Als Schlüsseltechnologie der Zukunft bietet die Fusionsforschung neben den erneuerbaren Energien ein großes Potenzial für eine nachhaltige und bezahlbare Energieversorgung durch grundlastfähige Energie. Hamburg hat sich gemeinsam mit weiteren Bundesländern zusammengeschlossen, um die Forschung in diesem Gebiet voranzubringen. Maryam Blumenthal, Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung in Hamburg und Dr. Dorit Stenke, Ministerin für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein stellten im Rahmen der heutigen Landespressekonferenz die Fusionsallianz der Länder Hamburg, Schleswig-Holstein, Bayern, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen sowie die Bestrebungen zum Thema Fusionsforschung aus norddeutscher Perspektive vor. Die in Bahrenfeld bzw. Schenefeld beheimateten Forschungsanlagen von DESY und European XFEL spielen bei der Fusionsforschung bereits jetzt eine entscheidende Rolle.
Ziel der Kooperation, die vom Bund mit 1,7 Mrd. Euro gefördert wird, ist es, das erste Fusionskraftwerk der Welt in Deutschland zu bauen. Hamburgs Wissenschaftssenatorin erwartet bis 2045 den doppelten Stromverbrauch im Vergleich zu heute. Sonnenkollektoren und Windkraftwerke werden diesen enormen Bedarf nicht ohne Unterbrechung liefern können. Ein Fusionskraftwerk schon.
Laut einem aktuellen Bericht der International Atomic Energy Agency (IAEA) 2025 existieren weltweit über 160 Fusionsanlagen — davon einige aktive, andere im Bau oder Planung — von “Pilot-” bis hin zu Planungseinrichtungen für spätere Industrienutzung. Deutschland liegt bei der Forschung zur Laserfusion noch zurück, könnte aber Dank der vorhandenen Anlagen in Bahrenfeld und Schenefeld schnell aufholen. Prof. Dr. Thomas Feurer, Vorsitzender der Geschäftsführung des European XFEL, macht jedoch Hoffnung: „Bei der Fusionsforschung ist es wichtig, alle verfügbaren Pferde ins Rennen zu schicken, da derzeit nicht abzusehen ist, welche Technologie sich am Ende durchsetzen wird. Eine äußerst wichtige ist die laserbasierte Fusion, die wir am European XFEL in Echtzeit beobachten und dadurch die Entwicklung der Kraftwerkstechnologie entscheidend beschleunigen könnten. Durch die geschickte Nutzung bestehender Infrastruktur könnte European XFEL bereits in wenigen Jahren eine erste Forschungsplattform für Wissenschaft und Industrie zur Verfügung stellen. Das spart nicht nur öffentliche Gelder, sondern stellt erste Ergebnisse schon in den nächsten zwei bis drei Jahren in Aussicht. Deswegen bewirbt sich European XFEL – zusammen mit seinen Partnern – um Fördermittel aus der Hightech Agenda Deutschland.“
Mit dem European XFEL verfügt die Region über den weltweit einzigen Röntgenlaser, der Fusionsprozesse in Echtzeit sichtbar machen kann. DESY ergänzt dies mit dem größten Beschleunigerkomplex Deutschlands und hoher Kompetenz in der Lasertechnologie. Die Hamburger Universitäten und die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel sind mit ihrer Forschung in Plasma-, Laser- und Materialwissenschaften wichtige Partner.
Die Lage zwischen dem Campus Schenefeld und der Science City Hamburg Bahrenfeld, wo Spitzenforschung, Lehre und Entwicklung auf innovative Stadtentwicklung treffen und Hamburgs Zukunft gestalten, bietet ein ideales Umfeld für Fusionsforschung auf Spitzenniveau.
Dennoch: Technisch sind enorme Anforderungen nötig: Plasma bei extrem hoher Temperatur und Dichte stabil über lange Zeit halten, Materialien finden, die dieser Belastung standhalten, effiziente Energiegewinnung — all das muss noch zuverlässig gelöst werden. Einige Expertinnen sehen ein "breit verfügbares" Fusionskraftwerk frühestens Mitte des Jahrhunderts in Betrieb – selbst wenn Forschung und Entwicklung erfolgreich verlaufen. Mit der jetzt vorgestellten koordinierten staatlichen Allianz und klarer Zielsetzung, die von vornherein Start-ups und Industrie einbezieht, könnte dieser Prozess beschleunigt werden.


