Elbvororte (15.10.2015, Kommentar von Joy Dahlgrün-Krall) · Was ist denn beim HSV los? Kommt es nur mir so vor oder scheinen derzeit alle Wogen geglättet zu sein? Keine großen Skandale, ein solider Mittelfeldplatz, mit dem Hauptsponsor verlängert und von Herrn Kühne hat man auch schon länger nichts gehört. Wird der Klub etwa wieder solide oder muss man sich Gedanken machen – jetzt erst recht? Selbst der Umstand, dass Rodolfo Esteban Cardoso nicht mehr als U16-Trainer an der Linie stehen wird, bricht keine Wellen. Der ehemalige Profi soll dem Klub auf jeden Fall erhalten bleiben – in welcher Position ist noch unklar.

Wollen wir mal ein kleines Fazit der bisherigen Saison ziehen. Wie bereits erwähnt, befindet man sich im Mittelfeld und steht somit schon einmal vier bzw. fünf Plätze besser da, als in den letzten beiden Spielzeiten zum gleichen Zeitpunkt. Nach dem VfL Wolfsburg ist man zweitbester Nordklub und lässt Hannover 96, sowie den ungeliebten Nachbarn aus Bremen hinter sich. Im Prinzip kann man doch eigentlich ganz zufrieden sein. Ist man aber nicht ganz, denn die Mannschaft von Bruno Labaddia hat „Torschusspanik“. Lediglich vier der acht Treffer gingen auf das Konto des Sturms. Pierre-Michel Lasogga führt die interne Torschützenliste mit drei Buden an. Dass man jedoch nicht viele Tore erzielen muss um oben mitzuspielen, beweist der FC Ingolstadt. Die Schanzer haben lediglich sechs Mal getroffen und befinden sich trotzdem im oberen Drittel der Tabelle. Nach der 3:0-Niederlage gegen Hertha läuteten bereits bei vielen die Alarmglocken, gefolgt von einem besorgten „Hoffentlich war das nur ein Ausrutscher“.


Ich glaube, ehrlich gesagt, dass man sich in dieser Saison wirklich weniger Sorgen um den HSV machen muss. Auch nicht Uwe Seeler. Bevor man mit Labbadia verlängert, so wie es sich Dietmar Beiersdorfer wünscht, würde ich jedoch noch ein paar Spieltage abwarten. Es fehlen noch dreißig Punkte zum rettenden Ufer. Natürlich ist es Vereinen schon gelungen mit 40 Punkten abzusteigen, aber es sollte ja mit dem Teufel zugehen, wenn man zwei Mal die Relegation für sich entscheidet, um dann in der darauffolgenden Saison mit 40 Punkten die Klasse zu wechseln. Ich glaube, dass der HSV mit einer Strategie in dieser Saison gut fahren würde und diese lehnt sich an folgende Weisheit an: „In der Ruhe liegt die Kraft“. Erst einmal das sichere Fundament bauen und dann kann man sich an den Ausbau begeben. Es macht den Anschein, dass sich Labbadia in Hamburg wohl fühlt und man nicht damit rechnen muss, dass er freiwillig das Weite sucht. Vielleicht ein paar Extra-Schichten für die Stürmer einplanen und sich für eine Nummer eins entscheiden. Bis auf die „Hoffentlich-war-das-nur-ein-Ausrutscher-Begegnung“ gegen Berlin kann man eigentlich nicht meckern und das konnte man auch letzte Saison im Herbst schon nicht.     




Joy Dahlgrün-Krall (30) war zehn Jahre lang Mitglied beim HSV und arbeitete vier Jahre für den FC St. Pauli im Bereich Medien. Seit 2013 betreut und berät sie Sportler in den Sozialen Medien.