Die Herkunft von Kunst- und Kulturgütern ist längst mehr als ein wissenschaftliches Randthema. Unter dem Begriff Provenienzforschung untersuchen Museen systematisch, woher ihre Bestände stammen – und ob sich darunter Objekte befinden, die während der Zeit des Nationalsozialismus unrechtmäßig entzogen wurden. Genau diesem sensiblen und gesellschaftlich relevanten Thema widmet sich eine Podiumsdiskussion am 17. Mai 2026 im Altonaer Museum.

Im Rahmen des Internationalen Museumstags und des Tages der Provenienzforschung kommen dort Experten aus sieben Hamburger Institutionen zusammen. Ihr Ziel: Einblicke in ihre Arbeit zu geben und die Herausforderungen offenzulegen, die mit der Aufarbeitung von NS-Raubgut verbunden sind. Denn die Forschung ist oft komplex, zeitintensiv und geprägt von lückenhaften Quellen.

Ein zentrales Thema der Diskussion ist die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Museen, Bibliotheken und Forschungseinrichtungen. Gerade bei der Rekonstruktion von Besitzverhältnissen sei der institutionenübergreifende Austausch entscheidend, betonen die beteiligten Wissenschaftler. Anhand konkreter Fallbeispiele wird deutlich, wie eng die Hamburger Häuser bereits vernetzt sind.

So steht unter anderem die Kunstsammlung der jüdischen Mäzenin Emma Budge im Fokus. Teile ihrer Sammlung wurden während der NS-Zeit zerstreut und befinden sich heute in unterschiedlichen Museen, darunter das Museum am Rothenbaum – Kulturen und Künste der Welt und das Museum für Kunst & Gewerbe. Die Rekonstruktion dieser Wege ist ein Beispiel für die detektivische Arbeit der Provenienzforschung.

Ein weiteres Fallbeispiel betrifft die Hamburger Kaufmannsfamilie Rappolt, deren Besitz nach Flucht und Deportation in verschiedene Institutionen gelangte, darunter das Museum für Hamburgische Geschichte und die Hamburger Kunsthalle. Auch hier geht es darum, die historischen Zusammenhänge aufzuarbeiten und mögliche Rückgaben zu prüfen.

Darüber hinaus rückt ein bislang weniger beachteter Aspekt in den Fokus: die Rolle von Auktionen während der NS-Zeit. Beschlagnahmte Gegenstände wurden häufig über Gerichtsvollzieher oder private Auktionshäuser veräußert. Das Forschungsprojekt „LostLift“ des Deutsches Schifffahrtsmuseum untersucht aktuell diese sogenannten „Umzugsgut“-Auktionen, bei denen Eigentum jüdischer Flüchtender verkauft wurde.

Die Podiumsdiskussion macht deutlich, dass Provenienzforschung nicht nur historische Aufarbeitung ist, sondern auch eine moralische Verpflichtung. Es geht um Transparenz, Verantwortung und nicht zuletzt um Gerechtigkeit gegenüber den Nachfahren der enteigneten Familien.

Mit der Veranstaltung öffnet das Altonaer Museum bewusst den Diskurs für die Öffentlichkeit. Denn die Frage nach der Herkunft von Kulturgütern betrifft nicht nur Experten – sondern die gesamte Gesellschaft.

 


Provenienzforschung in Hamburg
Podiumsdiskussion am Sonntag, dem 17. Mai 2026 um 11 Uhr
im Altonaer Museum - Eintritt frei