Zwar scheint die persönliche Beratung weiterhin gefragt: Rund 62 Prozent der Urlauber buchten ihre Sommerreisen 2025 noch im Reisebüro, während 38 Prozent auf Online-Plattformen setzen. Gerade bei komplexeren Reisen bleibt der direkte Ansprechpartner ein entscheidender Vorteil. Gleichzeitig zeigt sich ein klarer Trend zu Frühbuchungen, die häufig im Reisebüro erfolgen.

Nach den massiven Einbrüchen während der Corona-Pandemie verzeichnen viele Büros wieder steigende Buchungszahlen. Dennoch ist die Lage angespannt. In Stadtteilen wie Rissen, Iserbrook, Blankenese und Osdorf mussten mehrere Reisebüros schließen. Der Kostendruck und die wachsende Konkurrenz durch digitale Anbieter hinterlassen Spuren.

Ein wesentlicher Faktor ist die Preisentwicklung: Seit 2019 sind Reisen deutlich teurer geworden. Pauschalreisen, Flüge und Unterkünfte haben sich vielerorts um 20 bis 30 Prozent verteuert. Ursachen sind unter anderem Inflation, steigende Energiepreise und höhere Personalkosten. Auch geopolitische Entwicklungen zuletzt wie der Konflikt im Iran beeinflussen die Preisgestaltung und führen zu veränderten Reisezielen. „Die Destinationen werden sich weiter verschieben“, schätzt Christian Fischer, ehemaliger Reisespezialist und heute Quartiersmanager in Blankenese.

Hinzu kommen Unsicherheiten im Reiseverkehr selbst. Streiks – wie gerade etwa bei der Lufthansa – sorgen regelmäßig für Unruhe. In solchen Situationen können Reisebüros ihre Stärke ausspielen: Sie reagieren schnell, organisieren Alternativen und bieten persönliche Unterstützung, während Kunden bei Online-Buchungen oft auf Hotlines oder automatisierte Systeme angewiesen sind.

Das Geschäftsmodell der Reisebüros bleibt dabei weitgehend unverändert. Sie verdienen ihr Geld über Provisionen der Veranstalter. Für Kunden bedeutet das: Eine persönliche Beratung ist in der Regel nicht teurer als eine Online-Buchung. Dennoch stehen die Anbieter unter Druck, sich zu differenzieren.

Viele Büros setzen daher verstärkt auf Spezialisierung. Individuelle Reiseplanung wird zum zentralen Geschäftsmodell. In den Elbvororten ist dieser Trend besonders ausgeprägt, da hier traditionell weniger Pauschalreisen gebucht werden. Stattdessen wünschen Kunden maßgeschneiderte Angebote.

Ein Beispiel ist das Reisebüro „Welt der Reisen“ in Blankenese, das zunehmend als eigener Veranstalter auftritt. Auch „Go East“ in Othmarschen hat sich spezialisiert – auf Reisen nach Asien und Europa. Geschäftsführerin Christina Grupe berichtet jedoch auch von Einschnitten: Mit Beginn des Ukraine-Kriegs sei Russland als wichtiges Ziel weggefallen. Gleichzeitig gewinne Zentralasien an Bedeutung.

Die Nachfrage nach individueller Beratung wächst besonders in Krisenzeiten. Kunden schätzen die Sicherheit, einen festen Ansprechpartner zu haben – vor allem dann, wenn Flüge ausfallen oder sich Reisepläne kurzfristig ändern. Einsparungen im Service, etwa bei Fluggesellschaften, verstärken diesen Trend zusätzlich.

Auch klassische Anbieter profitieren davon. Anke Peuschel vom Globetrotter Reisebüro in Rissen beobachtet, dass viele Kunden zurückkehren. „Hier gibt es mehr Sicherheit und mehr Erfahrung, gerade auch in Krisen“, sagt sie. Besonders gefragt seien derzeit Kreuzfahrten im Mittelmeer sowie Rundreisen durch Europa.