Elektromobilität wächst – doch die Ladepunkte bleiben knapp

Hamburg gehört zu den deutschen Großstädten, in denen Elektromobilität zwar stetig wächst, aber noch weit von einer flächendeckenden Verbreitung entfernt ist. Anfang 2026 waren rund 43.211 reine Elektroautos zugelassen, was einem Anteil von 5,39 Prozent am gesamten Pkw-Bestand entspricht. Damit liegt die Hansestadt deutlich unter Regionen wie Berlin, Schleswig-Holstein oder Baden-Württemberg, wo die Quote teilweise bereits bei rund 16 Prozent liegt.

Parallel wächst auch die Infrastruktur: Aktuell stehen in Hamburg rund 4.842 öffentliche Ladepunkte zur Verfügung, davon rund 17 Prozent Schnellladepunkte mit Leistungen von über 22 Kilowatt. Die Stadt verfolgt das Ziel, diese Zahl bis zum Jahr 2030 auf etwa 10.000 zu erhöhen.

Doch der Ausbau bleibt ein Wettlauf gegen die steigende Zahl der Fahrzeuge. Während Baden-Württemberg bereits rund 26.500 öffentliche Ladepunkte zählt und selbst Schleswig-Holstein auf etwa 6.800 kommt, steht Hamburg mit seinem begrenzten Stadtraum vor besonderen Herausforderungen.

 

Laternen und Bordsteine als neue Stromquellen

Vor allem in innerstädtischen Quartieren ohne private Stellplätze wird das Laden zum Problem. In Stadtteilen wie Ottensen, Altona-Nord oder der Sternschanze parken viele Autofahrer am Straßenrand – eigene Garagen oder Wallboxen sind rar.

Die Politik sucht deshalb nach neuen Lösungen. Neben klassischen Ladesäulen stehen inzwischen zwei innovative Konzepte im Fokus: Ladebordsteine und Laternenladepunkte.

Der sogenannte Ladebordstein wird bündig in die Bordsteinkante integriert. Die Technik ist im Stadtbild kaum sichtbar und verhindert Hindernisse auf Gehwegen. Ein solcher Ladepunkt liefert meist bis zu 22 Kilowatt Leistung und ist gegen Überflutung oder Frost geschützt. Entwickelt wurde die Technologie unter anderem vom Rüstungskonzern Rheinmetall, der sie nach Pilotversuchen inzwischen als Serienprodukt anbietet.

Noch experimenteller ist das sogenannte Laternenladen. Dabei wird die Stromversorgung vorhandener Straßenlaternen genutzt, um Elektroautos direkt am Straßenrand zu laden. Die Idee ist einfach: Statt neue Infrastruktur zu bauen, wird vorhandene Technik erweitert. Da Straßenlaternen ohnehin dauerhaft mit Strom versorgt sind, könnten theoretisch tausende Ladepunkte entstehen.

Schätzungen von Stromnetz Hamburg zufolge könnten langfristig bis zu 25.000 solcher Ladepunkte entstehen – vorausgesetzt, Netzkapazität und Standortbedingungen stimmen.

 

Pilotprojekt im Bezirk Altona gefordert

Vor allem im Bezirk Altona soll diese Technik nun getestet werden. Die Bezirksversammlung hat beschlossen, ein Pilotprojekt für das Bordsteinladen zu prüfen. Eine neue Idee der beiden Parteien Volt und Linke ist es, auch die Laternenladepunkte in einem Pilot zu testen. Das wurde gerade im Mobilitätsausschuss der Bezirksversammlung diskutiert. So soll unter anderem geprüft werden, wie zuverlässig das Laden über Straßenlaternen sein würde, wie sich die Ladeparkplätze kennzeichnen lassen und welche Betreiber und Abrechnungssysteme sich eigenen. Die Pilotphase könnte zwischen zwölf und 24 Monaten dauern. Danach soll der Mobilitätsausschuss über die Ergebnisse informiert werden.

Neben Bordstein- und Laternenladesystemen werden weltweit weitere Lösungen getestet, um den begrenzten Stadtraum effizient zu nutzen.

Dazu gehören induktives Laden über Magnetspulen im Asphalt, versenkbare „Pop-up“-Ladesäulen oder schwenkbare Ladearme, die von Hauswänden zum Auto reichen. Auch mobile Laderoboter, die autonom zum Fahrzeug fahren, werden erprobt.

Doch bislang hat sich noch kein System flächendeckend durchgesetzt. Auch der Start der geforderten Pilotprojekte steht noch in den Sternen. Viele Technologien sind zudem zu teuer, wartungsintensiv oder technisch noch nicht ausgereift.

 

Die eigentliche Herausforderung: der Alltag der Laternenparker

Für viele Autofahrer entscheidet sich die Zukunft der Elektromobilität nicht auf Messen oder in Pilotprojekten, sondern im Alltag. Wer keinen Stellplatz besitzt und sein Auto nachts am Straßenrand abstellt, braucht eine einfache, zuverlässige Möglichkeit zum Laden.

Genau hier könnten Laternenladepunkte oder Ladebordsteine ihre Stärke ausspielen. Sie nutzen bestehende Infrastruktur und benötigen kaum zusätzlichen Platz – ein entscheidender Vorteil in dicht bebauten Quartieren.

Ob diese Lösungen tatsächlich zum neuen Standard werden, dürfte sich in den kommenden Jahren zeigen. Klar ist schon jetzt: Der Erfolg der Elektromobilität hängt nicht nur von neuen Autos ab, sondern vor allem davon, ob der Strom auch dort verfügbar ist, wo die Fahrzeuge stehen.