Rissen (19. Februar 2026), Konrad Matzen – Zehn Jahre nach der Sperrung des Otto-Schokoll-Höhenwegs deutet sich eine Wende an: Der Grünausschuss empfiehlt der Bezirksversammlung Altona für die Prüfung einer Wiederherstellung in der ursprünglichen Trasse zu stimmen. Statt spektakulärer Brückenkonstruktionen soll der traditionsreiche Panoramaweg nun technisch ertüchtigt werden – mit erheblichen Eingriffen in Hang, Drainage und Sicherungssystem.
Der Otto-Schokoll-Höhenweg oberhalb der Elbe in Rissen ist seit 2017 gesperrt. Auslöser waren massive Schäden am sogenannten Ribbert-Hangbefestigungssystem, das 1986 zur Sicherung des Weges installiert worden war. Hangwasser, Erosion und Bodenbewegungen führten dazu, dass Spann- und Verankerungselemente versagten. Nach weiteren Rutschungen im Januar 2018 wurde die Verbindung endgültig geschlossen.
Seither ist der rund 450 Meter lange Abschnitt am Leuchtturmweg stark zugewachsen. Zwar wurden im Dezember 2025 keine neuen Rutschungen festgestellt, die statische Sicherheit des Geesthangs gilt jedoch weiterhin als sensibel. Absolute Gewissheit über die Standfestigkeit des Hanges kann es laut Verwaltung nicht geben – regelmäßige Überwachung bleibt zwingend.
Die aufgeständerte Version wurde inzwischen aus Kostengründen verworfen. Visualisierung: Bezirksamt Altona
Aufgeständerte Lösung gescheitert
In den vergangenen Jahren hatte das Bezirksamt Altona gemeinsam mit der später zuständigen Behörde für Verkehr und Mobilitätswende sowie dem Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer mehrere Varianten prüfen lassen. Im Mittelpunkt stand zeitweise eine aufgeständerte Stahlkonstruktion – eine Art Steg oder Brücke, die den Weg vom instabilen Hang entkoppeln sollte.
Doch das ambitionierte Vorhaben geriet ins Stocken. Ein Rechtsstreit mit Anwohnern verzögerte das Verfahren, gleichzeitig stiegen die veranschlagten Baukosten deutlich. Hinzu kamen Risiken durch mögliche Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg – sogenannte „Disney-Bomben“ –, die Ramm- und Bohrarbeiten erheblich erschweren könnten. Auch artenschutzrechtliche Belange spielten eine gewichtige Rolle: Der Geesthang besitzt laut Gutachten ein hohes ökologisches Potenzial.
Mehrere hunderttausend Steuer-Euro Planungskosten später ist die kostenintensive Steg-Variante offenbar vom Tisch. Aufwand und Kosten stünden nicht im Verhältnis, heißt es aus dem Bezirksamt.
Die Schäden an dem sogenannten Ribbert-System sollen erneuert werden. Foto: Frieling
Drei Varianten – eine Empfehlung
Die nun vorliegende Beschlussempfehlung für die Bezirksversammlung Altona (Drucksache 22-1828.1) am 26. Februar markiert einen Strategiewechsel. Drei Optionen wurden systematisch geprüft:
Variante 0 sah eine dauerhafte Schließung und den Rückbau der Sicherungssysteme vor. Aus fachlicher Sicht wurde dies nun verworfen. Der Elbhöhenweg besitzt eine herausragende Bedeutung für Erholung, Nahmobilität und Landschaftserleben entlang der Elbe und bildet eine Verbindung bis in den Panoramahöhenweg nach Wedel. Eine dauerhafte Unterbrechung würde die Achse fragmentieren.
Variante 1 hätte den Höhenweg über Treppen- und Rampenanlagen auf das Uferniveau verlagert. Die Verwaltung bewertet diese Lösung als technisch hoch aufwendig, nicht annähernd barrierefrei und mit massiven Eingriffen in den sensiblen Steilhang verbunden. Zudem ginge der charakteristische Aussichtspunkt verloren.
Variante 2 schließlich setzt auf die Wiederherstellung der ursprünglichen Trasse – allerdings mit umfangreicher bautechnischer Ertüchtigung. Diese Option wird nun zur weiteren Bearbeitung empfohlen.
Technische Details der Sanierung
Die favorisierte Lösung umfasst ein ganzes Maßnahmenpaket:
- Reparatur und teilweise Neubau der Hangbefestigungselemente des Ribbert-Systems auf rund 330 Metern,
- Einbau zusätzlicher Dränagen zur gezielten Ableitung von Hang- und Schichtenwasser,
- Reduzierung der Wegequerschnitts auf 1,75 Meter und Verringerung des Wegeaufbaus zur Entlastung des Hanges,
- Ersatz der Tragschicht durch Leichtbaumaterial,
- Erneuerung des Handlaufs auf gesamter Länge,
- Installation von sogenannten Hangfaschinen sowie Bepflanzungen zur zusätzlichen Stabilisierung,
- begleitende Artenschutz- und Ausgleichsmaßnahmen.
Voraussetzung bleibt eine positive hangstatische Untersuchung. Nur wenn die ingenieurtechnische Erkundung eine ausreichende Standfestigkeit bestätigt, kann die Sanierung umgesetzt werden.
Die Kosten werden derzeit mit rund 1,7 Millionen Euro veranschlagt. Die Finanzierung soll über das Erhaltungsmanagement Grün der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft erfolgen. Es handelt sich jedoch um eine vorläufige Schätzung; belastbare Zahlen setzen vertiefte Prüfungen voraus. Eine bauliche Umsetzung wäre – witterungsbedingt – frühestens in den Sommermonaten möglich.
Politischer Druck aus der Opposition
Seit Jahren setzt sich die CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Anke Frieling für eine Lösung ein. Sie kritisierte wiederholt die Fokussierung auf die aufgeständerte Variante und forderte eine Rückkehr zum ursprünglichen Verlauf. Viele Bürger vermissten „ihren“ Höhenweg, sagte sie mit Verweis auf zahlreiche Gespräche und Zuschriften. "Wir haben uns immer vordringlich für die Wiederherstellung des Otto-Schokoll-Höhenwegs in seinem ursprünglichen Verlauf eingesetzt. Das ist der Weg, den alle Menschen vermissen - viele Gespräche und Zuschriften von Bürgerinnen und Bürgern machen das deutlich. Jahrelang wurde vom Bezirksamt behauptet, dies sei nicht möglich, nur die „aufgeständerte“ Lösung käme in Frage. Wieviel Geld, Zeit und Mühe ist auf diese Variante verschwendet worden! Ich hoffe sehr, dass die Instandsetzung des Wegs nun zügig angegangen wird und die Bürgerinnen und die Menschen nicht weitere Jahre auf ihren Weg warten müssen!“, sagte Frieling der DorfStadt-Redaktion.
Tatsächlich wäre die Entscheidung für Variante 2 kein endgültiger Beschluss zum Bau, sondern zunächst ein politisches Signal: Der traditionsreiche Weg am Elbhang soll nicht aufgegeben werden.
Ob das „traurige Jubiläum“ – zehn Jahre Sperrung – bald endet, hängt nun von Statik, Finanzierung und Vergabeverfahren ab. Klar ist: Der Otto-Schokoll-Höhenweg bleibt ein Symbol für das Spannungsfeld zwischen Naturschutz, Haushaltsdisziplin und dem Wunsch der Bürger nach einem freien Blick über die Elbe.






















