Stellingen/Elbvororte (28. Mai 2026, Sascha Mummenhoff) · Das ZRE ist nicht einfach nur ein weiteres teurer gewordenes Großprojekt. Es ist das nächste Warnsignal dafür, dass der Senat seine städtischen Prestigeprojekte nicht mehr im Griff hat. Nach Vera II zeigt sich erneut, wie schnell Großprojekte in Hamburg aus dem Ruder laufen. Kosten steigen, Zeitpläne brechen zusammen und die Aufarbeitung beginnt erst, wenn das Chaos längst da ist. Den Schaden tragen am Ende nicht die Verantwortlichen, sondern die Steuerzahler, Gebührenzahler und Fernwärmekunden.

Gleichzeitig verkauft der Senat immer neue Visionen: die U-Bahn-Anbindung des Hamburger Westens, eine neue Oper, Baden in der Alster, ein Mega-Olympia-Stadion. Nach außen Hochglanz und Zukunftsrhetorik, hinter den Kulissen Überforderung bei Steuerung, Transparenz und Kostenkontrolle. Man muss inzwischen ernsthaft fragen: Womit ist dieser Senat eigentlich nicht überfordert? Und welche unangenehme Überraschung kommt als Nächstes ans Licht? Vielleicht erklärt genau das auch, warum es zuletzt selbst bei einfachen Anfragen immer wieder Transparenzprobleme und Verzögerungen gab.

Und genau deshalb sind auch die bisherigen Olympia-Kalkulationen alles andere als vertrauensbildend. Wenn Hamburg schon bei deutlich kleineren Infrastrukturprojekten regelmäßig den Überblick verliert, warum sollten die Bürger ausgerechnet bei Olympia plötzlich an belastbare Kostenprognosen glauben? Gerade nach der aktuellen Mai-Steuerschätzung müsste der Senat vorsichtiger, ehrlicher und realistischer planen, statt immer größere Versprechen zu machen, während die Kontrolle über bestehende Projekte verloren geht.