Die Bezirksversammlung Altona hat ein Vorschlagsrecht, um den Posten der Bezirksamtsleitung zu besetzen. Ernannt wird der Bezirksamtsleiter oder die Bezirksamtsleiterin dann vom Senat. 1.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind im Altonaer Rathaus beschäftigt. Die Wahl wird voraussichtlich in der Bezirksversammlung am 25. September erfolgen, antreten wird der neue Chef im Bezirksamt Altona am 1. Dezember 2025. Derzeit leitet der stellvertretende Bezirksamtsleiter Christoph Brümmer das Amt.

Warum ein Hearing? Noch im Frühjahr wollte sich Amtsinhaberin Dr. Stefanie von Berg erneut für den Posten bewerben. Etliche Bezirkspolitiker standen ihr jedoch äußerst kritisch gegenüber und wollten durch die öffentliche Transparenz alternative Bewerberinnen und Bewerber aufwerten. Dadurch, dass sich von Berg jedoch kurz vor Ende der Bewerbungsfrist entschloss, in die Landesverwaltung zu wechseln, kam sie einer möglichen Nicht-Wahl zuvor.

30 KollegiensaalEtwa 200 Interessierte im Publikum stellten größtenteils politisch motivierte FragenInsgesamt wurden 13 Bewerberinnen und Bewerber für das Verfahren zugelassen. Diese stellten sich bereits einer Jury aus Staatsrat, Personalrat und Fraktionsvorsitzenden vor. Nur drei von ihnen wurden gestern im Hearing öffentlich vorgestellt. Zum Einen, weil einige der Kandidaten sich nicht öffentlich präsentieren wollten, zum Anderen, weil die Fraktionen „ihre“ Kandidaten durchbringen wollten.

Ein weiteres Hearing, wie gestern aus dem Publikum gefordert, wird es nicht geben. Bei der Bezirksamtsleitungswahl können die Fraktionen Kandidatinnen oder Kandidaten zur Wahl vorschlagen. Das können Bewerber sein oder andere Personen, die erst zum jeweiligen Wahlgang vorgeschlagen werden. Wahrscheinlich ist jedoch, dass die von den Parteien vorgeschlagenen und gestern vorgestellten Personen zur Wahl gestellt werden. Sollte einer der beiden Kandidaten oder die Kandidatin die Mehrheit erhalten, wird diese Personalie dem Senat vorgeschlagen, der dann die Ernennung vornimmt.

Die größten Chancen werden den beiden Männern im Verfahren eingeräumt, die sich gestern vorgestellt haben. Eine Mehrheit hat derzeit noch keiner der Kandidaten. So wird der 25. September voraussichtlich ein spannender Wahlabend werden, bei dem sich die Fraktionen im Laufe des Abends bewegen werden müssen. Schön zu sehen war am gestrigen Abend, dass zwischen Katarina Blume (FDP), Dr. Anna Vogel (SPD), Dana Vornhagen (Grüne) und Silke Hubert (Volt) die Zusammenarbeit hervorragend und freundschaftlich funktioniert. Zumindest wenn es darum geht, eine gemeinschaftliche Veranstaltung zu organisieren.

30 BV TeamVerstanden sich an diesem Abend besonders gut: Die Fraktionsvorsitzenden von Grünen (Dana Vornhagen), Dr. Anna Vogel (SPD) und Katarina Blume (FDP) sowie Silke Hubert (Volt, nicht auf dem Bild), die das Hearing organisierten

Was ist mit den übrigen Bewerbern? Bereits gestern zeichnete sich Unmut bei einigen der übrigen Bewerber ab, die teilweise im Publikum saßen und sich an der Diskussion beteiligten. Es lag der Vorwurf im Raum, dass die drei von den Parteien benannten Kandidaten nicht nach Qualifikation, sondern wegen ihrer Parteizugehörigkeit die größten Chancen hätten – allerdings ist das bei einer Bezirksamtsleitungswahl nichts Außergewöhnliches.

Teilweise wurde das Hearing hitzig für die Kandidaten, weil aus dem Publikum heftige Anschuldigungen in Richtung Mark Classen vorgebracht wurden. Der als „Spekulationsprofiteur“ bezeichnete Classen wehrte sich gegen die „Diffamierungskampagne“ mutmaßlich ehemaliger Mieter eines von ihm beratenen Klienten. Auch Dr. Kloth wurde wegen seiner Äußerungen bezüglich der Außengastronomie im Schanzenviertel „gegrillt“, der er verschiedene Lösungswege aufzeigte: Einer der anwesenden Gastronomen machte sich Sorgen um seine hundert Mitarbeiter, die er bei Einschränkungen im Betrieb entlassen müsste – die von spätabends laut Feiernden betroffenen Anwohner beschwerten sich über die vom Bezirksamt aus ihrer Sicht zu wenig geahndeten Immisionswert-Überschreitungen. Die kämen möglicherweise eher von lärmenden Alkoholisierten, die sich an Kiosken auf der Schanze mit Hochprozentigem eindeckten, sprang ihm Mark Classen bei.

Insgesamt bemühten sich die Kandidaten um empathische Anteilnahme an den an sie herangetragenen Probleme unterschiedlicher Interessen aus dem Publikum. Lösungen seien in der Regel komplex und nicht immer zügig umsetzbar. Alle drei versprachen, zuzuhören und nach Lösungen für ein gutes Miteinander im Bezirk Altona zu suchen und auf die Bevölkerung, die Mitarbeitenden im Bezirksamt und die Bezirkspolitik offen zuzugehen.

Die Entscheidung für die Besetzung des Bezirksamtsleiterpostens ist nicht einfacher geworden. Hier finden Sie einen audiovisuellen Zusammenschnitt der Ereignisse vom Montag von Oliver Barkhan/Blaues Haus auf YouTube.