Herr Hausendorf, wie kamen Sie zum HAUS RISSEN?


Schon während meiner Zeit als Offizier lernte ich das Haus kennen. Nach meiner Tätigkeit im Vorstand der BAUER MEDIA GROUP wollte ich etwas für die Demokratie tun und zurückgeben. 2019 hat es noch nicht geklappt, aber seit Juni bin ich hier und bringe meine Erfahrung ein.

Hatten Sie eine Vorstellung, was Sie bewegen wollen?


Ich wollte nicht alles umkrempeln, sondern verstehen, wie Organisation und Finanzierung funktionieren. Meine Aufgabe sehe ich darin, Fähigkeiten aus Wirtschaft, Politik und Bundeswehr einzubringen und für eine kleine, agile Organisation nutzbar zu machen.

Welche Rolle spielt HAUS RISSEN für politische Bildung und die Bundeswehr?


Seit 1954 schult das Haus junge Menschen und Soldatinnen und Soldaten in demokratischen Grundhaltungen: diskutieren, debattieren, Perspektiven verstehen, eine eigene Meinung entwickeln. Das Ziel ist bis heute unverändert.

Was bedeutet das konkret?


Wir arbeiten thematisch breit – Sicherheitspolitik, Geopolitik, Jugendbildung. Wichtig ist, dass die Teilnehmenden aktiv werden und erfahren, wie komplex politische Entscheidungen sind. Planspiele zeigen, wie sich Lagebilder ändern, Informationen fehlen und Entscheidungen unter Unsicherheit getroffen werden müssen.

Was bieten Sie konkret an?


Von „Erstes Date mit der Demokratie“ über die UN-Simulation „SVeN“ bis zu „Erstwahlprofis“. Schülerinnen und Schüler übernehmen Rollen, verhandeln, debattieren und erleben Politik unmittelbar. Wir passen Inhalte flexibel an Interessen und Dynamik der Gruppe an.

Können Sie Beispiele nennen?

In einem Planspiel für die Bundeswehr arbeiteten 30 Teilnehmende mit ständig wechselnden Informationen. Sie mussten reagieren, kommunizieren, Strategien entwickeln. Viele merken erst dann, wie anspruchsvoll Politik und Medienkompetenz sind und wie wichtig kritisches Hinterfragen wird.

Wie viele Menschen nehmen jährlich teil?


Rund 3.000 bis 5.000 – über Jahrzehnte hinweg Hunderttausende.

Ist der Einfluss messbar?

Nicht exakt. Aber wir sehen, wie Jugendliche nach Seminaren differenzierter denken, Medien kritischer einordnen und eigene Positionen reflektieren.

Wie finanziert sich HAUS RISSEN?

Ausschließlich über eigene Einnahmen, Projektmittel, Stiftungen, Spenden und Unterstützer aus der Wirtschaft. Die Coronazeit war existenziell. Mein Wunsch: eine stabile staatliche Grundförderung und eine breitere Unterstützerbasis für langfristige Planung.

Welche Aufgaben übernehmen Sie konkret?

Gemeinsam mit Dirk Schmittchen leite ich das Haus. Ich verantworte Strategie, Finanzen, Sponsorenakquise, Kommunikation, Marketing und den Jugendbildungsbereich.

Wie ist das Team aufgebaut?


Rund 30 Mitarbeitende – etwa zur Hälfte im Service, zur Hälfte in der Bildung. Dazu Finanzen/Personal, Marketing/Kommunikation, GL-Assistenz und ich. Wir legen Wert auf politische und fachliche Vielfalt innerhalb des verfassungsrechtlichen Rahmens.

Wie reagieren Sie auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen?

Sehr flexibel: Themen wie der Nahost-Konflikt oder Medienkompetenz greifen wir unmittelbar auf. Wir beobachten Trends und passen Seminare kontinuierlich an.

Sehen Sie Unterschiede zur Schule?

Ja. Schulen sind weniger flexibel, Lehrpläne sind verbindlich. Wir bieten Raum für aktuelle Themen und vermitteln keine Meinungen, sondern demokratische Prozesse, Perspektivwechsel und das Aushalten anderer Standpunkte.

Sind Sie selbst in Seminaren aktiv?

Ich bin kein fester Teil des Bildungsteams, springe aber ein. Politik begleitet mich seit der Jugend. Mir geht es darum, junge Menschen zu „Komplizen der Demokratie“ zu machen – aktiv, kritisch, engagiert.

Welche Ziele haben Sie für die kommenden Monate?

Finanzielle Stabilität, Grundförderung und eine breitere Unterstützerbasis. Hamburg bietet gute Voraussetzungen, aber es braucht viel Überzeugungsarbeit.

Welche Risiken sehen Sie?


Finanzielle Unsicherheit. Sie erschwert langfristige Planung und gefährdet Qualität.

Zum Abschluss: Was motiviert Sie persönlich?

Junge Menschen politisch zu stärken – ihr Denken, ihre Urteilskraft, ihre Fähigkeit, Positionen einzunehmen. Wir wollen keine „Ja-Sager“, sondern Persönlichkeiten, die respektieren, reflektieren und ihre Meinung selbstbewusst vertreten.

Herr Hausendorf, vielen Dank für das Gespräch.