Der Hamburger Westen gilt nicht als Hotspot für Fahrradleichen. Wer durch die Wohnstraßen in Ottensen, Othmarschen oder Blankenese geht, sieht vor allem genutzte Räder: geschniegelt, angeschlossen, in Bewegung. Die große Entsorgungsaktion der Stadtreinigung Hamburg (SRH), die Anfang Juni gestartet ist, trifft hier auf vergleichsweise wenige Kandidaten für den Abtransport. Und doch zeigt sich an neuralgischen Punkten ein anderes Bild.
Vor allem an Bahnhöfen wie Altona, Bahrenfeld oder Klein Flottbek verdichtet sich das Problem. Zwischen funktionierenden Fahrrädern stehen immer wieder Wracks: verbogene Felgen, fehlende Ketten, verrostete Rahmen. Sie blockieren Bügel, die im Berufsverkehr dringend gebraucht werden. „Die Fahrradbügel sind an einigen Orten heiß begehrt“, sagte Umweltsenatorin Katharina Fegebank zum Auftakt der Aktion. Genau dort setzt die konzertierte Offensive der Stadtreinigung an.
Gemeinsam mit mehreren Bezirken geht die SRH gezielt gegen diese sogenannten Fahrradleichen vor. Auch im Westen, insbesondere im Stadtteil Altona, sind Mitarbeiter unterwegs. Ihr Vorgehen ist klar geregelt: Auffällige Räder werden mit einem roten Aufkleber markiert. Ab diesem Moment läuft eine Frist von 14 Tagen. Wer sein Fahrrad behalten will, muss es entfernen – ein bloßes Abziehen des Aufklebers reicht nicht. Nach Ablauf der Frist wird das Rad entsorgt, in akuten Gefahrenlagen auch schneller.
Im Alltag wirkt das oft unspektakulär. Ein Aufkleber hier, ein fehlendes Rad dort. Doch in der Summe entsteht Raum. Raum für Pendler, für Schüler, für alle, die auf das Fahrrad angewiesen sind. „Neben einem gepflegten Stadtbild sorgen wir auch für mehr Verkehrssicherheit“, erklärte SRH-Geschäftsführerin Daniela Enslein. Jährlich sammelt die Stadtreinigung mehrere tausend Schrotträder ein.
Im Hamburger Westen zeigt sich dabei ein positiver Nebeneffekt: Weil hier weniger Fahrradleichen anfallen, greifen andere Mechanismen stärker: Intakte, aber herrenlose Räder landen nicht automatisch im Schredder. Auf dem Recyclinghof in Osdorf werden brauchbare Exemplare repariert und später im Gebrauchtwarenkaufhaus Stilbruch verkauft – ein zweites Leben für ausrangierte Alltagsbegleiter.
Und was können Anwohner tun, wenn ihnen ein verdächtiges Fahrrad auffällt? Über die App der Stadtreinigung oder über die zuständigen Bezirksämter lassen sich Hinweise melden. Auch die Polizei nimmt entsprechende Beobachtungen entgegen. Entscheidend ist, dass ein Rad über längere Zeit unbewegt wirkt oder offensichtlich nicht mehr verkehrstauglich ist.

















