Die Zahlen sind eindeutig und für viele Betroffene alarmierend: Im Bezirk Altona warten Familien im Durchschnitt mehr als 110 Tage auf die Auszahlung ihres Elterngeldes. Damit liegt der Bezirk deutlich über dem Hamburger Durchschnitt von rund 64 Tagen – ein Unterschied, der für junge Eltern spürbare Folgen hat.

Gerade in den ersten Monaten nach der Geburt eines Kindes sind viele Familien auf die staatliche Unterstützung angewiesen. Ein Einkommen fällt weg, gleichzeitig steigen die Ausgaben. Das Elterngeld soll in dieser sensiblen Phase finanzielle Stabilität schaffen. Bleibt die Zahlung jedoch aus, geraten Haushaltsplanungen schnell ins Wanken.

Katarina Blume, Vorsitzende der FDP-Fraktion in der Bezirksversammlung Altona, spricht von einem „unhaltbaren Zustand“. Aus ihrer Sicht handelt es sich nicht nur um ein strukturelles Problem, sondern auch um ein Versäumnis der Verwaltungsspitze. Besonders kritisch bewertet sie, dass Altona im Vergleich zu anderen Bezirken deutlich schlechter abschneidet.

Die Situation wird zusätzlich durch einen gestiegenen bürokratischen Aufwand verschärft. Während Elterngeldanträge früher überschaubar waren, umfassen sie heute häufig mehr als 20 Seiten. Zwar wurden erste Schritte zur Digitalisierung eingeleitet, doch aus Sicht von Kritikern reichen diese Maßnahmen bislang nicht aus, um die Verfahren spürbar zu beschleunigen.

Aktuell befinden sich im Bezirk 126 Anträge seit mehr als drei Monaten in Bearbeitung. Für die betroffenen Familien bedeutet das, dass sie über einen langen Zeitraum ohne die eingeplante Unterstützung auskommen müssen – oft mitten in einer ohnehin herausfordernden Lebensphase.

Besonders brisant: Der Bezirksamtsleiter war während der Bewerbungsphase für den Posten auf die Problematik angesprochen worden und hatte öffentlich Verbesserungen angekündigt. Eine nachhaltige Entlastung ist bislang jedoch ausgeblieben. Für Blume ist das ein klares Zeichen mangelnder Prioritätensetzung.

Die FDP-Fraktion will nun politischen Druck aufbauen. In der morgigen Sitzung der Bezirksversammlung soll ein Antrag eingebracht werden, der unter anderem mehr Personal in der Elterngeldstelle, kurzfristige Unterstützung für besonders belastete Bezirke sowie eine konsequente Digitalisierung der Verfahren fordert.