Klimaneutralität ja – aber nicht um jeden Preis.
Der Hamburger Zukunftsentscheid wollte das Ziel der Klimaneutralität um fünf Jahre vorziehen. Von 2045 auf 2040. Vielen Menschen in den Elbvororten sahen das anders.
Hier, wo sich Einfamilienhäuser dicht an dicht reihen und Wärmepumpen nicht selten hinter historischen Fassaden Platz finden müssten, fürchten viele hohe Umbaukosten. Zumal es meist nicht reicht, lediglich eine Wärmepumpe einzubauen, vielfach muss zusätzlich das Haus gedämmt, das Dach erneuert oder zusätzlich eine Fußbodenheizung eingebaut werden. Das zumindest befürchten viele Elbvorortler. Alte Gemäuer zu dämmen, Heizungen auszutauschen oder Solartechnik zu installieren, bedeutet in diesen Lagen schnell sechsstellige Beträge. Längst nicht jeder Eigenheimbesitzer in den Elbvororten verfügt über genügend Rücklagen oder das benötigte Einkommen, um solche Investitionen zu stemmen. Auch wenn die Haushalte in den Elbvororten durchschnittlich wohlhabender als anderswo sind, gibt es hier Menschen, die sich Sorgen über steigende Wohnkosten machen.
Dazu kommt das Gefühl, dass die politischen Versprechen zur „sozialen Ausgewogenheit“ vage bleiben. Wer ohnehin schon hohe Grundsteuern und Energiekosten trägt, fragt sich, wie viel zusätzliche Last noch tragbar ist und ob die Stadt genug Unterstützung bieten würde. Niemand aus der Mittelschicht möchte zudem am Sozialtopf der Stadt hängen, wenn dazu das gesamte Vermögen offengelegt werden muss, nur um hier wohnen zu können.
Realismus, Autonomie – und ein Hauch Skepsis
Neben finanziellen Bedenken spielt in den Elbvororten auch ein anderer Gedanke mit: Realismus. Klimaneutral bis 2040 klingt ambitioniert – vielleicht zu ambitioniert. Viele Anwohnerinnen und Anwohner befürchten, dass der Plan nur mit drastischen Eingriffen umzusetzen wäre: Tempolimits, Bauauflagen, Verbote von Öl- oder Gasheizungen.
Zudem sind in den grundsätzlich wohlhabenderen Vororten Menschen möglicherweise konservativer in Bezug auf schnelle Veränderungen, insbesondere wenn diese Veränderungen spürbare Auswirkungen im Alltag haben. Manche könnten das Gesetz aus unausgerogren bürokratisch oder zu ideologisch empfinden.
In Stadtteilen, in denen der eigene Wagen kein Luxus, sondern Notwendigkeit ist, wirken solche Ideen eher wie eine Drohung als wie Fortschritt. Und wo der Staat zunehmend Vorgaben macht, wächst der Wunsch nach Selbstbestimmung.


