia Stamm. Gerade an Gewässern und in sensiblen Bereichen könne sich die Starkstromlanze als wirksames, sicheres und wirtschaftliches Verfahren erweisen. Ihr ist allerdings klar, dass es mit einem einzigen Einsatz nicht getan sein wird: „Dauerhafte Anwendungen“ seien nötig, um Erfolg zu erzielen.
Das Bezirksamt kennt das Verfahren bereits aus eigener Erfahrung – und dämpft die Erwartungen. Zwischen 2022 und 2025 wurden Elektrolanzen auf städtischen Grünflächen an insgesamt etwa einem Dutzend kleinerer Standorte eingesetzt. „Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass der Japanische Staudenknöterich durch den Einsatz der Elektrolanze deutlich zurückgedrängt werden konnte. Eine vollständige und dauerhafte Beseitigung der Bestände wurde auf den behandelten Flächen bislang jedoch nicht erreicht“, gibt Bezirksamtssprecher Mike Schlink zu bedenken. Das deckt sich mit der fachlichen Einschätzung, dass regelmäßig wiederholte und längerfristige Maßnahmen nötig sind, um die Bestände nachhaltig zu schwächen. Die Wuchskraft und die Regenerationsfähigkeit über Rhizom- und Pflanzenteile erschwerten eine nachhaltige Bekämpfung deutlich.
Für das laufende Jahr gibt es dennoch einen Rückschlag: Eine Fortführung der Bekämpfung im Jahr 2026 kann derzeit nicht erfolgen. „Grund hierfür sind die aktuell geringen personellen Ressourcen“, so Schlink.
Experten außerhalb der Verwaltung bestätigen, wie zäh das Ringen ist. Der Nabu weist darauf hin, dass bei etablierten Beständen eine Mahd alle drei bis vier Wochen, mindestens sechs Mal im Jahr, nötig wäre, um die Ausbreitung einzudämmen – ein Aufwand, den sich viele Kommunen nicht leisten können. Ausgraben gilt als kaum Erfolg versprechend, ein Bodenaustausch müsste mindestens einen Meter tief reichen, bei alten Beständen bis zu zwei Meter. Genau hier setzt die Hoffnung auf die Elektrotechnik an: Sie dringt in die Pflanze ein, statt den Boden abzutragen.
Für die CDU ist der Knöterich kein Einzelfall. Zuletzt hatte die Fraktion bereits vor der wachsenden Waschbären-Population im Bezirk gewarnt – ebenfalls eine invasive Art. „Wir sehen, was passiert, wenn sich invasive Arten in der Natur breit machen. Deshalb müssen wir frühzeitig wirksame Maßnahmen in Gang setzen, bevor das Problem außer Kontrolle gerät“, fordert Stamm.
Ob aus dem Antrag mehr wird als ein Prüfauftrag, entscheidet sich in der Bezirksversammlung. Fest steht: Der grüne Vorhang an der Flottbek wird nicht von allein wieder aufgehen.



















