Mit dem nun beschlossenen Hamburger Wärmeplan macht die Stadt einen zentralen Schritt hin zur Klimaneutralität, die bis 2040 erreicht sein soll. Der Plan dient künftig als zentrale Arbeitsgrundlage für Energienetzbetreiber und bietet Immobilienbesitzern, der Industrie sowie dem Gewerbe eine erste Orientierung, auch wenn er rechtlich unverbindlich bleibt. Auf einer interaktiven Karte im Internet kann ab sofort jeder Hausbesitzer nachschauen, welche Art der Energieversorgung für das konkrete Wohngebiet empfohlen wird.

Die Karten verdeutlichen: Während große Teile der städtischen Innenstadt bereits komfortabel mit Fernwärme versorgt werden, sieht der Plan für die westlichen Außenbezirke in der Regel eine dezentrale Wärmeversorgung vor. Für Hauseigentümer in Gebieten wie Rissen, Blankenese oder Iserbrook bedeutet das vor allem den Umstieg auf gebäudeindividuelle Lösungen wie etwa die Wärmepumpe, bei der die benötigte Energie direkt vor Ort auf dem eigenen Grundstück erzeugt wird. Dabei läuft die Fernwärmeleitung von Wedel aus direkt durch die Elbvororte.

Dennoch lohnt sich der genaue Blick in die Pläne, denn stellenweise ergeben sich lukrative Ausnahmen. In Rissen Zentrum gibt es beispielsweise ein bestehendes Netz des städtischen Wärmebetreibers, das ab 2035 weiter ausgebaut werden soll. In anderen Teilen des Westens sieht die Karte Optionen vor, wenn sich Nachbarschaften und Akteure zusammentun: Für die Saga-Siedlung am Suurheid, die Sportanlagen am Marschweg, aber auch am Botterbarg in Iserbrook, im Vogt-Groth-Weg in Osdorf sowie in der Blankeneser Bahnhofstraße werden Ausbaumöglichkeiten für Wärmenetze in Eigeninitiative ausgewiesen.

Politisch wird die Veröffentlichung als großer Wurf gefeiert. Umweltsenatorin Katharina Fegebank unterstrich die Wichtigkeit der Planungssicherheit: „Für eine erfolgreiche Wärmewende braucht es vor allem eins: Vertrauen. Die Menschen müssen wissen, woran sie sind: Kommt die Fernwärme oder setze ich auf die Wärmepumpe?“ Der Senat wolle Orientierung schaffen und die Hamburger bei dieser Mammutaufgabe nicht allein lassen. Stadtentwicklungssenatorin Karen Pein ergänzte die wirtschaftliche Komponente: „Nun verfügen Eigentümer, die Wohnungswirtschaft sowie Unternehmen über eine wichtige Orientierung für künftige Investitionen.“

Auch wenn die Karte eine Fernwärmeleitung anzeigt, bleibt der Anschluss letztlich jedem Hamburger Haushalt freigestellt. Angesichts der zuletzt spürbar gestiegenen Kosten für Fernwärme bleibt es ohnehin eine kritische Rechenaufgabe, ob sich der Einstieg in das große Netz am Ende rentiert oder die eigene Wärmepumpe langfristig den Geldbeutel schont. Experten der Verbraucherzentrale Hamburg raten deshalb, sich vor jeder Investitionsentscheidung ausgiebig und vor allem unabhängig zu informieren, um die für das eigene Haus beste Lösung zu finden.