Wie hat sich die Diskussionskultur verändert?
Die größte Veränderung ist, dass die Debatten im Parlament unsachlicher geworden sind. Als ich anfing, wurde zwar auch hart in der Sache gestritten, aber mit einem gemeinsamen Verständnis dafür, dass man politischer Gegner und nicht Feind ist. Heute erleben wir häufiger bewusste Provokationen, Inszenierungen und Grenzüberschreitungen, vor allem durch Extremisten von links und rechts, die Debatten nicht führen, sondern eskalieren wollen. Diese Systematik verändert den Ton im ganzen Haus. Natürlich spielen öffentliche Empörungswellen dabei eine Rolle. Aber entscheidend ist: Das Parlament muss ein Ort bleiben, an dem Argumente zählen und nicht Lautstärke.
Können Sie sich ein Leben ohne Politik vorstellen?
Politik ist kein Beruf, den man einfach ablegt. Wer einmal Verantwortung getragen hat, sieht die Welt anders. Politische Debatten, Entscheidungen, Konflikte gehören zu meinem Denken. Auch außerhalb eines Parlaments würde ich mich einmischen, wo es nötig ist.
Welches Thema sehen Sie heute anders als zu Beginn?
Ich bin über eine Volksinitiative zur Bildungspolitik erst relativ spät in die Politik quereingestiegen. Ich dachte damals, dieses direkte Engagement lasse sich einfach in den politischen Alltag übertragen. Heute weiß ich: Politik braucht beides, den Druck und die Ideen von außen und die Verantwortung und die Kompromisse im Parlament. Nur wenn beides zusammenkommt, entstehen tragfähige Entscheidungen.
Was motiviert Sie noch heute?
Die Verantwortung. Politik bedeutet für mich, pragmatische, reale Entscheidungen zu treffen. Und vor allem nichts zu versprechen, was man nicht halten kann. Kritik gehört dazu. Sie ist manchmal unfair, manchmal berechtigt. Wichtig ist, sie nicht persönlich zu nehmen, sondern als Teil des Geschäfts. Für mich ist Politik zu machen ein Privileg.
Sind Sie jetzt in der richtigen Partei?
Ja. Denn meine politischen Überzeugungen sind hier sehr gut aufgehoben. Die CDU steht für Verantwortung, Stabilität und eine starke bürgerliche Mitte. Das passt zu mir, meiner Haltung und zu dem, wofür ich politisch einstehe.
Welcher Kompromiss war besonders schwer?
Besonders schwer fallen mir Kompromisse immer dann, wenn es um Einsparungen in Bildung oder Wissenschaft geht. In diesen Bereichen setze ich mich stets dafür ein, dass sie geschützt werden, weil hier über die Zukunftschancen ganzer Generationen entschieden wird.
Gab es Momente, die Sie an den Rand der Fassung gebracht haben?
Das passiert nicht so schnell bei mir. Aber was mich persönlich wirklich stört ist, wenn demokratische Spielregeln bewusst verletzt werden oder Debatten in Verächtlichmachung kippen. Respektlosigkeit vergiftet Politik.
Wie hat sich Lobbyismus verändert?
Er ist professioneller, digitaler und oft subtiler geworden. Mein Maßstab ist einfach: Ich höre mir die jeweiligen Interessen an, aber meine Entscheidungen treffe ich nach meinem persönlichen Gewissen.
Das schwierigste Krisenjahr?
Die Corona-Zeit. Sie hat gezeigt, wie verletzlich Gesellschaft und auch unsere demokratischen Grundfesten sein können. Und wie wichtig ehrliche Kommunikation ist. Das Vertrauen ist in Krisenzeiten wichtiger als jede Verordnung. Alles andere ist Wasser auf die Mühlen der politischen Ränder.
Rat an Ihr jüngeres Ich?
Das politische Geschäft hat seine eigenen Spielregeln, die kann man schwer verändern. Auf den Umgang damit kommt es an. Nimm es nicht persönlich, sondern sportlich. Und: Hab mehr Geduld.
Ihr politisches Vermächtnis?
Wenn man sagt: Sie hat für ihre politischen Überzeugungen auch bei Gegenwind eingestanden und war streitbar, aber fair im Umgang, wäre ich zufrieden.
Was muss sich ändern, damit mehr junge Menschen Politik machen?
Politik muss verständlicher und ehrlicher werden. Weniger Taktik, mehr Substanz. Junge Menschen wollen was bewirken, keine Ritualdebatten. Das Ganze moderner und smarter als jetzt.
Wo trifft man Sie, wenn Sie nicht politisch unterwegs sind?
Meistens mit einem Buch oder auf dem Fahrrad und sehr gerne entweder am Blankeneser Strand oder auch mal auf Fernreisen. Oder im Gespräch mit Menschen, die nicht meiner Meinung sind. Das hält wach.




















