Man hat ihn ja fast vergessen, diesen großen gelben Himmelskörper, der sich nach norddeutschen Monaten in Grau plötzlich wieder zeigt, als wolle er sagen: „Na, habt ihr mich vermisst?“ Und natürlich hat man das. Sehr sogar.

Also raus mit dem T-Shirt, rein in die leichten Schuhe, das Gesicht gen Himmel gereckt und innerlich schon ein bisschen Urlaub gebucht. Die Sonne scheint, die Laune steigt, der Mensch wird leichtsinnig.

So auch neulich beim Besuch eines Freundes. Morgens war noch alles feucht, kühl und vernünftig. Ich rechnete mit einem gepflegten Aufenthalt drinnen, vielleicht mit Kaffee, Gesprächen und sicherem Abstand zur UV-Strahlung. Doch dann kam die Sonne heraus. Erst zaghaft, dann überzeugend. Und plötzlich saßen wir draußen.

Ich fand ein Plätzchen in der Sonne. Ein schönes Plätzchen. Ein verhängnisvolles Plätzchen.

Die Gespräche wurden intensiv, der Austausch erquickend, Erinnerungen an längst vergangene Zeiten machten die Runde. Man sprach, lachte, nickte, erzählte – und vergaß dabei eine Kleinigkeit: dass die Sonne nicht nur wärmt, sondern auch arbeitet. Still, gründlich und ohne Gewerkschaftspause.

Vier Stunden später war aus Frühlingsfreude ein dermatologisches Mahnmal geworden. Die Haut spannte, glühte und teilte mir unmissverständlich mit, dass sie an diesem Nachmittag nicht ausreichend in die Planungen einbezogen worden war.

Am Abend suchte ich nach der Sonnencreme. Nicht lässig, sondern schuldbewusst. Und wie jedes Jahr schwor ich mir: Nie wieder ohne. Zumindest bis zum nächsten überraschend schönen Tag.


Keine Angst: Am Wochenende soll es bedeckt sein. Ich wünsche Ihnen trotzdem gute Erholung. Ihr Markus Krohn