Was auf den ersten Blick wie eine Erfolgsgeschichte wirkt, bekommt bei näherem Hinsehen deutliche Risse. Altona wurde im Rahmen des hamburgweiten Wettbewerbs "Abpflastern" für das Jahr 2025 mit dem Goldenen Spaten ausgezeichnet. Nach Angaben der Umweltbehörde entfielen 4.206 Quadratmeter entsiegelte Fläche auf den Bezirk. Auch Altona-Altstadt erhielt mit der Goldenen Gießkanne einen Preis: Dort wurden 2.435 Quadratmeter entsiegelt.

Doch die Bilanz des Programms wirkt weit weniger glänzend, sobald man die Zahlen hinter den Preisen betrachtet. Nach Berichten über die Senatsantwort auf die Bürgerschaftsanfrage Drs. 23/4447 wurden hamburgweit nur 10 von mehr als 2.200 Vorschlägen für öffentliche Flächen umgesetzt. Zudem stehen den Bezirken laut Senatsauskunft keine gesonderten Finanzmittel der Umweltbehörde für öffentliche Entsiegelungsmaßnahmen zur Verfügung. Ebenso konnte nicht beziffert werden, wie viel Fläche 2025 an anderer Stelle wieder neu versiegelt wurde.

Gerade für Altona ist das brisant. Der Bezirk zählt zu den dicht bebauten Teilen Hamburgs, und versiegelte Flächen verschärfen an heißen Tagen das Klima in den Straßen und auf den Plätzen. Entsiegelung gilt deshalb als ein wichtiger Baustein, um Regenwasser versickern zu lassen, aufgeheizte Oberflächen zu reduzieren und mehr Raum für Grün zu schaffen. Wenn ein Wettbewerb solche Maßnahmen sichtbar machen soll, dann entscheidet sich seine Glaubwürdigkeit nicht an Preisverleihungen, sondern daran, ob Vorschläge dauerhaft und im größeren Maßstab umgesetzt werden.

Besonders deutlich zeigt sich der Widerspruch in Altona-Altstadt. Dort wurde im Trinitatisquartier zwar öffentliche Fläche entsiegelt. Gleichzeitig verweist die Kritik darauf, dass an anderer Stelle wieder neu versiegelt worden sei - verbunden mit spürbaren Grün- und Baumverlusten. Damit steht ein Kernproblem der Hamburger Entsiegelungspolitik im Raum: Einzelne Erfolge lassen sich öffentlichkeitswirksam auszeichnen, während die Gesamtbilanz vor Ort trotzdem negativ oder zumindest widersprüchlich ausfallen kann.

Hinzu kommt ein zweites Problem: die mangelnde Verbindlichkeit. Laut der kritisierten Senatsantwort gibt es keine Garantie, dass einmal entsiegelte öffentliche Flächen nicht später erneut versiegelt werden. Damit droht aus einer Klimaschutzmaßnahme ein Zwischenstand auf Zeit zu werden. Für Bezirke wie Altona, die unter Hitzebelastung, Verkehrsdruck und Flächenkonkurrenz besonders leiden, wäre das zu wenig.

Auch politisch ist das Thema längst zum Streitfall geworden. Bereits 2024 hatte ein amtliches Prüfverfahren in Altona-Altstadt acht kleinere öffentliche Flächen identifiziert, die sich zum Abpflastern eignen. 2025 setzte sich die Linke im Klimaausschuss dafür ein, diese Entsiegelung endlich umzusetzen und dafür ausreichend Geld bereitzustellen. Nach Darstellung der Kritiker reichte die beschlossene Summe jedoch nicht aus - mit der Folge, dass die Umsetzung bis heute aussteht.

So entsteht ein Bild, das über Altona hinausweist. Hamburg schmückt sich mit einem Wettbewerb, der Aufmerksamkeit für Entsiegelung schafft und einzelne Projekte belohnt. Gleichzeitig zeigen die verfügbaren Daten, wie klein der tatsächliche Umsetzungsgrad bislang ist. Wenn von mehr als 2.200 Vorschlägen am Ende nur zehn auf öffentlichen Flächen realisiert werden, dann bleibt zwischen Anspruch und Wirklichkeit eine erhebliche Lücke.

Der Fall Altona steht damit exemplarisch für ein klimapolitisches Grundproblem: Symbolik ersetzt keine Strukturpolitik. Der Goldene Spaten mag für Schlagzeilen taugen. Für eine wirksame Anpassung an Hitzewellen braucht es jedoch verlässliche Finanzierung, verbindliche Ziele und die politische Zusage, entsiegelte Flächen nicht an anderer Stelle oder zu einem späteren Zeitpunkt wieder zu verlieren.

Die Kritik daran fällt entsprechend scharf aus. Die klimapolitische Sprecherin der Linksfraktion in der Bürgerschaft, Heike Schoon, spricht von Symbolpolitik und Greenwashing-Preisen. Unabhängig von der parteipolitischen Zuspitzung verweist der Vorwurf auf einen realen Konflikt: Solange Entsiegelung nicht systematisch geplant, ausreichend finanziert und dauerhaft gesichert wird, bleibt das Abpflastern in Altona eher Auszeichnung als Wende.

Unterm Strich ist Altona damit nicht nur Preisträger, sondern auch Prüfstein. Der Bezirk zeigt, wie groß der Bedarf an Entsiegelung ist - und wie schnell politische Anerkennung ins Leere läuft, wenn sie nicht mit konsequentem Handeln unterlegt wird. Gerade in einem heißen, dicht bebauten Stadtgebiet wird sich entscheiden, ob das Abpflastern in Hamburg