Hamburg-West/Elbvororte (25. März 2026, Stefan Bick – 1. Vorsitzender Blankeneser Bürger-Verein) · Auf Antrag der Altonaer Fraktionen GRÜNE, SPD, DIE LINKE, FDP und VOLT soll eine Strasse nach der am 10. Juli 2021 im Alter von 96 Jahren verstorbenen Esther Bejarano benannt werden. Dafür ist beabsichtigt die Bergiusstrasse in Altona umzubenennen.

Esther Bejarano geboren am 15. Dezember 1924 in Saarlouis war Antifaschistin und Überlebende der Konzentrationslager Auschwitz und Ravensbrück und lebte über 60 Jahre in Hamburg. Musik hat sie ihr Leben lang begleitet und noch im hohen Alter trat sie als Sängerin auf. Schon als Kleinkind sang sie jiddische Lieder, obwohl sie die Sprache gar nicht verstand. Als Sechsjährige begann sie mit dem Klavierspiel. 1939 im Alter von 15 Jahren verließ sie das Elternhaus, um zu versuchen, nach Palästina auszuwandern. Doch der Versuch schlug fehl. Zwei Jahre leistete sie Zwangsarbeit in einem Lager in Landwerk Neuendorf bei Fürstenwalde an der Spree. Am 20. April 1943 wurden alle Insassen des Lagers in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Dort musste sie Steine schleppen, bis sie sich freiwillig meldete, im neu gegründeten Frauenorchester von Auschwitz Akkordeon zu spielen. Bis dahin hatte sie Klavier gespielt. Das Orchester hatte unter anderem die Aufgabe, beim täglichen Marsch der Arbeitskolonnen, die durch das Lagertor zogen, zu spielen. Sie gehörte zu den letzten Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz und überlebte nur, weil sie im Frauenorchester mitspielte. Nach dem Krieg engagierte sie sich auf vielfältige Weise als Zeitzeugin gegen den Faschismus unter anderem durch Vorträge und musikalische Darbietungen. Sie wollte die Erinnerung an den Holocaust wachhalten und war regelmäßige Rednerin beim Internationalen Jugendtreffen, das jährlich im Max-Mannheimer-Studienzentrum in Dachau stattfand.

Aufgrund ihres Lebensweges und ihres Einsatzes für Demokratie und gegen Faschismus hat Esther Bejarano es auf jeden Fall verdient mit einem Strassennahmen geehrt zu werden um die Erinnerung an sie wachzuhalten!

Friedrich Carl Rudolf Bergius geb.1884 war ein deutscher Chemiker und Unternehmer. Bergius schuf die Grundlage für das Bergius-Pier-Verfahren zur Herstellung von Benzin und Dieselöl aus Kohle und Wasserstoff unter hohem Druck sowie ein verbessertes Verfahren zur Umwandlung von Holz in Zucker. Im Jahre 1913 meldete er ein Verfahren zur Kohleverflüssigung zum Patent an. Durch dieses Verfahren über die Hydrierung von Kohle legte er den Grundstein, der die Produktion synthetischer Kraftstoffe unabhängig von Erdöl ermöglichte.1931 erhielten Bergius und Carl Bosch für diese Entwicklung den Nobelpreis für Chemie. Seine Arbeit hatte einen entscheidenden Einfluss auf die moderne chemische Industrie und die Energiegewinnung. Als Erfinder des Bergius-Verfahren zur Kohleverflüssigung, wurde sein Unternehmen mit Staatsgeldern vom NS-Staat gefördert, um die Abhängigkeit von ausländischem Erdöl zu verringern. In diesem Zusammenhang wurde er Mitglied der NSDAP.

Bergius war Ehrendoktor und Ehrensenator der Universität Heidelberg sowie Ehrendoktor der Universität Hannover und der Harvard University (1936). Aufgrund seiner wissenschaftlichen Verdienste ist die Friedrich-Bergius-Oberschule in Berlin-Friedenau sowie die Bergiusschule in Frankfurt-Sachsenhausen nach ihm benannt worden.

Die Umbenennung der Strasse des Nobelpreisträgers Bergius nur mit seiner NSDAP Mitgliedschaft zu begründen allein reicht nicht aus. Auch die Gründungsmitglieder der Grünen, Werner Vogel und Baldur Springmann waren Mitglieder der NSDAP gewesen, nur im Unterschied zu Bergius zusätzlich in der SS und SA.

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Demokratieverständnis bedeutet, dass man nicht die Geschichte löscht sondern darüber spricht und diskutiert! Die Umbenennung einer Strasse hat stets immense Folgekosten zur Folge. So kostete beispielsweise die Umbenennung der vormaligen Frenssenstrasse in Blankenese in Anne-Frank-Strasse bereits 1995 über hunderttausend DM. Basierend auf den Daten der Deutschen Bundesbank (Stand: Januar 2026) entspricht dieser Betrag heute einem Kaufkraftäquivalent von etwa 108.000 Euro.

Es geht ja nicht nur darum ein paar Schilder auszutauschen. Sämtliche Anwohner und Firmen sind gezwungen neue Ausweise, Pässe, Führerscheine, Krankenversicherten- oder Visitenkarten zu beantragen und anzufordern. Dazu folgen noch Adressenänderung im Katasteramt sowie Strassenpläne, Internet u.a. Insbesondere für ältere Anwohner eine unzumutbare Aufgabe.

Dies sind Gelder die für Integrationskurse, Jugendzentren, Kitas, Renovierungsmaßnahmen an Schulen, Instandsetzung von Fahrradwegen sowie insbesondere der Grünpflege fehlen. Auch wenn die Gelder dazu teils aus „ganz anderen Töpfen“ kommen. Darum geht es aber nicht. Hier werden von den politischen Entscheidungsträgern Steuergelder aus dem Fenster geworfen, die an anderer Stelle dringend fehlen.

Im Interesse der Bürgerinnen und Bürger würde es sich anbieten, statt einer teuren Umbenennung sich für eine neue Strasse oder Platz beispielsweise neben der neuen Mitte Altona auf dem Holstengelände oder in der HafenCity zu entscheiden.