Die Idee: Schon beim ersten Entwurf eines Quartiers wird mitgeplant, wo Tiere wohnen, fressen, brüten und überwintern. Der Igel bekommt sein Winterquartier, das Eichhörnchen seine Haselnuss, die Mauerbiene ihre Brutröhre. Wohnungsbau und Naturschutz Hand in Hand, Beton und Biodiversität im Einklang. Wer wollte da widersprechen?
Und doch meldet sich – leise, aber hartnäckig – die Stimme der Realität. Stadtplanung ist schon heute ein Hochleistungssport aus konkurrierenden Interessen: Wohnraumbedarf, Klimaschutz, Verkehr, Barrierefreiheit, soziale Infrastruktur, Kostenexplosion. Jetzt also auch noch artgerechte Stadtarchitektur für Wildtiere. Der gute Wille wächst, aber die Komplexität wächst schneller.
Denn jede zusätzliche Rücksichtnahme ist nicht nur eine planerische Fußnote, sondern ein Kostenfaktor. Und ein Abstimmungsproblem. Wenn der Igel hier wohnt, kann dort kein Parkplatz sein. Wenn die Amphibien wandern, muss der Mensch warten – oder bezahlen. Projekte wie die Amphibientunnel entlang der Holztwiete in Othmarschen zeigen, wie schnell ökologische Vernunft an finanziellen Grenzen endet. Zu sinnvoll, um sie abzulehnen. Zu teuer, um sie zu bauen.
Man könnte nun vermuten, dass genau hier der politische Charme von Animal Aided Design liegt: Wenn man Tierschutz gleich zur planerischen Pflicht macht, verschwindet die unbequeme Finanzierungsfrage einzelner Maßnahmen elegant im Gesamtkonzept. Der Tunnel ist dann kein Extra mehr, sondern Standard. Nicht mehr „können wir uns das leisten?“, sondern „das gehört halt dazu“.
Doch genau an diesem Punkt wird es heikel. Denn Standards haben die unangenehme Eigenschaft, verpflichtend zu sein – unabhängig von Haushaltslage, Flächenknappheit oder Prioritäten. Wollen, können, müssen wir uns das leisten? Oder anders gefragt: Wird die Stadt dadurch lebenswerter – oder schlicht unbezahlbarer?
Vielleicht liegt die Antwort weniger in immer dichteren Innenstädten mit artgerechter Komplettausstattung für Mensch und Tier, sondern in einer ehrlicheren Arbeitsteilung: Großstadt darf Großstadt sein – dicht, urban, effizient. Und an den Rändern, dort wo Stadt und Dorf ohnehin ineinander übergehen, bekommt die Natur mehr Raum, mehr Luft, mehr Rückzug. Nicht jedes Quartier muss Arche Noah sein.
Animal Aided Design ist ein sympathischer Gedanke. Aber wie so oft entscheidet nicht die Idee über ihren Erfolg, sondern das Maß. Sonst endet die gut gemeinte Stadtplanung am Ende in einem Biotop der guten Absichten – mit unbezahlbarem Wohnraum, aber hervorragend untergebrachten Igeln.
Ihr Markus Krohn

