Die Fraktionen von SPD, GRÜNE und CDU bringen für die heutige Sitzung des Hauptausschusses einen gemeinsamen Antrag ein, mit dem ein bezirksübergreifender „Nachtbeauftragter St. Pauli & Altona“ als sechsmonatiger Modellversuch auf den Weg gebracht werden soll. Der neue Ansatz soll die Erfahrungen aus dem erfolgreichen Projekt in Hamburg-Mitte aufgreifen und erstmals die Ausgeh-Hotspots von Schanze, Ottensen, Kiez und Karoviertel zusammen denken. Ziel ist ein besseres Miteinander von Anwohnenden, Gewerbe, Nachtschwärmenden und Behörden.
Das Modellprojekt knüpft an die Strukturen und Erfolge des bisherigen Nachtbeauftragten in St. Pauli an, der dort durch Vermittlung, Kommunikation und präventive Präsenz spürbare Verbesserungen bei Lärm, Müll und Nutzungskonflikten erzielt hat. Die nun geplante Weiterentwicklung richtet den Fokus auf die zusammenhängenden Ausgehquartiere beider Bezirke, in denen sich Konfliktlagen und Belastungsschwerpunkte überschneiden. Regelmäßige Nachtbegehungen, direkte Ansprechbarkeit vor Ort sowie die enge Zusammenarbeit mit Polizei, Gewerbetreibenden, Stadtreinigung und Stadtteilgremien bleiben zentrale Elemente des Projekts.
Dazu Dr. Anna Vogel, Co-Vorsitzende der SPD-Fraktion Altona: „Ein lebendiges Nachtleben gehört zu Altona und zugleich haben Menschen ein Recht auf Ruhe und Lebensqualität. Mit dem gemeinsamen, bezirksübergreifenden Nachtbeauftragten gehen wir bewusst einen neuen Schritt der Zusammenarbeit und schaffen eine verlässliche, ansprechbare und wirksame Schnittstelle zwischen allen Beteiligten. Gerade dieser Schulterschluss zwischen Altona und Mitte zeigt, wie Konflikte frühzeitig gelöst werden können, statt zu eskalieren. Der Modellversuch soll dabei Maßstäbe für eine moderne, handlungsfähige und gemeinsam gestaltete Nachtkulturpolitik setzen, die Urbanität und Lebensqualität miteinander verbindet und das Potenzial hat, als Vorbild weit über unsere Bezirke hinaus zu wirken.“ – „Gute Nachtkulturpolitik heißt für uns Sicherheit, Respekt und Lebensqualität für alle, die hier wohnen und feiern“, ergänzt Patrick Müller-Constantin. Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Fraktion Altona meint: „Der Nachtbeauftragte schafft genau dafür eine verlässliche Anlaufstelle – für Anwohnende, die sich ernst genommen fühlen müssen, und für Gewerbetreibende, die klare Ansprechpartner brauchen. Unser Ziel ist ein gerechter Ausgleich der Interessen, damit unser Viertel lebendig bleibt, ohne dass die Belastungen einseitig getragen werden. Mit dem Modellprojekt setzen wir ein Stück sozialdemokratische Stadtpolitik praktisch um: zuhören, vermitteln, Lösungen schaffen.“
Für den Grünen-Bezirkspolitiker Fabian Klick, Mitglied im Wirtschaftsausschuss, ist wichtig, Planungssicherheit für die Gewerbetreibenden und gleichzeitig Lärmschutz für die Abwohnenden zu schaffen. Das Projekt könnte bei einem positiven Votum heute Abend schon im Januar 2026 starten. Die Position des Nachtbeauftragten hatte sich seit ihrer Einführung im Jahr 2023 im Bezirk Mitte schnell als unverzichtbar etabliert. Durch eine enge Zusammenarbeit mit Gastronominnen und Gastronomen sowie kontinuierlichen Austausch mit der Nachbarschaft konnten bereits spürbare Erfolge erzielt werden. Das soll jetzt auch im Bereich des Bezirks Altona gelten.
„Es ist ein starkes Zeichen, dass wir in Altona über Fraktionsgrenzen und mit dem Bezirk Mitte zusammenarbeiten, um für die zentralen Ausgehviertel eine verbindliche und kompetente Anlaufstelle zu schaffen.“ meint Emelie Böversen, Sprecherin für Verbraucherschutz der CDU-Bezirksfraktion. „Wir erwarten uns von diesem Modellversuch konkrete und schnelle Entlastungen bei Lärm- und Müllproblemen sowie eine spürbare Unterstützung für unsere Gastronomen und Kulturschaffenden, die sich an die Spielregeln halten und unsere Wirtschaft stützen. Dieses Projekt ist gelebte Verantwortung für unsere Stadtteile und wird allen beteiligten zugutekommen.“
Für die Finanzierung verständigen sich die Bezirksämter auf eine klare Kostenaufteilung: Altona übernimmt aufgrund höherer Belastungen zwei Drittel der Projektkosten, Hamburg-Mitte ein Drittel. Die Altonaer Fraktionen stellen dafür 40.000 Euro aus dem Quartiersfonds I bereit. Der Modellversuch soll zugleich Grundlage für eine mögliche Verstetigung einer professionellen, abgestimmten Nachtkulturpolitik in beiden Bezirken und darüber hinaus dienen.
