„Speicher fast voll.“ Diese drei Worte des Smartphones sind die moderne Höchststrafe. Mein digitales Zuhause platzt aus allen Nähten, also müssen Opfer gebracht werden. Erster Blick: Die Apps. Doch welche soll weg?

Die Schrittzähler-App, die mich täglich wegen Faulheit beschämt? Nein, die motiviert mich. Die Park-App für eine Stadt, in der ich noch nie war? Man weiß ja nie. Am Ende bleibt alles beim Alten. Sicherheit geht vor.

Zweiter Versuch: Die Fotos. Ein Klick offenbart das Grauen von 8.000 Bildern – ein digitaler Messi-Palast im Hosentaschenformat. Da sind sie: fünfunddreißig identische, verschwommene Sonnenuntergänge, ein ungenutztes Rezept von 2022 und siebzehn Fotos von einem Kassenzettel für einen Toaster, der längst im Elektromüll liegt. Den Überblick behalten? Völlig ausgeschlossen. Jedes Bild schreit nach unersetzbarer Erinnerung.

Die Lösung liegt auf der Hand. Ich werde weder löschen noch umspeichern. Ich tue das, was jeder zivilisierte Mensch in dieser Situation tut: Ich ignoriere die Warnung, schließe die Augen und kaufe mir für zwei Euro im Monat mehr Cloud-Speicher. Das Problem gehört nun meinem zukünftigen Ich.

Ihr Markus Krohn