Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Saisonverlauf Ihrer Liga-Mannschaft in der Bezirksliga?
Wir haben gerade zu Saisonbeginn in der Liga mehrmals knapp und unglücklich verloren, dafür aber im Lotto-Pokal die vierte Runde erreicht. Das war umso bemerkenswerter, als dass uns zu Beginn mehrere absolute Leistungsträger größtenteils gefehlt haben. Laurenz Schnoor, der aus einer sechsmonatigen Verletzung kommt, hat ebenso wie Dennis-Marcel Ayas, Jan Ole Holst und Aleksandar Pavlovic kaum gespielt. Deshalb und weil wir viele neue und junge Spieler haben – unserem Kader gehören zehn 18-jährige Akteure an –, kann ich unsere Auftritte in dieser Saison richtig einordnen.

Wo möchten Sie mittelfristig mit den SVB-Fußballern hin?
Klar ist, dass wir ein großes Augenmerk auf unsere Jugendarbeit legen. Wir haben neben Lesley Karschau, der bei Altona 93 Stammspieler in der Regionalliga ist, noch fünf, sechs weitere Trainer im Jugendbereich, die über eine A- oder B-Lizenz verfügen. Mit Sebastian Scharrer, der einst Referendar bei der TSG Hoffenheim war, als Julian Nagelsmann dort noch Trainer war, haben wir einen hervorragenden Jugendkoordinator, der als Trainer auch schon die U17 des SC Victoria zum Gewinn des Hamburger Pokals geführt hat. Und mit Sabine Liesegang haben wir auch eine hervorragende, im Umgang mit den jungen Spielern sehr herzliche Jugendleiterin.
Mit diesen Trainern und Verantwortlichen ist es unser Ziel, in drei, vier Jahren unsere eigenen, hervorragend ausgebildeten Jugend-Spieler in die Liga-Mannschaft zu bringen. Für die 1. Herren peilen wir mittelfristig die Landesliga an, für die 2. Herren die Bezirksliga und für die 3. Herren die Kreisliga. Die Landesliga ist meiner Meinung nach als zweithöchste Hamburger Spielklasse sehr reizvoll.
Mancherorts gibt es auch den Wunsch, dass unsere Liga-Mannschaft wieder in die Oberliga Hamburg kommen soll. Aber ich warne davor, dass die SVB dort wieder Schiffbruch erleiden könnte. Deshalb ist es meiner Meinung nach sinnvoller und nachhaltiger, eine gute Rolle in der Landesliga zu spielen. Denn in der Oberliga spielen Mannschaften wie der ETSV Hamburg und die TuS Dassendorf, die ganz andere finanzielle Möglichkeiten haben. Da dürfen wir nicht blauäugig sein, sondern müssen feststellen, dass wir dort nicht mithalten können.

Aber von außerhalb heißt oft, dass in Blankenese so viele reiche Menschen leben, dass es deshalb auch der SVB finanziell gut gehen müsse!
Natürlich leben in Blankenese viele Menschen, die gut situiert sind. Aber so einfach, dass wir davon automatisch partizipieren, ist es ja nicht. Zwar haben wir beispielsweise einige Jugendspieler, die aus gutem Hause kommen – und deren Eltern vielleicht mal einen Satz Trikots sponsern, wofür wir ihnen sehr dankbar sind. Aber ich frage diese Eltern nicht, ob sie die Summe X für unsere Liga-Mannschaft zur Verfügung stellen würden.
Außerdem ist das Sportgelände am Sülldorfer Kirchenweg ein vereinseigenes Gelände. Das bedeutet für uns jährlich Kosten zwischen 50.000 und 60.000 Euro. Denn neben unseren beiden Platzwarten Andrew Langenbacher und Laurentiu Tirt, die übrigens hervorragende Arbeit leisten, müssen wir beispielsweise auch immer wieder Reparaturen an den Rasenmähern bezahlen. Das ist wirtschaftlich ein enormer Nachteil gegenüber den Vereinen, die auf einer Sportanlage spielen, um deren Pflege sich das Bezirksamt kümmert – und mit denen wir dann in einem sportlichen Wettstreit stehen. Hätte ich pro Jahr für die Fußball-Abteilung einen Extra-Etat von 50.000 bis 60.000 Euro, könnten wir damit einige Dinge realisieren, die momentan nicht möglich sind.

Gibt es eine Zusammenarbeit der SVB-Fußball-Abteilung mit den anderen Sparten des Vereins?
Tatsächlich ist dort in den letzten Monaten ein immer größeres Zusammengehörigkeitsgefühl entstanden. Im April haben wir bei unserer Fußball-Versammlung sehr, sehr herzlich auch Mitglieder anderer Abteilungen begrüßt. Und ich stehe mit mehreren anderen Abteilungsleitern im regelmäßigen Kontakt. Das hat sich unter anderem bei der 120-Jahr-Feier unseres Vereins, als mehrere tausend Menschen auf unserer Anlage waren, gezeigt. Die Kontakte zu unserer Hockey-Abteilung wurden auch dadurch intensiviert, dass wir einen usbekischen Spieler haben, der bei der SVB ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert und dabei auch eng bei der Hockey-Sparte eingebunden wird.
Unter dem Motto „One SVB“ treiben wir neben der Renovierung der Tennishalle auch andere Neubauten voran und wollen den Sportplatz Waldesruh, die Heimspielstätte unserer Fußballer, immer weiter aufhübschen. Da haben wir noch einige Dinge geplant. Auch, weil unsere Fußball-Abteilung von 300 auf 600 Aktive gewachsen ist, haben wir inzwischen über 3.000 Mitglieder. Ihnen wollen wir in nicht allzu ferner Zukunft gerne auch abteilungsübergreifend Trainingsanzüge in einheitlichen Farben zur Verfügung stellen – damit etwa die Eltern, die Tennis spielen, genauso gekleidet sind wie ihre Kinder, die Fußball spielen.

Fehlt Ihnen das Trainer-Dasein, oder überwiegt die Freude an Ihrer neuen Aufgabe als Fußball-Abteilungsleiter?
Das ist eine gute Frage, die ich mir selbst auch oft stelle – und über die ich auch schon häufig mit meinen Söhnen diskutiert habe. Ab und zu helfe ich ja noch in einem Spiel an der Seitenlinie aus. Sofern wir dann nicht verlieren und vielleicht ein paar der Dinge, die ich mir überlegt habe, aufgehen, spüre ich schon noch dieses Feuer, das mich als Trainer 22 Jahre lang angetrieben hat.
Andererseits bin ich auch oft froh, dass ich, wenn ich Feierabend habe, die Beine hochlegen darf und nicht noch auf dem Trainingsplatz stehen muss. Und gerade in Angebracht unseres großen Liga-Kaders bin ich froh, dass ich aus den Diskussionen raus bin, was die Aufstellung angeht, warum welcher Spieler wie viel Einsatzzeit bekommen hat. Denn da ist es oftmals so, dass viele Spieler nicht an das Wohl des Teams, sondern nur an sich selbst denken und so viel Einsatzzeit wie möglich haben wollen.
Außerdem macht mir die Hubschrauber-Perspektive, die ich als Sportlicher Leiter einnehme, wirklich Spaß. Ich stehe in einem engen Austausch auch mit unseren Jugendtrainern, von denen ich in den letzten Jahren viel gelernt habe. Da wurden mir wirklich ganz neue Perspektiven aufgezeigt, wo ich gedacht habe: Hätte ich das früher gewusst oder selbst erkannt, hätte ich mit meinen Mannschaften auch ganz anders arbeiten können. Gleiches gilt für die Video-Analyse: Bei der SVB nehmen wir inzwischen jede Partie auf, schauen sie uns anschließend noch einmal an und ziehen unsere Schlüsse daraus. Derartige Möglichkeiten hatte ich früher als Trainer leider nicht.

Was hat Ihnen der Fußball für Ihr Leben gegeben?
Einerseits hat der Fußball mir Disziplin gegeben: Ich musste für den Fußball jede Woche dreimal, mitunter auch viermal trainieren beziehungsweise spielen und funktionieren. Und andererseits hatte ich das Glück, durch den Fußball unheimlich viele Menschen verschiedenster Nationalitäten kennenlernen zu dürfen. Bei TBS Pinneberg, beim FK Nikola Tesla und bei Blau-Weiß Ellas, aber auch beim SC Teutonia 10, bei dem wir in einer Saison Spieler mit 13 unterschiedlichen Nationalitäten hatte.
Ich glaube, das gab es noch nicht so oft, dass ein Trainer so viele Vereine trainiert hat, in denen Menschen mit so unterschiedlichen Mentalitäten aktiv sind. Auch was die wirtschaftlichen Voraussetzungen angeht, hatte ich als Trainer bei meinen Vereinen eine sehr große Bandbreite. Und die Verantwortlichen haben ganz unterschiedliche Herangehensweisen gepflegt, das war auch sehr interessant zu sehen.
Ich habe durch den Fußball ganz viel Wärme erfahren. Dafür habe ich aber neben dem hohen zeitlichen Aufwand auch sehr viel Energie in meine Trainertätigkeiten gesteckt und nervlich bis an meine Grenzen gegangen. Es gab zahlreiche Glücksmomente wie etwa den Gewinn von Meisterschaften. Meister zu werden, ist etwas ganz Besonderes. Als Spieler erinnere ich mich noch gut an einen Titelgewinn mit dem FC Teutonia 05, mit meinem Vater als Trainer und meinem Bruder als Mitspieler. Und als Trainer habe ich nicht nur mit dem SC Teutonia 10 einmal eine sagenhafte Serie hingelegt, sondern auch mit Nikola Tesla, das ich in der Bezirksliga auf einem Abstiegsplatz liegend übernommen und mit 18 Siegen in Folge noch zum Aufstieg geführt habe. Mit dem Hetlinger MTV habe ich einmal einen 16-Punkte-Rückstand auf den SC Union 03 wettgemacht. Und das Freundschaftsspiel mit Hetlingen gegen Holstein Kiel war auch ein überragendes Erlebnis.