Haben Sie Erfahrungen mit Apps wie ChatGPT?
Als Journalist und Redakteur habe ich bereits diverse KI-Tools ausprobiert. Die Medienbranche lebt seit jeher von neuer Technik und der Vereinfachung von Arbeitsschritten. Heute erstellt ein Redakteur – ob für eine Zeitung oder ein Online-Portal – einen Artikel von Anfang bis Ende selbst: Text, Bildauswahl und -zuschnitt, Lektorat und Publikation inklusive. Früher waren das eigene Gewerke. Es gehört also zum Handwerk, zumindest zu wissen, was diese Programme können – und, noch wichtiger, was sie nicht können.
Persönlicher und weniger klug, als viele glauben.
ChatGPT lernt schnell. Nach wenigen Versuchen sind wir beim „Du“, die Maschine ist freundlich, stellt Nachfragen, lobt und kritisiert sehr konstruktiv. Und sie kann Bezüge zu früheren Fragen herstellen. Das beeindruckt mich immer wieder. Aber: Alles muss ich gegenchecken, denn die KI ist vieles – nur weder wirklich intelligent noch allwissend. Ein Beispiel: Als gebürtiger Düsseldorfer frage ich, wie oft die Fortuna Deutscher Meister war. „Fortuna Düsseldorf war zweimal Deutscher Meister“, antwortet die Maschine. Eine erstaunliche Antwort, denn das lässt sich leicht recherchieren. Schon vor zwei Jahren spuckte die KI mir eine andere falsche Antwort aus – immerhin mit anderer Begründung.
Wie sieht die KI die Elbvororte?
„Die Elbvororte in Hamburg sind eine Sammelbezeichnung für die wohlhabenden und landschaftlich sehr attraktiven Stadtteile entlang der Elbe im Westen Hamburgs. Sie zählen zu den begehrtesten Wohnlagen der Stadt“, erklärt ChatGPT. Und weiter: „Die Elbvororte gelten traditionell als ‚feine‘ Hamburger Wohngegend mit hoher Lebensqualität und viel Natur – ähnlich wie ein ‚Vorstadt-Idyll‘ innerhalb der Großstadt.“ Diese Einschätzung würden wir sicher alle unterschreiben, allerdings würden wir wohl eine emotionale Note einbauen. Das macht die KI (zum Glück) nicht.
Hat die KI Geheimwissen über die Elbvororte?
„Ja 😊“, schreibt sie. Ich bin gespannt und lese weiter: „In den Elbvororten gibt es neben den bekannten Spots (Blankeneser Treppenviertel, Jenischpark, Elbstrand) auch echte ‚Hidden Gems‘, die selbst viele Hamburger nicht kennen.“ Eine sehr vielversprechende Antwort. Doch außer den üblichen Orten wie Hirschpark, dem Wittenbergener Elbstrand und dem Mega-Tipp, man könne Fähre, Spaziergang und Park bei einem Ausflug kombinieren, komme ich zu der Erkenntnis: ChatGPT hat kein Geheimwissen über die Elbvororte angesammelt. Zum Glück.
Welches Bild hat die KI von den Elbvororten?
Mittlerweile können KI-Systeme auch Bilder produzieren – vor allem in Marketing und Werbung wird das genutzt, weil es viel Geld spart. Also frage ich nach Bildern von den Elbvororten, dem Marktplatz in Blankenese und von Teufelsbrück. Und tatsächlich: Nach wenigen Momenten kann ich Bilder herunterladen, alle im ähnlichen Stil gestaltet. Schauen Sie selbst – was sagen Sie? Ich sehe in diesen Ansichten einen kindlich-naiven Blick auf die Elbvororte. So hat es hier wohl nie ausgesehen – aber ich bin kein Historiker. Spannend ist, dass die KI, zumindest nicht ohne Aufwand, keinen konkreten Zustand einfach abbilden kann. Vielleicht ist diese „Intelligenz“ für solche einfachen Dinge dann doch zu kompliziert.
Welche KI-Vorurteile stimmen denn nun?
Ich frage die KI. „Gute Frage 🙂 – einige dieser Vorurteile haben einen wahren Kern, andere sind wirklich nur Mythen“, sagt die Maschine und klingt dabei ganz offen und selbstkritisch. „Die meisten Vorurteile entstehen, weil KI entweder mit Magie (zu viel können) oder mit Bedrohung (zu gefährlich) verwechselt wird. In Wahrheit ist KI ein sehr leistungsfähiges Werkzeug mit Chancen und Risiken – wie jede neue Technologie.“ Dem würde ich kaum etwas hinzufügen. Höchstens noch: Die Fortuna aus Düsseldorf war tatsächlich zweimal Deutscher Fußballmeister – und solange die KI diese Info nicht zuverlässig parat hat, sehe ich sie bestimmt nicht als Bedrohung.


