Sülldorf (7. August 2026, ANZEIGE) · „Der stetige Wandel ist keine Option, sondern eine Notwendigkeit“ sagt Mi­chael Wulf, Vorstands­sprecher beim Bauverein der Elbgemeinden (BVE). Als einer der größten Baugenossenschaft Deutsch­lands gehört der BVE zu den Vorreitern in der Branche. Ne­ben technologischen und digitalen Herausforderungen will der Vorstand den persönlichen Austausch untereinander und mit den Mitgliedern stärken. Ein Gespräch mit Maximilian Kuhnert, Führungskraft Digi­talisierung beim Bauverein der Elbgemeinden (BVE), über Künstliche Intelligenz, Verän­de­rung und warum am Ende immer der Mensch gewinnt. Herr Kuhnert, vielen Dank, dass Sie sich Zeit nehmen. Künstliche Intelligenz entwickelt sich rasant und hält auch in der Wohnungs­wirt­schaft immer stärker Einzug. Gleichzeitig haben Sie einmal gesagt: „Trotzdem geht’s um den Menschen.“ Genau darüber möchten wir mit Ihnen sprechen. Herr Kuhnert, wenn sich technisch gerade so viel verändert: Was ist Ihnen dabei am wichtigsten?
Ganz klar: Technik ist kein Selbstzweck. Sie soll Menschen unterstützen, nicht überrollen. Unser Ziel ist, dass Technik stupide, wiederkehrende Aufga­ben übernimmt – und wir dadurch als Menschen mehr Freiraum bekommen: fürs Wesentliche, fürs Mitdenken, fürs bessere Entscheiden und fürs Kreativsein.

„Freiraum“ klingt gut – aber wofür genau soll er genutzt werden?
Für uns geht es nicht darum, Kennzahlen um jeden Preis zu steigern oder möglichst viel zusätzlichen Output zu erzeugen. Als Genossenschaft verfolgen wir einen anderen Ansatz – und das ist etwas sehr Wert­volles.
Was wir gewinnen wollen, ist Qualität. Die Menschen bringen Qualität – und KI kann uns helfen, die Vielzahl an Anfragen, Routinen und Standardfällen so abzufedern, dass unsere Mit­arbeitenden wieder Zeit für Themen haben, die ihre volle Aufmerksamkeit verdienen.

Man könnte also sagen: Menschen für die Tiefe, Technik für die Breite.
Genau. Viele kennen das Ge­fühl: Man weiß, wie man etwas richtig gut machen würde – aber der Tag ist voll, das Telefon klingelt und das Postfach füllt sich. Am Ende bleiben Dinge liegen oder werden schneller erledigt, als sie es eigentlich verdient hätten. Wenn Technik hier unterstützt, entlastet sie nicht nur – sie schützt auch die Qualität.

Jetzt einmal ganz klassisch gefragt: Was sagen Sie Men­schen, die bei Automatisie­rung sofort denken: „Dann werde ich ersetzt“?
Ich verstehe diese Sorge. Die technischen Möglichkeiten sind in sehr kurzer Zeit sichtbarer geworden – nicht, weil KI neu erfunden wurde, sondern weil sie plötzlich im Alltag an­kommt. Und ja: Das wirft Fragen auf, die heute niemand vollständig beantworten kann.

Und trotzdem müssen Sie ja eine klare Haltung dazu ha­ben.
Absolut. Ich bin mir sehr sicher: Fast jeder Büroar­beits­platz wird sich in den kommenden Jahren deutlich verändern. Viele Tätigkeiten werden nicht mehr so aussehen wie heute, weil sich die technischen Möglichkeiten rasant weiterentwickeln.
Aber Veränderung bedeutet nicht automatisch weniger Mensch. Unser Anspruch ist es, unseren Mitgliedern den bestmöglichen Service zu bieten. Das gelingt, wenn wir einfache Routinen reduzieren und da­durch mehr Zeit für das haben, was wirklich zählt: zuhören, ein­ordnen, Lösungen finden und Verantwortung übernehmen.

Das klingt, als würden Sie ganz bewusst für eine Ge­nossenschaft arbeiten.
Ja, und das meine ich nicht als Floskel. Ich mag den Gedanken „von Menschen für Menschen“. Ich erlebe beim BVE, dass dieser Anspruch tatsächlich gelebt wird. Das ist einer der Gründe, warum ich hier sehr gerne arbeite. Wir sind und bleiben eine Genossenschaft von Men­schen für Menschen.

Wenn schriftliche Kommuni­kation künftig stärker unterstützt oder sogar übernommen wird: Welche Fähigkeiten werden dann wichtiger?
Vor allem die Fähigkeiten, die sich nicht automatisieren lassen. Vieles in der schriftlichen Kommunikation wird künftig technisch unterstützt werden. Umso wichtiger wird der direkte Austausch zwischen Men­schen. Dann zählt: Wie gut kann ich zuhören? Wie schaffe ich Vertrauen? Wie gehe ich mit Emotionen um? Der eigentliche Mehrwert entsteht künftig noch stärker im persönlichen Gespräch.

Also weniger „Texte perfekt formulieren“, mehr „Bezie­hungen gestalten“?
Genau. Und ich glaube, das ist eine Entwicklung, auf die man sich sogar freuen kann.

Sie sprechen häufig über die Geschwindigkeit des Wandels. Viele empfinden das als Druck. Was meinen Sie damit?
Die Veränderungsge­schwindig­keit ist derzeit enorm hoch – so schnell hat sich die Arbeitswelt für viele Menschen noch nie verändert. Es wäre falsch, das kleinzureden. Gleichzeitig ha­ben wir nicht die Möglichkeit, diese Entwicklung einfach auszusitzen. Unser Anspruch sollte sein, sie aktiv mitzugestalten, statt irgendwann nur noch hinterherzulaufen.

Das bedeutet auch, dass Veränderungsbereitschaft immer wichtiger wird.
Unbedingt. Wir werden die Bereitschaft brauchen, Arbeit neu zu denken und Prozesse weiterzuentwickeln. Nicht, weil Menschen ersetzt werden sollen, sondern weil sich die Tätigkeiten verändern. Gleich­zeitig verstehe ich gut, dass Veränderungen zunächst Ver­unsicherung auslösen können. Der Mensch ist ein Gewohn­heitstier.


Wie gelingt es dennoch, Menschen auf diesem Weg mitzunehmen?
Indem wir Veränderungen ge­meinsam gestalten. Als Ge­nos­senschaft haben wir die Möglichkeit, Entwicklungen mit Augenmaß umzusetzen und unsere Mitarbeitenden dabei zu begleiten. Es geht darum, eine klare Richtung vorzugeben und gleichzeitig Raum für Unter­stützung und Entwicklung zu schaffen.

Eine Frage, die viele beschäftigt: Wie verändert KI die Arbeitsplatzsicherheit?
Ich bin überzeugt, dass sich Arbeitsplätze verändern werden – teilweise sogar deutlich. Gleichzeitig sehe ich KI vor allem als Unterstützung. Tech­nik kann Prozesse übernehmen, aber Verantwortung, Haltung und Menschlichkeit bleiben beim Menschen. Technik unterstützt – die Verantwortung bleibt beim Menschen. Genau dieser Gedanke ist für mich entscheidend.

Zum Schluss ein Blick in die Zukunft: Wie wird die Arbeit beim BVE in zehn Jahren aussehen?
Ich glaube, wir werden deutlich mehr Zeit für den persönlichen Kontakt mit unseren Mit­glie­dern haben. Viele einfache Prozesse werden automatisiert ablaufen. Und ehrlich gesagt freue ich mich darauf. Ich schätze den direkten Austausch mit Menschen sehr. Wenn Technik uns den Rücken freihält, können wir genau dort mehr Zeit investieren, wo wir als Menschen unsere größte Stärke haben.

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