Hamburg-West (11. April 2025, Markus Krohn) · Wie können Knotenpunkte für urbane Logistik, Verkehr und weitere Nutzungen in Zukunft so gestaltet werden, dass sie zu den Klimazielen beitragen? Wie können Emissionen im Personen- und Warenverkehr durch integrierte Lösungen reduziert werden? Diesen und weitere Fragen sind im Rahmen des EU-Projekts MOVE21 mehrere europäische Städte, darunter auch Hamburg, nachgegangen. Nach vier Jahren Laufzeit ist das Projekt nun beendet – und Hamburg will seine gewonnenen Erfahrungen weitergeben. Dazu gehört auch das Transport-Projekt mit der „Dorfkutsche“ in Rissen.
Ziel war es, durch die Entwicklung und Erprobung innovativer Lösungen im Bereich der Personen- und Warenverkehre neue Potentiale zur Reduzierung klimaschädlicher Verkehrsemissionen in den teilnehmenden Städten zu identifizieren. Das im Mai 2021 gestartete Projekt ist im April 2025 ausgelaufen. Das Teilprojekt unter dem Titel „Rissen bringts“ war schon Ende 2023 wegen zu geringem Interesse der Rissener gescheitert. Nur eine einzelne Person hatte sich im Zeitraum von drei Monaten etwas aus dem Rissener Dorf mit der Ringbuslinie liefern lassen.
Zwei andere Projekte dagegen liefen erfolgreicher. Dabei handelt es sich um die beiden Quartiers-Hubs an der Holstenstraße und am Kaltenkirchener Platz. Dort läuft der Betrieb auch nach Abschluss des Projektzeitraumes weiter!
Ziel dieser sogenannten Microdepots ist es, durch den Einsatz von kleineren E-Fahrzeugen oder E-Lastenrädern für die Logistik der letzten und ersten Meile den Verkehr für Warentransporte zu reduzieren und umweltfreundlich zu gestalten.
Bisher kommen die Transportgüter in der Regel aus großen Verteilerzentren am Stadtrand mit LKWs oder Sprintern in die Stadt und verursachen in den dicht besiedelten Quartieren ein erhöhtes Verkehrsaufkommen und Verkehrsbelästigungen, beispielsweise durch Parken in der zweiten Reihe, aber auch erhöhte Lärmemissionen durch häufiges Anfahren. Bei der Nutzung eines Mikrodepot wird nur ein zentraler Ort von den großen Transportfahrzeugen angefahren, welche dort die Güter gebündelt Be- und Entladen. Vom Mikrodepot aus werden die Sendungen und Lieferungen auf kleinere Touren aufgeteilt, umgepackt und mit E-Lastenrädern ausgeliefert.
In Hamburg bildeten das Bezirksamt Altona, die Senatskanzlei, die Behörde für Wirtschaft und Innovationen, die HafenCity Universität und die DB InfraGo AG, Smart City | DB das Projektkonsortium von MOVE21. Gemeinsam wurde nun am 7. April ein lokales Abschlussevent in der Stadt veranstaltet, bei dem die Projektergebnisse präsentiert und mit Projektpartner*innen und Mobilitätsfachleuten die Perspektiven für eine zukünftige Aufnahme diskutiert wurde.
Jan Kruska, Projektleiter Microdepot, DB InfraGO AG freut sich, „dass wir unsere Expertise in das Projekt einbringen konnten. Eine nachhaltige und gemeinwohlorientierte Stadt braucht die Bündelung von Angeboten an zentralen Orten. Das konnten wir mit der multifunktionalen und sozialen Nutzung des Micro Depots in der Holstenstraße, der Pilotierung eines gebündelten Warenverkehrs oder dem gemeinschaftlich genutzten Kaltenkircher Platz eindrücklich zeigen.“ „Es war ein guter Weg, den wir da in den vergangenen Jahren gemeinsam beschritten haben. Denn wir haben zusammen Projekte umgesetzt, die einen echten Mehrwert für die Menschen im Projektgebiet, also bei uns in Altona, bedeutet haben“, sagte Dr. Stefanie von Berg, Bezirksamtsleiterin Altona. „Was mich besonders freut: Die vielen positiven Erkenntnisse, die wir bei diesen Projekten gewonnen haben, behalten wir nicht nur für uns. Wir möchten diese teilen, mit anderen Städten und Kommunen. Deswegen haben wir ein ‚Best Practice Manual“ erstellt – und wir hoffen natürlich, dass es auch außerhalb Hamburgs Anklang finden wird.“
Das Best-Practice-Manual soll wertvolle Empfehlungen und Hinweise weitergeben, wie die im Projekt im Bezirk Altona realisierten Maßnahmen auch an anderen Standorten in Hamburg und in anderen Städten realisiert werden können, um neue Ansätze im Personen- und Warenverkehr zu schaffen und klimaschädliche Emissionen zu reduzieren.
Mit einem klaren Fokus auf praktische Anwendbarkeit zeigt das Manual, wie Quartiers-Hubs als multifunktionale Zentren einen Beitrag zur Bündelung von Logistik, Mobilität, sozialen Angeboten und Dienstleistungen in urbanen Quartieren leisten können. Durch die strukturierte Darstellung von Planungs- und Umsetzungsprozessen – ergänzt durch konkrete Beispiele – unterstützt das Manual dabei, die vielseitigen Potenziale von Quartiers-Hubs auszuschöpfen und möglichst passgenau auf die spezifischen Bedürfnisse und Gegebenheiten vor Ort anzuwenden.
Interessierte Bürgerinnen ebenso wie Akteure aus Hamburg und anderen Städten können auf der MOVE21-Projekt-Homepage das Best-Practice-Manual wie auch weitere Veröffentlichungen herunterladen und sich über die umgesetzten Projektaktivitäten und gesammelten Erfahrungen informieren.


